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Testbericht

McIntosh MCD 500

Testergebnis
130.0 Punkte
8000 EUR
Testverfahren: 1.0

AUDIO


Andreas Günther

2. April 2009

Die US-Amerikaner haben das "Posing" quasi erfunden. Und so lassen auch die McIntosh-Ingenieure gern ihre Muskeln nackt und für alle lesbar spielen: Auf der Abdeckung des MCD 500 drucken sie den vereinfachten Schaltplan des Players ab. Schau her, stolzer Käufer, so fließt das digitale Sig­nal unter dieser Haube. Ein wundervoller Anblick für Halb-Techniker, faszinierend wie die Hieroglyphen am Eingang zur Pyramide des Pharaoh. Man ahnt die Magie, wird aber nicht mit allzu vielen Details belästigt.

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Pirschen wir uns weiter von Außen nach Innen an. Womit alle in Berührung kommen: Schublade, Mechanik, Laufwerk. Bis in die Player-Klasse um 2000 Euro trifft man lieblose Klapper-Mulden an. Die Hersteller folgen dem Zwang des Geldes. Die Entwicklung eines eigenes Laufwerks frisst enorme Summen. Jeder BWL-Studienanfänger würde hier zum genormten Laufwerk von Sony oder Philips raten. Accuphase und McIntosh dürfen daran noch nicht einmal denken. Accuphase baut selbst, McIntosh bedient sich eines modifizierten Laufwerks von der Konzern-Schwester Denon.

Für alle, die jetzt überrascht die Stirn runzeln: Ja, McIntosh wurde einer Holding einverleibt, die auch Denon und Marantz beherbergt. Dieses Detail hat AUDIO bereits im Test des günstigeren Players MCD 301 angemerkt (11/08). Der kleine Bruder des MCD 500 lässt seine Silberscheiben in einem umgebauten, verkapselten Denon-Laufwerk rotieren. Was den MCD 500 darüber hebt: Abermals wurden neue Servos entwickelt, das gesamte Laufwerk komplett ummantelt, alle Daten werden in doppeltem Tempo gelesen und im Speicher zwischengepuffert, bevor es an die Wandlung geht. Hier setzt McIntosh auf einen Chip aus ebenfalls US-amerikanischer Fertigung mit dem Kürzel ES 9008 S. Nur einer? Das schon, aber was für einer: Im 9008 stecken, wie in der Modellnummer schon angedeutet, 8 Einzelwandler. Wobei sich jeder einzelne, anders als bei den billigen Mehrkanal-Codecs etwa in Surround-Receivern, zur Wandler-Weltelite zählen darf.

Noch besser wird‘s, wenn man wie McIntosh die Hälfte dieses Wandler-oktetts pro Kanal im doppelt-differenziellen Modus laufen lässt, wo sich eventuelle Rest-Streuungen rausmitteln und das Rauschen in noch größere Entfernung vom Hörbereich rückt. Dass der 9008er-Chip eine digitale Lautstärkeregelung anbietet, kümmert die Mac-Entwickler indes nicht. Stattdessen schalten die Amerikaner vor den geregelten Ausgang einen analogen Pegelabschwächer-Chip. Als deutliches Zeichen prangt deshalb auf der Front rechts ein vollwertiger, großer Lautstärkeregler. Der MCD 500 hebt sich mit zwei Alleinstellungsmerkmalen ab: Er lockt seine Zielgruppe mit einem superben Kopfhörerausgang und eben dieser Lautstärke-Regelung. Das neue Player-Flaggschiff im McIntosh-Katalog könnte, kann und sollte auch einmal direkt an einer Endstufe ausprobiert werden.

Wenn Esa-Pekka Salonen auf SACD seine Musiker und Tontechniker in Strawinskys „Sacre du Printemps" stürzt, dann will man die Große Trommel als fellbespanntes Ungetüm in der hinteren Konzertsaalecke hören und eben nicht als diffuses Grummeln. Der McIntosh machte es in unserem Test vorbildlich vor. Er gab die Pose des Muskelmanns. Jeder Ansatz von „Speck" im Klangbild war ihm verhasst. Faszinierend, wie er die edle, karge aber ungemein anspruchsvolle Feindynamik in „Home" von Friend‘n‘Fellow nachzeichnete (AUDIO-CD „Great Music Vol. IV“, legendäre Aufnahmen der 1990er). Bei nicht so ideal konservierter Rockmusik konnte das aber auch erbarmungslose Härte an die Boxen weiterleiten. Der MCD 500 von McIntosh kannte in seinem sportiven Ansatz keine Verhandlungsbasis. Auch nicht in einer tendenziell „weichen" Sibelius-Symphonie, in der man mit dem „Kranich-Thema" der Fünften gern entspannt über eine finnische Seenlandschaft gleiten möchte.

Überhaupt – die Kunst, das Maximum aus jeder Silberscheibe zu holen: Die Logik sagt, dass zwischen dem Hochbitsignal der SACD und dem alten PCM gewaltige Unterschiede bestehen müssten. Diese beiden Player feiern zwar die Kraft von „Super Audio“, heben die CD aber fast auf gleiches Niveau. Wir staunen und freuen uns beim Blick in unsere „alte" CD-Sammlung.


Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Abmessung (B x H x T)HöheTiefe 44,5 x 15,0 x 42,0 cm
Gewicht 12,8 kg
Formate  
Wiedergabe MP3 ja
HDCD-Wiedergabe nein
Features
Fernbedienung/lernfähigmit Display ja/ja/FB ohne Display
Lautstärkeregelung ja
CD-Text-Anzeige nein
Röhrenausgangsstufen nein
Titelübersicht nein
ID3-Tag-Anzeige ja
Wiederholung Titel, CD, A-B
Auto-Space nein
Lautsprechergröße einstellbar SACD nein
Pegelsetup SACD nein
Laufzeitkorrektur SACD nein
Einbau-Mehrkanal-Decoder SACD nein
Anschlüsse
Digital-Ausgänge i-Link 0
Cinch-Audio (Stereo) 2
5.1-Ausgang (Cinch) nein
5.1-Ausgang (XLR) vorhanden nein
Digitalausgang ST nein
Digitaleingänge ja
Kopfhörer-Ausgang/regelbar ja/ja
Messwerte  
Ausgangsspannung CD (0 dB FS) 2,2 V
Ausgangswiderstand 591 Ohm
Störabstand (A-bewertet) CD 117 dB
Störabstand (A-bewertet) SACD 115 dB
Fehlerkorrektur Infoschicht CD 2,30 mm
Fehlerkorrektur Oberfläche CD 2,30 mm
Jitter CD 612 Picosekunden
Leistungsaufnahme Standby/Betrieb 1,5/22,6 W
Bewertung  
ja Der Sportive: dynamikreicher Klang, faszinierend direkt
nein keine Gnade mit schlecht produzierten CDs
Klang CD 130
Klang SACD 135 überragend
Ausstattung überragend
Bedienung sehr gut
Verarbeitung überragend
Klangurteil überragend 130
getestet in 4/09

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