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Testbericht Musical Fidelity M1 PWR im Test

Mit dem Endverstärker M1 PWR baut Musical Fidelity seine beliebte M1-Serie aus. Ist der Neue die perfekte Ergänzung zur Streamer-Vorstufe M1 Clic?
Musical Fidelity M1 PWR
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© Archiv, MPS

Musical Fidelity M1 PWR
Klangurteil: 85 Punkte
Preis/Leistung: Sehr gut
  • +vielseitig einsetzbarer Class-D-Verstärker
  • +warmer Klang
  • +gutes Timing
  • -könnte etwas transparenter sein

Letztes Jahr schilderte AUDIO-Chef Bernhard Rietschel in seinem Test des M1 Clic die Luxussorgen im Hause Musical Fidelity: "Antony Michaelson hat ein Problem, um das ihn andere beneiden dürften: Sein neuestes Produkt ist so vielseitig, dass es schwerfällt, eine Bezeichnung dafür zu finden. Es kann mehr als ein normaler Netzwerkplayer, und ein Vorverstärker oder D/A-Wandler ist es erst recht nicht – auch wenn es Funktionen dieser Geräte beinhaltet. 'Universal Music Controller' heißt nun halbwegs treffend die neue Gattung, der der M1 Clic gewissermaßen als Gründer angehört."

Die Einzigartigkeit dieser eierlegenden Wollmilchsau führte zu weiterem Jammern auf hohem Niveau: Die Fangemeinde forderte fortan vehement einen passenden Endverstärker im M1-Design. Zwar stimmen Frontplattenprofil und Gerätehöhe mit der M3-Serie überein und jeweils zwei M1-Geräte passen unter ein Fullsize-Gehäuse, doch wünschten sich viele eine minimalistische Lösung. Wie dem auch sei: Jetzt gibt es sie, die kleine Stereo-Endstufe namens M1 PWR. Sie entspricht größtenteils dem Ideal "quadratisch, praktisch, gut". Für ihren Hersteller, der gerade sein 30. Jubiläum begeht, bedeutete ihre Konstruktion komplettes Neuland. Wegen des mit dem M1 Clic und dem CD-Laufwerk M1 CDT identischen Mini-Gehäuses drängte sich die effiziente Klasse-D-Technik förmlich auf.

Musical Fidelity M1 PWR: Aufbau

Zudem betrachtete Firmengründer Antony Michaelson den Einsatz der zeitgemäßen Technologie als willkommene Fingerübung, um für die Zukunft gerüstet zu sein: "Die gesetzlichen Vorgaben werden uns in einigen Jahren gar keine Analogverstärker mehr ermöglichen." Drei Anläufe habe sein Unternehmen unternommen, bis die Performance den Erwartungen der Schöpfer entsprach. Michaelson gibt sich ganz undogmatisch und schaut nach eigenem Bekunden nur darauf, was hinten herauskommt. Ob sich das im Einzelfall am besten mit Röhre, klassischer Transistorbauweise oder Schaltendstufe erreichen lässt, sei ihm einerlei.

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Was Kosten, Kompaktheit und Kühlungsbedarf betraf, lieferte das Class-D-Prinzip die stichhaltigsten Argumente. Allerdings vermisste der passionierte Musiker, der in der Stuttgarter Redaktion ganz ungezwungen und geradezu spitzbübisch Rede und Antwort stand, bei bisherigen Lösungen den Punch in den unteren Oktaven. Bei der Auswahl der von Texas Instruments zugekauften Endstufen-Module spielte laut Musical Fidelity auch die Stabilität an niedrigen Impedanzen eine Rolle.

Musical Fidelity M1 PWR

Efficient Dynamics: Musical Fidelity setzt auf Class-D-Verstärkermodule von Texas Instruments (die unter einem Kühlkörper bei den Klemmen sitzen) sowie auf ein aufwendiges Schaltnetzteil mit zweistufigem Netzfilter (links unten).

Bei den im Volksmund als Digital-Verstärker bekannten Konstruktionen wirkt sich die Last des angeschlossenen Lautsprechers gewöhnlich mehr oder weniger stark auf den Frequenzgang am oberen Ende des Hörbereichs aus, was auch an den Messungen der M1 PWR nicht spurlos vorbei ging. Dafür steht dieses Prinzip für perfekte Leistungsabgabe auch bei niedrigen Impedanzen.

An vier Ohm entspricht die Musical Fidelity mit 145 Watt beinahe dem Ideal der doppelten Leistung gegenüber 8 Ohm, wo immerhin 75 Watt bereitstehen. Ein Beleg für die optimale Auslegung des Schaltnetzteils, dessen Komponenten fast das gesamte Innere des Amps in Beschlag nehmen. Der winzige Trafo wurde hinter die Frontplatte verbannt und hält damit maximalen Abstand zu den direkt bei den Klemmen untergebrachten Endstufenschaltungen. Besonderen Aufwand betrieb Musical Fidelity bei der Filterung der Netzspannung, die zunächst eine zweistufige Eingangsfilterung und Gleichrichtung durchläuft.

Musical Fidelity M1 PWR: Mono und Stereo

Trotz gewisser Kniffe machen weniger irgendwelche technischen Details den besonderen Reiz der M1 PWR aus, sondern ihr an der Realität und den Bedürfnissen der M1-Fans orientiertes Gesamtkonzept. Wer das Multi-Talent M1 Clic sein Eigen nennt, kann beide zur kleinen, feinen Kette kombinieren. Doch ein Blick auf die Rückseite belegt, dass damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Per Schalter lässt sich aus der Stereo-Endstufe ein Mono-Block machen. Doch aufgepasst. Der Begriff "brücken" trifft nicht den Kern, denn im Einkanal-Betrieb arbeiten hier beide Kanäle parallel. Für den Benutzer bedeutet das auf jeden Fall eine zünftige Kraftspritze für leistungshungrige Boxen.

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Dabei gehen die Vorstellungen über zwei M1-Verstärker weit hinaus. Über ein Paar Cinch-Ausgänge lassen sich ganze Pulks dieser Kraftzwerge zu einer Verstärkerkette zusammenschalten. Praktischerweise haben die Entwickler an Trigger-Ein- und -Ausgänge zur Ferneinschaltung des bestens zum versteckten Einbau geeigneten Endstufen-Arsenals gedacht.

Musical Fidelity M1 PWR: Hörtest

Uns reizten die verschiedenen Spielarten, die wir ebenso stilvoll wie praxisorientiert mit der zugehörigen "Vorstufe" Clic im AUDIO-Hörraum durchspielten. Bei ihrer Rückkehr an die Stätte ihres einstigen Triumphs erfreute die Clic mit der neuen Musical Fidelity App.

Doch wir richteten diesmal unser Augenmerk beziehungsweise das Gegenstück vom Ohr auf die Endstufen. Während sich Nummer zwei warm lief – was bei einer hocheffizienten Class-D-Endstufe relativ zu sehen ist – versuchte Nummer eins, die Jury für sich zu gewinnen. Mit Erfolg. Die Stimmigkeit des Klangbildes machte es schwer, Einzelheiten herauszupicken. Die kleine Engländerin verzichtete angenehmerweise auf jegliche Effekthascherei.

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Sie fiel auch nicht wie mancher Vertreter ihrer CO2-Bilanz-freundlichen Gattung durch harsche Mitten und Höhen oder halbherzig vorgetragene Bässe auf. Ihr Bottom-End, auf das Michaelson so großen Wert legte, wirkte punchig wie bei einer guten Klasse-AB-Endstufe und bot relativ gutes Differenzierungsvermögen. Mit der riesigen KEF Reference 207/2 erzeugte der britische Mini beachtliche Lautstärken, ohne je angestrengt zu wirken.

Wer Luftigkeit und filigrane Hochtonauflösung wie bei der AstinTrew At 5000 sucht, kommt auch mit zwei M1 PWR als Tandem nicht viel weiter. Dafür wirkte die Wiedergabe des Duetts im Mono- wie auch im Bi-Amping-Betrieb eine Spur eleganter und samtiger. Zusammen mit der mühelosen Erzeugung hoher Schalldrücke macht das die M1-Aufrüstung auf lange Sicht zu einer lohnenden Investition. Dann zeigt sich das Class-D-Team selbst großen Tieren der Boxenwelt auf Terrain mit artgerechtem Auslauf gewachsen. Um es mit Prince zu sagen: "Sexy MF": die perfekte Ergänzung zum M1 Clic.

Fazit

Selbst wenn man sein kompaktes, stilsicheres Design nicht einbezieht, kann der M1 PWR überzeugen. Seine Vielseitigkeit und sein packender, atmosphärisch dichter Klang bescheren dem Kleinen einen großen Auftritt. Alles zusammengerechnet, ergibt sich damit sogar eine Ausnahmestellung für Michaelsons neues Werk.

 
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