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Testbericht

Mordaunt-Short Aviano 6

Testergebnis
75.0 Punkte
860 EUR
Testverfahren: 1.0

AUDIO


Stefan Schickedanz

27. Januar 2010

Die neue Aviano-Reihe von Mordaunt Short bietet ausgereifte Chassis-Technologie in bezahlbarem, dennoch wohlgeformtem Gehäuse. Besonders die Standbox Aviano 6 überzeugt mit einer musikalischen Abstimmung.

In punkto Klemmen vertraut Mordaunt auf die aus Australien stammenden Bullet Plugs – jenseits aller Legenden, die sich um die Anschlüsse aus „Down under" ranken, eine sehr praxisgerechte, solide Art von Bi-Wiring-Terminals. Hier finden Bananenstecker, Gabelklemmen oder blanke Kabel gleichmaßen festen Sitz.


Bild vergrößern 468 468 http://img1.magnus.de/image-r468x468-C-4bcbfcc3-24984794.jpg Die soliden Bi-Wiring-Anschlüsse bringen beinahe jedes Kabel in die Klemme. © Herbert Härle, Stefan Schickedanz, Malte Ruhnke
© Herbert Härle, Stefan Schickedanz, Malte Ruhnke

Die soliden Bi-Wiring-Anschlüsse bringen beinahe jedes Kabel in die Klemme.

Sparzwang offenbart sich gegenüber der 300 Euro teureren Mezzo 6 an anderer Stelle: Der Aluminium-Hochtöner mit flüssig gekühlter Schwingspule verlor in der Aviano 6 seine auf der Gehäuseoberseite thronende Behausung und muss auch ohne Belüftungskanäle auskommen. Dafür setzten ihm die Entwickler eine ovale akustische Linse zur positiven Beeinflussung von Wirkungsgrad und Abstrahlverhalten auf.

Die Membranen der beiden 17er-Tief-Mitteltöner behielten die charakteristische CPC-Form ohne Staubschutzkalotte bei. Die Constant Profile Cones bestehen aus einer durchgehenden, gleichmäßig gewölbten Aluminium-Membran, die für hohe Steifigkeit und breiten Abstrahlradius optimiert wurde.


Bild vergrößern 468 468 http://img2.magnus.de/image-r468x468-C-e49942da-24984791.jpg Das leichtfüssige Design der Aviano 6 kaschiert geschickt, dass die Britin die meisten Prunde auf die Waage bringt. © Herbert Härle, Stefan Schickedanz, Malte Ruhnke
© Herbert Härle, Stefan Schickedanz, Malte Ruhnke

Das leichtfüssige Design der Aviano 6 kaschiert geschickt, dass die Britin die meisten Prunde auf die Waage bringt.

Mit dem Auftritt der Mordaunt-Short kam Spannung ins Rückspiel. Die dynamische Dali nahm noch einmal ihren ganzen Charme zusammen und versuchte den Lautsprecher aus England als Spaßbremse zu entlarven. Sicher, Temperament stellt sich anders dar als das, was die Aviano an Dynamik und Spielfreude bot. Die homogene, völlig unauffällige Darbietung von Mordaunt-Short wirkte neben der Performance der aufbrausenden Dänen ähnlich steif wie eine Abordnung des altehrwürdigen britischen Königshauses neben Entertainer Hape Kerkeling.  Die Aviano 6 achtete auf die Partitur wie ein Beefeater auf die Kronjuwelen. Dem zurückhaltenden und trotzdem eher weichen Bass kann man im normalen Wohnraum durch wandnahe Aufstellung noch einiges auf die Sprünge helfen. Mit den leicht eigenmächtigen Interpretationen der anderen muss man sich dagegen dauerhaft arrangieren – was Anhängern bestimmter Hörrichtungen durchaus gelingen mag, aber dem Ideal der naturgetreuen Wiedergabe nicht so nahe kommt, wie die disziplinierte, aber keinesfalls langweilige Darbietung der ­Aviano von Mordaunt-Short. In der Wikingerzeit stand England einige Jahrhunderte unter normannischer Herrschaft. Im AUDIO-Hörraum gelang es den Briten schon nach einem Monat, ihre Ehre wieder herzustellen. Die komplexe Choraufnahme, die sich bereits als Stolperstein für die Lektor 6 von Dali erwies, eliminierte auch die Siegchancen der Dana, die nicht an die Neutralität der Aviano herankam. Damit war die Sensation perfekt: Die Aviano 6 holte sich als günstigste Box im Test den Sieg und stellte die Rang­ordung des Rückspiels gründlich auf den Kopf. An der Heco Metas 500 (AUDIO 4/07, 74 Klangpunkte) kam lediglich Mordaunt-Short vorbei. Doch selbst Mr. Perfect in Sachen Homogenität wurde mit Hilfe von Heco einmal beim Tricksen erwischt: Die Aviano versuchte glatt, den Kinderchor aus der Johannes Passion in einen Frauenchor umzumünzen. So etwas sollte ein Proband niemals mit der Lieblings-Chor-Aufnahme eines anwesenden Kollegen versuchen. Ihre extrem präzise Abbildung sicherte der Briten-Box am Ende aber dennoch einen Punkt Vorsprung.




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemeine Daten  
Abmessung (B x H x T)
Gewicht
Oberflächen
Farbe
Technische Merkmale  
Bassprinzip
Anzahl der Wege
Arbeitsprinzip Vollaktiv
Ausstattung  
Anschluesse
Anschlüsse XLR
Raumanpassung
Surround-Ergänz.
Cinch
Labor-Merkmale  
Maximale Lautstärke oberer Wert
untere Grenzfrequenz (-3dB)
Untere Grenzfrequenz (-6 dB)
Nennimpedanz (Audio)
Bewertung  
ja Besondere Homogenität trifft großes Auflösungsvermögrn und tolle Ortbarkeit
nein Zurückhaltender Bass, erfodert sehr gute Verstärker
Bassqualität 65
Basstiefe (Bassfundament) 60
Detailtreue (Präzision) 80
Feindynamik 70
Maximalpegel (Lebendigkeit) 60
Neutralität 80
Ortbarkeit 85
Räumlichkeit (Luftigkeit) 85
Verarbeitung sehr gut
Klangurteil gut 75
getestet in Ausgabe: 10/09


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