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Retro-Plattenspieler Luxman PD-171 im Test

Wumm: Über Jahrzehnte hat Luxman die Vinyl-Fans darben lassen. Nun kommt der PD-171 als stattlicher, schwerer japanischer Analog-Vorkämpfer in den Ring der Premiumlaufwerke. Viel Kraft, viel Retro, viel Ehrlichkeit?
Luxman PD-171
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© Hersteller / Archiv

Luxman PD-171

Luxman PD-171
Gesamtwertung: gut - sehr gut
  • +Kombi, die keine Energie entzieht
  • +Drive ohne den Show-Turbo zuzuschalten
  • +Optisch gibt’s viele schöne Show-Effekte

Bandscheiben-Patienten sollten diesem Plattenspieler Respekt entgegenbringen. Nicht, dass er wirklich schwer wäre. 23 Kilo werfen mit der richtigen Kniebeuge-Technik keinen erwachsenen Mann aus der Bahn. Doch der Luxman PD-171 verführt dazu, ihn angesichts seines klassisch feinen, fast leichten Designs zu unterschätzen.

Vielleicht liegt es auch nur daran, dass wir den Respekt verlernt haben. Zu viele Kulissenhersteller aus Fernost kokettieren mit dem Erscheinungsbild der 70er Jahre, liefern aber nur leichte Pappschachtel-Plattenspieler im Vergleich zu dieser Wuchtbrumme.

Stattliche Ehrlichkeit mit gewissen eigenwilligen Lösungen hat Luxman berühmt gemacht. Wer sich erinnert: Noch 1980 stellte die Marke den PD-300 vor – ein Laufwerk, das seine Vinylscheiben über eine Vakuum-Vorrichtung auf den Plattenteller festsaugte.

Großes Kino, kleine Leinwand: Luxman lässt wie anno 1975 die Stroboskop-Anzeige über ein beleuchtetes Prisma aufschimmern. © Hersteller / Archiv
Großes Kino, kleine Leinwand: Luxman lässt wie anno 1975 die Stroboskop-Anzeige über ein beleuchtetes Prisma aufschimmern.

Heute ist der PD-300 Kult und Sammlerstück. Er ist jedoch nicht das direkte Vorbild für den neuen PD-171. Hier stand ein noch älterer Superseller des verblichenen Luxman-Katalogs Pate, der PD-121 aus den mächtigsten Tagen des Vinyls, erstgeboren anno 1975.

Zwischen dem Neuling und seinem Muttertier liegen 37 Jahre. Mehr als unwahrscheinlich, dass Luxman hier noch einen Mythos stricken könnte, etwa so: Man preise sich glücklich, originale Fertigungswerkzeuge von damals im Firmenarchiv gefunden zu haben. Oder gar einen betagten Entwicklungsingenieur aus jener Zeit in einem dunklen Hinterzimmer. Luxman ist in dieser Hinsicht ehrlich: Der PD-171 sei eine komplette Neuentwicklung, der PD-121 habe seine Rolle eher „as a motif“ erfüllt.

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Tatsächlich ähnelt der Neuling dem Ahnherrn bis in die Details. Allen voran: jenes ungewöhnliche Stroboskop-Prisma, halb Messinstrument, halb Spielzeug für große Jungs. Auf der Unterseite des Plattentellers hat Luxman einen Ring eingelassen, mit roten, spiegelverkehrt aufgedruckten „33“- und „45“-Ziffern. Rotiert der Teller, erglimmt eine Stroboskop-LED unter der Rundung, das Prisma dreht die Zahlen und wirft sie dem Betrachter beim Auflegen der Nadel entgegen. Über ein Rädchen rechts kann die exakte Drehzahl feinjustiert werden, die Ziffern verharren scheinbar im Stillstand.

Noch ein Licht geht auf, wenn gewünscht: Über eine zusteckbare Stablampe kann das rotierende Vinyl dezent beleuchtet werden. © Hersteller / Archiv
Noch ein Licht geht auf, wenn gewünscht: Über eine zusteckbare Stablampe kann das rotierende Vinyl dezent beleuchtet werden.

Das ist ganz wundervoll, schöne Show und wärmt das Herz. Es erklärt aber nun mal nicht, warum dafür 6.500 Euro aus dem Portemonnaie fließen sollten. Dies erschließt sich eher aus den Zwängen des Markts und der Wahl der Materialien. Luxman fertigt den Plattenspieler in Japan, drei Jahre habe man allein in die Entwicklung investiert. Was nach Aluminium aussieht, ist auch bestes Leichtmetall, 15 Millimeter dick und anspruchsvoll verarbeitet. Der Plattenteller selbst besteht aus hochverdichtetem Aluminium, fünf Kilo schwer – wer ihn heben möchte, kann dies nur über zwei anschraubbare Haken, die Luxman mitliefert. Darunter rotiert eine Spindel im Teflonlager.

In der Summe steht man in allen Details vor gehobener Feinmechanik, aber keinen Revolutionen, eher Reminiszenzen. Angetrieben wird der Teller nicht von einem modischen Nylon-Fädchen oder dünnen Rundriemen, sondern von einem Flachriemen, der an die Kraftübersetzung unter der Motorhaube eines Geländewagens erinnert.

Das klingt despektierlich. Soll es aber nicht. Luxman inszeniert mit dem PD-171 sehr zielgerichtet das Bild eines unkaputtbaren, bodenständigen Vinylbeschleunigers mit Retro-Charme. Eben der Range Rover, den die Queen besteigt, würde sie nach Balmoral Castle brausen.

Auch die Wahl des S-Tonarms passt ins Konzept – er stammt ebenfalls aus Japan, ist aber keine Eigenentwicklung. Luxman kauft ihn bei Jelco in Ichikawa an, zum Luxman wird er durch den Logo-Aufdruck auf der abnehmbaren Headshell. Das ist nicht ehrenrührig, sondern branchenüblich. Der Ur-Tonarm des PD-121 war damals ein SME 3009 mit verwandtem, charakteristischem S-Schwung. Wer beide Plattenspieler jetzt nebeneinander stellt, sieht keine siamesischen Zwillinge, eher im PD-171 eine höher positionierte Version im Firmenkatalog, die lediglich 37 Jahre geschlummert hat.

Klarer Fall: Luxman treibt den 5-Kilo-Teller via wuchtigem Flachriemen, gewölbtem Pulley und synchronem AC-Motor an. © Hersteller / Archiv
Klarer Fall: Luxman treibt den 5-Kilo-Teller via wuchtigem Flachriemen, gewölbtem Pulley und synchronem AC-Motor an.

Nicht im Gesamtpaket findet sich ein Tonabnehmer. Hier ist der Händler des Vertrauens gefragt. Im Hörraum haben wir einiges ausprobiert. Der Jelco-Tonarm ist ein Leichtgewicht – und irgendwie hat sich das Gerücht verbreitet, dass er nur mit einem ebenso luftigen Tonabnehmer wirklich gut aufspielen könne. Stimmt nicht. In unserem Test waren gerade die schweren Modelle die bessere Wahl. Vor allem sollten sie tendenziell aufbrausend sein, spielfreudig, dynamisch. Die edlen Samtwandler doppelten die Grundqualitäten des Luxman-Laufwerks.

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Konkret: Zu Beginn senkten wir einen Grado-Abtaster in das Vinyl. Das „Statement Platinum“ ist ein vorzügliches Moving-Iron-System mit einer tonalen Balance, die Stimmen hochpräsent vor die Lautsprecher-Achse stellt. Am PD-171 war das mitunter zu viel des Harmonischen. Das konnten nicht die wahren Werte dieses Laufwerks sein – die harten Fakten der Messergebnisse deuteten eine andere Ausrichtung an.

Der Zufall wollte es, dass der deutsche Luxman-Vertrieb auch Systeme der US-Marke „Zu“ importiert. Der gesteuerte Zufall wollte es, dass just eines dieser Systeme in einer passenden Headshell für den PD-171 verfügbar war, als Geschmacksprobe – mit nominell 550 Euro etwas zu leicht in der Preisrelation zu den Anschaffungskosten des Laufwerks, mit 14 Gramm aber genau die Gegenseite zu den mittleren bis leichten Systemen (das Grado bringt rund 7 Gramm auf die Briefwaage). Das Zu-System ist ein verkleidetes Denon DL-103, aufgebohrt, entblättert, selektiert und neu verkapselt.

Zauberhaft, clever: Luxman hat einen Ring mit spiegelverkehrten Umdrehungszahlen in den äußeren, unteren Tellerrand eingelassen. Über ein beleuchtetes Prisma tauchen die Zahlen korrekt zur Speedjustage an der Front auf. © Hersteller / Archiv
Zauberhaft, clever: Luxman hat einen Ring mit spiegelverkehrten Umdrehungszahlen in den äußeren, unteren Tellerrand eingelassen. Über ein beleuchtetes Prisma tauchen die Zahlen korrekt zur Speedjustage an der Front auf.

Ein tendenziell helles, offenes System. Der PD-171 koppelte im Test die richtige Bodenhaftung hinzu. „Misterioso“ von Thelonious Monk ist hier ein Gradmesser – viel Live-Atmosphäre, eher trocken statt füllig im Bass, an einem instabilen Laufwerk ziehen sich die Haarzellen im Innenohr schon nach den ersten vier Takten zusammen. Die Abbildung des Aufnahmeraums ist extrem wirr, erstaunlich naiv scheinen die Tontechniker 1958 zudem mit den Phasen hantiert zu haben. Die Luxman-Kombi schaffte im Test Ordnung, fügte die vielen hellen Rauminformationen, die leichten Schlagzeug-Einwürfe zum vorwärtsgerichteten Drive und starker Atmosphäre.

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Das alles bei einem feinen, gepflegten Mezzoforte. Kann der PD-171 auch laut? Ein Monolith, ein Schreckgespenst für instabile Laufwerke ist hier die 4. Sinfonie von Vaughan Williams (1872-1958).

Die britische EMI hat die Aufnahme des Philharmonia Orchestra unter Sir Adrian Boult seit 1968 tausendfach neu aufgelegt. Die letzte Version in einer Midprice- Serie von 1985 ist über alle bekannten Vinylbeschaffungswege zu haben, ein Tipp, aber kein Geheimtipp – und klingt wie das Glaubensbekenntnis eines ungehemmten Toningenieurs: überall Tiefstbass-Wucht. Selbst hinter den Blechbläsern rechts hockt eine druckvolle Rauminformation, ein mitatmender Bassschub. Leichtgewichte unter den Laufwerken machen daraus einen Windbeutel. Am PD-171 aber war der erste Satz ein einziger großer Schlag auf den Solarplexus – stabil, dynamisch, herrschaftlich.

Fazit

Die Retro-Elemente mögen Show sein. Sie sind aber keine Falle. Die Basis dieses Laufwerks ist edel, zugkräftig und regt den Spieltrieb an – beispielsweise für neue Tonarme. Aber der PD-171 wildert als Neuankömmling in einem Teich, in dem sich etablierte Hechte tummeln, mit ungebrochener Tradition. In der Vinyl-Historie von Luxman klafft hingegen eine Lücke. Wenn die Japaner es wirklich ernst mit den Vinyl-Freunden meinen, sollten sie ein weiteres Modell folgen lassen, am besten eine Preisregion tiefer.

 
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