Testbericht NAD C 245 BEE - Stereo-Endstufe für Bi-Amping
- Testbericht
- Datenblatt
NAD C-245 BEE 4
- Hersteller
- NAD
- UVP
- 600 €
- Wertung
- 85.0 Punkte
- Testverfahren
- 1.0
- Auszeichnung
-
In der digitalen Welt haben wir uns längst an Variabilität gewöhnt: Handys dienen längst nicht mehr nur zum Telefonieren und Simsen, sie ersetzten Fotoapparate, Video-Kameras oder Navigationssysteme. Wie beschränkt wirkt dagegen die Analogwelt, wo sich seit Erfindung des Schweizer Offiziersmessers nichts mehr Bahnbrechendes getan hat.
© MPS
© MPS
© AUDIO
© AUDIO
Der Hörtest verlief so abwechslungsreich wie die Einsatzmöglichkeiten dieser Endstufe. Als Prüfstein verwendeten wir die vielseitig ansteuerbare und hochauflösende KEF Reference 207/II, obgleich sie preislich in einer anderen Liga spielt. Zunächst musste sich der C 245 BEE als gewöhnlicher Zweikanal-Endverstärker beweisen. Ein Endstufenzweig durfte sich ausruhen, während sich der andere an der schweren Britin abrackerte. Kaum zu glauben, aber selbst dieses Ergebnis konnte sich wahrlich hören lassen. Der Bass wirkte überraschend kontrolliert und kräftig, die Dynamikreserven reichten für erhöhte Zimmerlautstärken im relativ großen, stark bedämpften AUDIO-Hörraum locker aus.
Der Applaus bei „Mr. Bojangles“ von Robbie Williams („Live At Knebworth“) kam stürmisch und differenziert aus den Lautsprechern. Die Stimmwiedergabe überzeugte, was Artikulation und Fokussierung betraf. Als reine Zwei-Kanal-Stereo-Endstufe übertraf der schlaue Graue schon in praktisch allen Belangen das Resultat, das sich beim direkten Zugriff auf die Ausgangsstufe des per Brücke auftrennbaren, sehr gelungenen Vollverstärkers NAD C 326 BEE erzielen ließ. Dieses Ergebnis entspricht dem Einsatz der C 245 BEE als Stereo-Verstärker für zwei verschiedene Hörzonen.
Aus audiophiler Sicht interessierte uns noch mehr der Einsatz als Vierkanal-Stereo-Endstufe. Dazu trennten wir die Weiche der KEF in Tiefton- und Mittelhochton-Sektion auf. Die Performance dankte das Bi-Amping mit einem deutlichen Schub in Sachen Impulsivität, Basspräzision und erschien subjektiv lauter, wenn man die Reserven ausnutze. Nun schien das Publikum noch enthusiastischer in die Hände zu klatschen, was die Musiker um den Bassisten Marcus Miller („The Ozell Tapes“) offenbar dazu animierte, noch präziser und ausdrucksvoller in die Saiten zu greifen. Zudem fiel ein recht drastischer Zugewinn an Plastizität auf. Die Musiker auf der Bühne erschienen dreidimensionaler vor dem geistigen Auge. Die Obertöne der Instrumente wirkten klarer und in komplexen Passagen blieb mehr Durchhörbarkeit erhalten.
Während im Zweikanal-Betrieb die Kontur und der Nachdruck im Bass immer dann leicht abnahmen, wenn es in den mittleren Oktaven richtig zur Sache ging, ging jetzt der Punch im Keller nicht verloren. Das einzige kleine Manko, die leicht zur Kühle neigenden Stimmen etwa bei Robbie Williams, ließ sich durch den Vierkanal-Stereo-Betrieb nicht kurieren. Allerdings wirkte alles viel weniger angestrengt und sehr luftig, was den hellen Klangcharakter nicht unangenehm in Erscheinung treten ließ.
Wer also seinen NAD C 326 BEE auftrennt und im Zuge eines stufenweisen Upgradings als Vorstufe verwendet, kann mit dem neuen Vierkanal-Amp einen deutlichen Zugewinn an Wiedergabequalität verbuchen und widerspenstigere Lautsprecher zähmen. Das Plus in Sachen Definition, Durchzeichnung, Punch und Basspräzision trat im Gegencheck mit dem als Vorstufe fungierenden NAD-Vollverstärker deutlich hervor. Die Grundtugenden, die sich zuvor im Verbund mit der Vorstufe Ayre K-5xe geäußert hatten, blieben durchweg erkennbar, auch wenn sich so nicht das ganze Potenzial des C 245 BEE ausschöpfen ließ.
Doch das NAD-Team animierte zu Experimenten. In dieser Konfiguration blieb die integrierte Endstufe des in Vor- und Endstufe aufgetrennten Vollverstärkers ungenutzt. Der Besitzer könnte damit theoretisch einen weiteren Raum beschallen, doch da wir die KEF Reference mit ihren drei auftrennbaren Bereichen zur Hand hatten, versuchten wir es mit Tri-Amping. Nun verfügten die Bässe über einen eigenen Verstärkerzweig der Vierkanal-Endstufe, die unteren Mitteltöner ebenfalls. Die Koaxial-Systeme für die oberen Mitten und den Hochtonbereich speisten wir unter Verwendung der aus dem Endstufen-Ausgang zurückgeführte Cinch-Verbindung mit der eingebauten Leistungsstufe des C 326 BEE.
Dabei ging noch mehr die Post ab. Subjektiv hatte man es mit einem weit potenteren System zu tun, dessen Belastbarkeit verblüffenderweise weit weniger hinter kostspieligen Verstärkerboliden zurückblieb als erwartet. Der Sprung fiel beinahe so groß aus wie beim Umstieg von Zweikanal-Stereo auf Bi-Amping, gerade auch die Stabilität der Abbildung, die Kontur, der Druck im Bass und die Plastizität gewannen deutlich. Dieser NAD ist fraglos ein Gewinn.
Fazit
Wenn man das Klangergebnis in Relation zum Preis setzt, sucht diese Vierkanalendstufe Ihresgleichen. Mit vier Kanälen für 600 Euro definiert die NAD C 245 BEE eine eigene Nische, die sie zugleich souverän dominiert. Die wenigen ernstzunehmenden Vierkanal-Endstufen – etwa die Bi-Stage oder Bi-Complement von Phonosophie – liegen alle deutlich im vierstelligen Preisbereich.
Alle Daten und Testergebnisse zum NAD C-245 BEE 4