Menü

Standbox Magico S5 im Test

Die S-Linie ist zwar nur die "kleine" Serie des kalifornischen Edelherstellers Magico, aber auch sie hat schon alle Insignien der großen Modelle: das bocksteife, vibrationsarme Alu-Gehäuse und diesen unfassbar feinen Klang.
Magico S5
vergrößern
© Hersteller/Archiv

Magico S5
Gesamtwertung: überragend, 91 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +typisch "reiner" und außergewöhnlich feiner Magico-Klang
  • +enorm souveränes Bassfundament
  • +die Verarbeitung ist überragend
  • +im Gegensatz zu anderen Magicos kann diese auch noch richtig laut

Radikaler kann ein Generationswechsel wohl kaum ausfallen: Die Magico V3 – nach Aussage von Magico-Chef Alon Wolf die Vorgängerin der neuen S5 – war eine elegante Erscheinung: eine Drei-Wege-Box mit stimmigen Proportionen, zwei kleinen Tieftönern, einem wohnraumfreundlichen Holzgehäuse aus vielschichtigem Birkenholz und hoher Akzeptanz beim weiblichen Geschlecht.

Davon ist die neue S5 wohl meilenweit entfernt. Die viel größere Konstruktion ist zwar ebenfalls edelst verarbeitet und lackiert (in Rot beispielsweise sieht sie bezaubernd aus), kommt aber sehr viel wuchtiger daher. Der bauchige Korpus ist komplett aus vielfach versteiftem Aluminium aufgebaut und dementsprechend fast 90 Kilogramm schwer.

Aluminium oder Holz?

Ich persönlich mag ja auch die Holzmodelle von Magico sehr gern; die M5 ist immer noch mit die beste Box, die ich je über längere Zeit gehört habe. Doch Alon Wolf hat dazu eine eindeutige Haltung: „Die Holzgehäuse der V- und M-Serie waren o.k.“, sagt der Wahl-Kalifornier dazu. „Aber sie können niemals so gut sein wie unsere Alu-Gehäuse.“ Die Messungen bestätigen seine These, dass allein schon das Gehäuse einen vitalen Fortschritt darstellt.

Das Gehäuse ist komplett aus versteiftem Alumnium aufgebaut. © Hersteller / Archiv
Das Gehäuse ist komplett aus versteiftem Alumnium aufgebaut.

Die High-Tech-Bestückung

Der setzt sich nahtlos im Hochtonbereich fort, für den sich Wolf von Scan Speak eine Sonderversion der überragenden Beryllium-Kalotte bauen ließ. Den Mitteltöner entlehnte er einfach der großen Q-Linie: ein hoch belastbarer 6-Zöller mit NanoTech-Membranen – dieser Stoff, aus dem andere Leute Hubschrauber-Rotoren bauen.

Vor allem aber im Bassbereich hat Alon Wolf das Ende der Bescheidenheit ausgerufen: Musste die V3 noch mit zwei zierlichen 7-Zöllern auskommen, schöpft die S5 mit zwei 10-Zöllern nach Tiefbässen. Das ist annähernd eine Verdoppelung der Membranfläche  – was sich natürlich auch in den Parametern niederschlägt. Die S5 bringt es – obwohl sie wie fast alle anderen Magico-Modelle eine geschlossene Konstruktion darstellt – auf eine untere Grenzfrequenz von 26 Hertz. Das ist stattlich.

Kaufberatung: Standlautsprecher im Test

Vor allem aber - und hier ist ein bescheidener Fortschritt festzustellen - stand der beste Wirkungsgrad aller bislang getesteten Magicos. Das Messlabor ermittelte über 82 Dezibel. Das ist zwar global gesehen gerade einmal Durchschnitt, aber locker drei Dezibel mehr, als die Q3 oder die V3 vorweisen können. Oder  in Watt umgerechnet: Die S5 braucht einfach nur die Hälfte der Leistung und kommt zudem auf einen sehr viel höheren Maximalpegel, als wir es bislang von Schallwandlern dieser Marke gewohnt waren. Mit über 112 Dezibel lassen sich auch Rock-Konzerte oder große Orchester in annähernder Original-Lautstärke wiedergeben.

Messwerte: Fast verzerrungsfrei; Anstieg nur unter 50 Hz und eine Winzigkeit bei 2 kHz (rechts); Fantastisch ausgewogener Frequenzverlauf; Impedanzverlauf zwischen 2,5 und 10 Ohm (links). © Hersteller / Archiv
Messwerte: Fast verzerrungsfrei; Anstieg nur unter 50 Hz und eine Winzigkeit bei 2 kHz (rechts); Fantastisch ausgewogener Frequenzverlauf; Impedanzverlauf zwischen 2,5 und 10 Ohm (links).

Niedrigste Verzerrungen

Das ist neu bei Magico. Durch den höheren Wirkungsgrad und den stattlichen Maximalpegel hält Wolf die Verzerrungen erfreulich niedrig. Das Messdiagramm weist die S5 im relevanten Hörbereich als weitestgehend verzerrungsfrei aus. Das ist erstklassig.

Erstklassig sind auch der äußerst lineare Frequenzgang und die extrem gute – heißt: schnell abfallende – Wasserfall-Messung (nicht in der Tabelle zu sehen). Sie unterstreicht, dass Wolf und seine Leute sowohl beim Aufbau des Gehäuses als auch bei der Auswahl der Treiber ausgesprochen sorgfältig waren: Oberhalb von 500 Hertz sind hier quasi keine Resonanzen mehr zu sehen. Auch das findet man selten bei Lautsprechern.

Hörbare Ruhe

Diese Abwesenheit von Resonanzen und Verzerrungen ist tatsächlich hörbar. Schon beim Einspielen – da war die Magico wegen des Transports noch ganz kalt – schien sie die Stimme von Sara K. (von unserer Titel-CD) irgendwie geschmeidiger und schöner zu zelebrieren als die ebenfalls angeschlossenen Referenzen. Aber gemach, dachte ich: erst einmal die Nacht über an den Referenz-Monos Ayre MR-X laufen lassen.

Und natürlich wurde es noch besser. Am nächsten Morgen spielte eine nun wohltemperierte S5 die Musik ungemein wohltemperiert. Auch die V3 war ja ein Ausbund an Natürlichkeit – immerhin war sie über Monate die stereoplay-Referenz. Aber die S5 ist einfach besser. Nicht nur, weil sie im Tiefton eine ganze Oktave tiefer reicht und somit die Musik sehr viel ganzheitlicher erfasst, sondern auch, weil sie noch mehr Struktur und Ordnung in die Mitten bringt und im Hochton eine noch größere Leichtigkeit an den Tag legt.

Die extrem soliden Single-Wire-Anschlussklemmen der S5 kennt man von Burmester-Geräten, sie kommen aber vom Kölner Edel-Zulieferer Mundorf. © Hersteller / Archiv
Die extrem soliden Single-Wire-Anschlussklemmen der S5 kennt man von Burmester-Geräten, sie kommen aber vom Kölner Edel-Zulieferer Mundorf.

Das war etwa auf der wundervollen „Hallelujah“-Cover-Version von Paul O‘Brien zu hören. Dieser wunderbar volle Ton des Gitarrenkörpers, die fein ausschwingenden Obertöne der Saiten und dann diese sonore Stimme: Die von mir zum Hörtest geladenen Kollegen aus den anderen Abteilungen schmolzen dahin. So etwas hatten sie bis dato nicht gehört. Die ganze Aufnahme, liebevollst von Stockfisch-Tonmeister  Hans-Jürgen Mauksch eingefangen und hemmungslos auf höchste Transparenz getrimmt, schien regelrecht zu leben – so viele Details kamen zum Vorschein, so eindrucksvoll präsent und plastisch vorstellbar modellierte die S5 den kanadischen Barden in den Hörraum.

Kaufberatung: Vollverstärker im Test

Noch beeindruckender, weil auch die Aufnahme deutlich komplexer ist, fächerte die Magico das „Jagdlied“ des Sächsischen Vokalensembles auf. Wie genau sie die einzelnen Stimmen, aber auch die feinen Zwischenlaute aus der Aufnahme herausarbeitete, war atemberaubend. Denn die Magico meisterte diese Kunst, ohne – wie die meisten anderen Schallwandler mit einem solchen Auflösungsvermögen – vordergründig zu klingen. Im Gegenteil: Es kam alles locker, sehr fein und transparent herüber und wirkte doch ungemein stimmig und erdverbunden. 

Schönheit und Feier-Biest

"Und kann die auch laut?", fragte Kollege Ergen aus der Poststelle, nachdem wir nun die ganze Titel-CD mit moderatem Pegel durchgehört hatten. Hm, was haben wir denn da an aussagefähigen CDs? Mit „Beaucoup Fish“ von Underworld sollten wir dieser Frage auf den Grund gehen können. Nach der kurzen Säuselphase zu Beginn, in der das Stück glauben machen will, es sei harmlos, setzen fette Elektrobass-Hiebe ein: tief, rabenschwarz, Tieftöner gefährdend. Und auf einmal zeigte die S5 ein anderes Gesicht: eines, das man ihr von den Proportionen her schon eher zugetraut hätte als den so grazilen und organischschönen Eindruck, den sie bislang machte. Sie ließ es richtig krachen.

Die Bässe kamen tief, satt und sehr sauber herüber – nicht zuletzt ein Vorzug des extrem vibrationsarmen und geschlossenen Gehäuses. Die Bass-Schläge, die das Underworld-Duo Karl Hyde und Rick Smith an dieser Stelle setzte, fanden ihren Weg direkt in die Magengrube, denn unvorsichtigerweise hatte ein Anwesender den Pegelregler der Referenz-Vorstufe Pass XP 30 auf 14 Uhr gestellt, und die Bässe brachen mit Urgewalt – aber immer schön sauber – über uns herein. Das zauberte ein wohliges Grinsen auf die Gesichter der Anwesenden.   

Die Verwendung von Scan-Speak-Hochtönern hat bei Magico Tradition – die auch in der S-Linie fortgeführt wird. In der S5 spielt eine von Magico mitentwickelte Beryllium-Kalotte, die bis weit über 40 Kilohertz läuft. © Hersteller / Archiv
Die Verwendung von Scan-Speak-Hochtönern hat bei Magico Tradition – die auch in der S-Linie fortgeführt wird. In der S5 spielt eine von Magico mitentwickelte Beryllium-Kalotte, die bis weit über 40 Kilohertz läuft.

Fazit

68 Punkte standen am Ende der Hörtests auf den Bewertungszetteln der Tester. Damit spielt die S5 in einer Liga mit Lautsprecherboxen wie der Wilson Sophia, der Vivid Audio Giya oder der T+A CWT 2000. Letztere ist aufgrund ihres Abstrahlverhaltens in großen Räumen sicher im Vorteil, die Wilson ist in Sachen Lebendigkeit kaum zu schlagen, und die Giya ist ein Abbildungswunder. Aber so schön wie diese S5 klingt keine andere.

Die Vorzüge des Alu-Gehäuses

Mehr lesen

Magico-Chef Alon Wolf setzt seit Jahren konsequent auf extrem steife Alu-Gehäuse. Die Messungen, aufgenommen mit Schwingungsaufnehmern, unterstreichen seine These vom Vorteil des richtig bedämpften Alu-Gehäuses: Klassische MDF-Gehäuse nehmen vor allem zwischen 500 und 2000 Hertz viel mehr Energie auf und geben sie – das ist der Knackpunkt – erst mit langer Zeitverzögerung wieder ab. Diese Zeitverzögerung, erkennbar an den langen Ausläufern der Energiekurven im Bereich um 5000 Hertz, verfälschen das Signal. Doch mit einem einfachen Alu-Gehäuse ist eine solche Vibrationsfreiheit kaum zu erreichen; man muss die Wände und die Versteifungen zusätzlich bedämpfen. Wolf hat dafür ausgefuchste Simulationsprogramme, die die Gehäuse seiner neuen Q- und S-Linien perfekt beruhigen – wie die Messung zeigt. Erst weitgehend vibrationsfreie Gehäuse bringen eine bestmögliche Präzision. Das ist mit MDF schwierig.

 
x