Testbericht

Martin Logan CLX


Malte Ruhnke

24. Februar 2009

Die Elektrostaten von Martin Logan, wie etwa die Spire, werden oft als klassische Beispiele für Flächenlautsprecher erwähnt, Fans loben ihr dreidimensionales Klangbild wie ihre unendliche Auflösung. Dabei sind die meisten Logans im Bassbereich konventionell ausgestattet: mit einem rundstrahlenden Konuschassis.

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Nicht so das Spitzenmodell CLX: Hier legten sich Chefentwickler David Allen und sein Team mächtig ins Zeug, zum präzisen Mittelhochtonbereich auch einen schnellen Tiefton hinzuzaubern. Die 28000 Euro teure Skulptur ist ein 2-Wege-Konstrukt: Eine schmale, zugunsten eines größeren Sweet-Spots leicht gebogene Membranfläche arbeitet oberhalb von 350 Hertz, eine größere, gerade Fläche fungiert als Basstöner. Das hat den Vorteil, dass hohe Auslenkungen der einen Membran nicht die andere zu Verzerrungen mitreißt. Um Partialschwingungen der federleichten Folien zu verhindern, sind sie in genau berechneten, unregelmäßi­gen Abständen per Gummidämpfer eingeklemmt. Angetrieben werden sie rein elektrostatisch, also von einem elektri­schen Feld, vergleichbar einem riesigen Kondensator. Dessen Polarität und damit die auf die Folie wirkende Kraft folgt dem Musiksignal penibel. Damit es genug Antrieb entwickelt, muss zwischen den festen Metallgittern eine Vorspannung von mehreren 1000 Volt erzeugt werden – das erledigt die im Fuß versteckte Elektronik, die deshalb auch eine ­eigene Spannungsversorgung braucht.

Die große Höhe der Membranen bedingt eine in der Vertikalen deutliche Bündelung, der Akustiker spricht von einer ebenen Welle. Die hat den Vorteil, dass an Decke und Boden kaum Schall ankommt und Reflexionen von dort entsprechend geringer ausfallen. Im Raum fühlt sich die CLX deshalb auch bei größeren Hörabständen von vier Metern und mehr durchaus noch wohl.

Trotz ihrer immensen Ausmaße behielt die CLX auch bei klein besetzter Musik einen guten Raumüberblick: Schönbergs „Verklärte Nacht" (Kammerorchesterfassung, Karajan, DG) spannte sich wunder­bar tief in den Raum, die einzelnen Instrumente wurden fast greifbar, wenn auch nicht mit grenzenloser ­Akkuratesse projiziert. Der minimal schlanke Grundton lenkte den Fokus umso deutlicher auf die klassischen Logan-Tugenden: Die CLX klingt durchhörbar wie kein ande­rer Lautsprecher vor ihr, selbst ein großes Orchester mit komplexester Musik wie Mahlers 6. Sinfonie (Gergiev, LSO, Note 1) blieb sensationell sauber und auf natürliche Weise detailreich. Die KEF Reference 207/2 konnte Stimmen schärfer darstellen, auch lieferte sie mehr Grundtonwärme, mit der lupenreinen, absolut langzeittauglichen Detaildarstellung der Logan konnte sie aber nicht mithalten.

Doch diese Tugenden gibt es nicht ganz umsonst: Wer es gern krachend laut mag, wird mit anderen Boxen glücklicher, auch weil der Bass eben stets dezent bleibt. Die plastisch-tiefe Bühne ist absolut beeindruckend, nimmt aber sehr trocken gemischter Musik etwas die Direktheit. Für Hardrock ist die CLX eben schon fast zu kultiviert.



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