Testbericht Meridian M6 / MC200 / AC200 im Test
Klangurteil: 110 Punkte
Preis/Leistung: überragend
- +weiträumiger Klang
- +sensationeller Bass
- -wenig Direktheit
Der Haken bisher: Die Standboxen mit dieser Technik waren allesamt extrem teuer. Das ändert sich jetzt: Mit der neuen M6 bringt Meridian eine volldigitale Aktivbox, die alle technischen Gene ihrer teuren Geschwister mitbringt. Dabei sieht ihr Design weniger technisch aus, sondern integriert sich unauffällig in den Wohnraum - der Lautsprecher ist als Lautsprecher nicht erkennbar, alle Chassis sind verborgen. Ebenso die Kabelanschlüsse, die sich im Boden der Box befinden.
Wo ist der Eingang?
Der Kenner stellt beim Überblicken der Anschlussmöglichkeiten verwundert fest: Es gibt keinen analogen Eingang! Die M6 akzeptiert Musiksignale nur über eine Netzwerkbuchse, die keine ist. Es muss zwingend eine Meridian-Komponente, die das hauseigene Übertragungssystem SpeakerLink beherrscht, die Musiksignale nebst Lautstärkeregelung liefern.
Dafür spart sich der künftige Besitzer Überlegungen bezüglich Lautsprecher- und Cinchkabel: Laut Hersteller ist das Übertragungsprotokoll so störungssicher und jitterfrei, dass jedes beliebige CAT5-Kabel auch in größeren Längen verwendet werden kann, ohne dass sich auch nur ein Jota am Klang ändert. Die Verkabelung bringt noch einen weiteren praktischen Vorteil: Es müssen nicht zwei Kabel zwischen Vorverstärker und Boxen gezogen werden - es genügt auch, etwa die linke Box zu verdrahten und dann ein weiteres Kabel zwischen beide Lautsprecher zu installieren.
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Im Fall der M6 nimmt die Weiche nur eine einzige Trennung bei 200 Hz vor: in den Subwooferkanal und den Rest. Denn das Herzstück der Box ist ein Breitbänder, der vom Bass befreit alle hörbaren Frequenzen aus einem einzigen Punkt überträgt. Das nur 8,5 Zentimeter durchmessende Chassis sitzt im Kopfteil der konisch zulaufenden Box und spielt mit einer konusförmigen Aluminiummembran, die im Messlabor durch extrem geringe Resonanzen und Nachschwinger auffiel.
Durch die Formgebung werden Kantenreflexionen weitgehend vermieden, weil das Chassis breit abstrahlen kann. Der Subwoofer wiederum sitzt im Bodenteil der Box, strahlt nach unten auf eine ringförmige Austrittsöffnung. Der ebenfalls mit einer Aluminiummembran geladene Woofer misst 14 Zentimeter im Durchmesser und wird unterhalb 70 Hertz von einem Bassreflex unterstützt.
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Jeweils eine eigene Endstufe befeuert die unterschiedlichen Spielpartner: Ein auf Effizienz gezüchteter, 150 Watt Sinus starker Schaltverstärker übernimmt den Bass, eine klassische analoge Stufe mit betont geringer Gegenkopplung den Breitbänder. Erst kurz vor bzw. in der Endstufe werden die digitalen Musiksignale also gewandelt - grundsätzlich nur vom hochauflösenden PCM 24/96 Format aus, in dem sie von Vorverstärker oder Quelle losgeschickt wurden.
Wandel + Kontrolle
Wobei "Vorverstärker" den AC200 nicht ganz richtig beschreibt, weil er eigentlich gar nichts verstärkt, sondern hauptberuflich digitale Signale annimmt, sie vorsichtshalber nochmal präzise nachtaktet und dann mit Pegelanpassung wieder ausgibt. Außerdem dient er als Zutrittsportal für analoge Quellen, die er umgehend einem vornehmen A/D-Wandler zuleitet.
© Meridian
Ausgereift + erschwinglich
Wer analogen Musiklieferanten bereits Lebwohl gesagt hat und einfach nur eine möglichst dezente, geradlinige Musikkette sucht, kann den AC200 weglassen. Denn der MC200, der als Quelle dieser Anlage dient, kann über seinen Speaker-Link-Output nicht nur den AC200, sondern auch direkt ein Pärchen M6 beliefern.
Es fallen dann allerdings ein paar Einstellmöglichkeiten weg, die nur mit dem vollen Gedeck zugänglich sind - etwa die praktische Standortentzerrung im Bass: Über das Menü am AC200 lässt sich eingeben, ob die Box wandnah, frei oder gar in der Ecke steht; der DSP korrigiert dann den Bassfrequenzgang entsprechend.
Praxis: Musikarchiv anlegen und ordnen
Der MC200 erinnert optisch an eine edle, etwas zu groß geratene NAS-Platte - und tatsächlich rotiert darin eine Harddisk mit 500GB Kapazität, was im verlustfreien FLAC-Format für etwa 1500 CDs reicht. Wächst die Sammlung über dieses Limit hinaus, hat Meridian eine ganze Reihe von Erweiterungsmöglichkeiten im Angebot. Und die wird man sicher bald brauchen, denn der Meridian- eigene "Sooloos"-Musikserver - der einen eigenen Artikel rechtfertigt und auch bekommen wird - gewinnt mit jedem Gigabyte Musik an Faszination.
© Hersteller/Archiv
Ob mit heiteren Tönen (wie Grönemeyers "Musik nur wenn sie laut ist") oder ernsterem (Wagners "Rienzi"-Ouvertüre; Järvi, Chandos) - die Meridian-Kette gab sich vor allem stimmig und stressfrei, baute eine sehr natürliche, fast etwas übertrieben weite und genau gefächerte Bühne auf, sofern man die Boxen genau mit dem Meridian-Logo zum Hörer eingewinkelt hatte.
Verließ man den optimalen Hörbereich, verloren besonders Streicher und Blechbläser ihren ohnehin nicht im Übermaß vorhandenen Glanz, auch nahm es die Kette dann mit der Detailauflösung nicht mehr so genau.
Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen
Doch der wahre Star des Ensembles ist der Bass: Impulsgenauigkeit, Tiefe und Musikalität brauchen auch den Vergleich mit den teuersten Boxen nicht zu scheuen, hier zeigte die M6 die Vorzüge der Aktivtechnik in Vollendung. Bis hin zu gehobenen Pegeln mobilisierte die Anlage bei Chris Jones" "No Sanctuary" untenrum ein Pfund, dass man unwillkürlich an eine mehrfach so große Box mit massigen Bässen denken musste.
Die musikalische Struktur im Fundament und die geradezu schmeichlerische Grundtonwärme behielt sie auch bei flüsterleisen Pegeln bei, so dass sie auch für die abendliche Leisehör-Session ein geradezu idealer Partner sein dürfte.
Fazit
Musik liegt zumeist digital vor - was liegt da näher, als sie ohne Wandlung und damit potenzieller Verschlechterung bis in die Box digital zu übertragen? Das Meridian-Konzept bedeutet nichts weniger als eine Revolution, die viele Diskussionen über Kabelklang und Quellenqualität beendet. Design, Bedienung und Preis werden viele "Normal-Hörer" von diesem Ansatz überzeugen: und auch für mich gehört diesem Prinzip die Zukunft.