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Testbericht Meridian M6 im Test

Keine Endstufe, keine Vorstufe, kein CD-Player – sieht so die HiFi-Anlage der Zukunft aus? Meridians Sooloos-Kombi macht vieles anders. Dabei ist das Konzept erstaunlich highendig und konsequent wie wenige. Im Test spielen die M6-Aktivboxen mit dem Sooloos-Server MC 200 zusammen.
Meridian M6
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© Hersteller/Archiv

Meridian M6

Meridian M6
Gesamtwertung: gut - sehr gut 77 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +homogener und räumlich superber Klang
  • +ideale Basis für audiophile Multiroom-Anlage

Daumendicke Lautsprecherkabel bis zum Gegenwert eines Kleinwagens – damit versuchen manche High-Ender, Klangverluste durch die Übertragung zu minimieren. Bob Stuart, Gründer von Meridian und einer der innovativsten Audio-Entwickler der Welt, hielt das schon immer für überflüssig. Er konstruierte lieber Aktivboxen und löste so das Problem, dass große Leistung weit transportiert werden musste.

Doch der Meister aus Cambridge tat sich noch auf einem anderen Gebiet hervor: der verlustfreien Speicherung und Übertragung von hochauflösenden Audiodaten. Sein MLP-Format wurde Grundlage sowohl der DVD-Audio als auch der Blu-ray-Spezifikation.

SpeakerLink: Verlustfreie Übertragung

Was lag da näher, als beide Entwicklungen zu verbinden und eine absolut sichere Übertragung frei von Verfälschungen zu erfinden, mit denen das Digitalsignal direkt in die Box übertragen werden kann? Die Technik nannte er SpeakerLink, mit ihr gehören Kabelklang und Jitter der Vergangenheit an.

Ein simples Netzwerkkabel vom Typ CAT5 genügt, um Anlage und Lautsprecher miteinander zu verbinden. Die Kabelqualität soll laut Meridian vollkommen gleichgültig sein, auch eine Vorstufe ist nicht mehr notwendig. Denn zahlreiche Meridian-Komponenten, wie der Sooloos-Server Media Core 200, steuern ein Pärchen der digitalen Aktivboxen ohne Umwege und Verluste direkt an. Da die Meridian-Aktivboxen allesamt mit digitalen Weichen ausgestattet sind, wird das Signal also erst auf den letzten Zentimetern in den Endstufen wieder gewandelt – puristischer und highendiger kann eine Übertragung wohl nicht sein.

Hinter der Frontbespannung arbeitet ein 3-Zoll-Breitbänder für den Mittelhochtonbereich, der digital entzerrt und angesteuert wird. © Hersteller / Archiv
Hinter der Frontbespannung arbeitet ein 3-Zoll-Breitbänder für den Mittelhochtonbereich, der digital entzerrt und angesteuert wird.

Meridian M6: Aufbau

Schon die Form der M6 macht aber klar: Mit klassischem High End hat diese Box nichts zu tun. Nicht nur die runde Form lässt den unbedarften Benutzer zunächst rätseln – wohin strahlt diese eigentlich ab, handelt es sich womöglich sogar um einen Rundstrahler? Nein, nichts dergleichen, im Gegenteil sollte die Front der rotationssymmetrischen Skulptur – zu erkennen am Meridian-Logo – sogar mehr oder minder genau auf den Hörer angewinkelt werden. Werden doch alle Frequenzen oberhalb 200 Hz von einem einzigen Breitbänder im schmalen oberen Teil der Box abgegeben, dessen Sweetspot naturgemäß beschränkt ist. Der Dreizöller kann aufgrund seiner leichten Aluminium-Membran Töne bis über den Hörbereich hinaus reproduzieren und stellt zugleich für das Gehör eine ideale Punktschallquelle dar. Im Normalfall ist er hinter der dunklen Stoffabdeckung verborgen.

Noch besser versteckt ist der 13-Zentimeter-Subwoofer, der samt einem unterstützenden Bassreflexrohr im Sockel der Skulptur sitzt und mittels einer ringförmigen, bodennahen Öffnung den Raum relativ gleichmäßig anregt.

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Nachdem die technischen Voraussetzungen geklärt sind, geht das Rätselraten weiter: Wo hat dieser Lautsprecher seine Kabelanschlüsse? Nach intensiver Suche des Rätsels Lösung: In einer kleinen Kammer im Boden verbergen sich die Stromanschluss- und SpeakerLink-Buchsen. Einfach beide mit dem Server verbinden, per Software konfigurieren, und schon spielt die Minimal-Anlage.

Der MC 200 kann ein M6-Boxenpaar direkt ansteuern. © Hersteller / Archiv
Der MC 200 kann ein M6-Boxenpaar direkt ansteuern.

Meridian M6: Hörtest

Stilecht eröffnete der Klassiker „Have a Cigar“ von Pink Floyd den Reigen des Hörtests – die M6 machte sich im Hörraum mit ihrer Zigarrenform tatsächlich sehr unauffällig. Umso erstaunlicher ihre Performance: Sie klang gerade im Tiefbass riesengroß, als sei da noch irgendwo ein mächtiger Woofer versteckt. Jeden Anflug von Lästigkeit im Mittelhochton vermied sie, Roy Harpers Stimme klang gar nicht rauchig, sondern homogen und fast einen Tick zu gemütlich.

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Die Bühnenabbildung spielte die Vorzüge des Breitbänders aus, konnte die Meridian doch einen besonders weit in die Tiefe wie Breite gestaffelten Raum projizieren, bei dem die schmalen Zigarren akustisch vollkommen unsichtbar wurden. Dazu eine traumhafte genaue und vollkommen stressfreie Platzierung der einzelnen Instrumente, wie man sie nur von den besten Punktschallquellen kennt. Zum Glück war tonal vom Breitbänder nichts zu spüren: Der Übergang im Grundtonbereich gelang der Meridian beim warm aufgenommenen „Mozart Requiem“ (Colin Davis, LSO) vollkommen bruchlos, der Chor agierte weiträumig und stimmschön. Etwas mehr Auflösung und Attacke hätte man sich von der kleinen Skulptur durchaus noch gewünscht. Doch das machte sie bei Katie Meluas „Shy Boy“ mit ihrer homogenen und langzeittauglichen Wiedergabe wieder mehr als wett.

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Ob als Hauptanlage mit Design-Appeal oder als Zweitanlage im Multiroom-System: Die M6 mit vorgeschaltetem MC200 strafte alle Vorurteile über „harten Digitalklang“ Lügen. So analog, so warm klang die ungewöhnliche Kette, dass die Hörer an die komplizierte Übertragungstechnik keinen Gedanken verschwendeten. Genau wie es sein soll.

Die Anschlüsse des kleinen MS 200 sind unscheinbar – die Klinkenbuchse kann sowohl analoge als auch optische Signale ausgeben. © Hersteller / Archiv
Die Anschlüsse des kleinen MS 200 sind unscheinbar – die Klinkenbuchse kann sowohl analoge als auch optische Signale ausgeben.

Multiroom mit Meridian Media Source 200

Das Sooloos-System ermöglicht mit einfachen Mitteln den Aufbau einer komplexen Multiroom-Anlage. Die preiswerteste Möglichkeit, das Sooloos-Netzwerk im Haus durch eine weitere Zone, etwa in der Bibliothek, im Schlafzimmer oder in der Küche, zu erweitern, ist der neue Media Source 200 (700 Euro). Das kaum zigarettenschachtelgroße Kästchen wird einfach per LAN-Kabel oder Router an das vorhandene Meridian-Netzwerk angeschlossen und fungiert dann als Netzwerk-Streamer, der die Musiksignale wahlweise analog oder optisch über TOSLink ausgeben kann. Noch besser an eine Meridian-eigene Box mit Speaker-Link, wodurch sich der Benutzer auch das Netzteil sparen kann. Die Verbindung zur zweiten Box erfolgt dann von der ersten aus. Gesteuert werden kann die zusätzliche Zone per Control 15 von der Hauptanlage aus – oder per iPad- oder iPhone-App. Ideal für eine smarte Multiroom-Anlage.

Sooloos-System: Bedienkonzept

Als das Sooloos-System, anfangs noch ohne die Kooperation mit Meridian, auf den Markt kam, war der große Touchscreen, „Control 15“ genannt, so etwas wie das Markenzeichen des Systems. Dessen innovative Bedienoberfläche mit der Übersicht über alle Covers der eigenen Musiksammlung lässt sich aber auch auf dem iPad als kostenlose App installieren.

Playlist und Player sind auf dem iPad übersichtlicher dargestellt, die Steuerung kann aber auch vom iPhone aus erfolgen. © Hersteller / Archiv
Playlist und Player sind auf dem iPad übersichtlicher dargestellt, die Steuerung kann aber auch vom iPhone aus erfolgen.

Die Bedienung ist etwas ruhiger und statischer als bei anderen iPad-Programmen, nicht so schnell wie andere Player, dafür aber sehr intuitiv und mächtig. Meridian bietet nicht nur intelligente Suchfunktionen, sondern auch Zusatzinformationen zu Künstlern, Alben und Produzenten. So lässt sich die Kontrolle auch über größere Musiksammlungen problemlos behalten. Für die mobile Steuerung muss es übrigens kein iPad sein – ein iPhone genügt vollkommen, um die Übersicht über die Playlist zu behalten und die Musik in den verschiedenen Zonen einer Multiroom-Anlage zu starten, zu stoppen und den nächsten Titel anzuwählen.

 
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