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Testbericht Linn Kiko im Test

Der Linn Kiko ist das neueste und kleinste System aus der schottischen HiFi-Schmiede, mit dem Linn auf neue Zielgruppen zugeht. Doch auch Audiophile der alten Schule werden sich für die kleine Anlage begeistern können, wie unser Test zeigt.

Linn Kiko
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© Hersteller/Archiv

Linn Kiko
Klangurteil 100 Punkte
Preis/Leistung gut
  • +Winziges Format
  • +Vollwertiger Klang
  • +Perfekter Netzwerkplayer
  • -Edel, aber auch nicht billig

"Your Linn experience starts here" verheißt der silberne Sticker, der den großen, würfelförmigen Kiko-Karton versiegelt. Heraus kommt eine komplette Anlage, mit Player/Verstärker, Lautsprechern, sämtlichen Kabeln und natürlich einer Fernbedienung. Die klassische Bedienungsanleitung fehlt, stattdessen gibt’s zwei Klicks entfernt auf der Firmen-Website ein bebildertes, interaktives Installationsprogramm, das den Kunden durch die wenigen Aufbauschritte führt und ihm die vielen Möglichkeiten zeigt, Musik aus unterschiedlichsten Quellen wiederzugeben.

Man könnte meinen, die Schotten wollten im Revier von Bose wildern – und fühlt sich bestätigt, wenn man das Zentralgerät Kiko DSM aus seiner Hülle befreit hat: Die Muschelform erinnert tatsächlich an Lifestyle-Systeme des amerikanischen Entertainment-Riesen. Dass Kiko technisch nichts mit seinen US-Brüdern zu tun hat, wird dann aber selbst bei oberflächlicher Betrachtung schnell klar.

Linn Kiko
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Der neue Setup-Wizard funktioniert nicht nur mit dem Kiko, sondern auch mit dessen größeren DSM-Brüdern Majik, Akurate und Klimax.

Philosophisch gibt es dennoch Berührungspunkte: Linn geht mit dem Kiko auf eine Zielgruppe zu, die bisher nicht im Sortiment der Glasgower fündig geworden wäre – und gar nicht darauf gekommen wäre, dort nach einer Anlage zu suchen. Die Schotten haben verstanden, dass der Wunsch, besser, intensiver, technisch wie räumlich unbeschränkter Musik zu hören, nicht automatisch mit der Bereitschaft einhergeht, daraus ein Zeit und mitunter auch Nerven raubendes Vollzeithobby zu machen.

Welcome, New Audiophile

Der Audiophile vom alten Schrot und Korn wird weiterhin auf der Suche nach dem perfekten Klang – den er nach der Logik aller Hobbys natürlich nie erreichen wird – jedes Element seiner Anlage einzeln optimieren, Kabel hören, Unterstellfüße tauschen und abends beim Bier mit Gleichgesinnten über das next big thing der HiFi-Szene diskutieren. Gerne auch über Linn, wo er hochmoderne, elegant klingende Einzelkomponenten, darunter die womöglich besten Netzwerkplayer dieses Planeten findet.

Gilad Tiefenbrun, Linns Managing Director, geistiger Vater der DS-Player und Sohn des Firmengründers Ivor Tiefenbrun, stellt diesem Old Audiophile ganz wertungsfrei den New Audiophile zur Seite. Der teilt die Liebe zur Musik und die Begeisterung für guten Klang mit seinem Old-School-Kollegen. Wie dieser weiß er ein Gerät zu schätzen, das mit großer Entwicklungs- und Fertigungstiefe entsteht, das von einem Malcolm, einer Susan oder einem Sean unter vorbildlichen – und vielfach ausgezeichneten – Bedingungen montiert, getestet, verpackt und schließlich per Namensschild signiert wird. Und das dann halt auch einen Preis kostet, der alle Beteiligten adäquat partizipieren lässt.

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Der New Audiophile setzt aber andere Schwerpunkte. Es ist ihm nicht egal, wie sein HiFi aussieht und wieviel Platz es verbraucht, und er will auch nicht Jahre damit verbringen, die für ihn ideale Kombination zu finden – und das womöglich gleich mehrmals, weil er nicht nur im klassischen "Hörraum" (meist dem Wohnzimmer), sondern auch in der Küche oder dem Schlafzimmer auf seine Musik zugreifen will. Schließlich gehören räumliche und technische Freizügigkeit zu den wichtigsten Versprechen der DS-basierten Netzwerksysteme: überall im Haus alle Musik in maximaler Qualität greifbar zu haben, unabhängig von deren technischer Vertriebsform.

Linn Kino: Aufbau

Kiko ist das erste speziell auf den New Audiophile zugeschnittene Produkt der Schotten – und damit ein Schritt in einen ganz neuen Markt. Was nicht heißt, dass er nicht auch im traditionelleren Lager Begeisterung auslöst: "Der erste Winz, der nicht winzig klingt", jubelte ein Branchen-Urgestein nach dem ersten Reinhören in Anspielung auf die wirklich bescheidene Größe sowohl des Player/Verstärkers als auch der Boxen. Der Kiko Speaker klingt tatsächlich überraschend groß, und das gleich aus mehreren Gründen: Erstens ist sein Nettovolumen größer als erwartet, da der Alu-Korpus viel dünner ausfällt als akustisch vergleichbar neutrale Holzwände. Zweitens verzichtet Linn zugunsten maximaler Dynamik auf eine allzu tiefe Bassabstimmung und lässt den 10er-Tieftöner - Maßanfertigung eines dänischen Zulieferers - unterhalb 70 Hertz zügig aus dem Geschehen aussteigen.

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Drittens ist der Kiko Speaker ein aktives System: Vier Amps im Kiko DSM sind direkt mit jeweils einem Chassis in den Zweiwege-Böxchen verbunden - perfekte Kontrolle ohne lästige, Leistung fressende und Phasendrehungen erzeugende Weichenbauteile. Die Aufteilung der Frequenzbereiche erledigt ein digitaler Signalprozessor, der ohnehin Teil der DS-Plattform ist und der hier lediglich ein bisschen mehr zu tun bekommt als in den normalen Playermodellen. Diese technische Besonderheit führt dazu, dass der Kiko DSM in seiner aktuellen Form ausschließlich mit den eigenen Lautsprechern funktioniert und umgekehrt die Kiko Speaker keinesfalls an einem anderen Amp angeschlossen werden dürfen.

Damit man gar nicht erst auf dumme Ideen kommt oder in der Aufbau-Aufregung Bass- und Hochtonkabel verwechselt, verwendet Linn auf Verstärker- wie Boxenseite vierpolige Speakon-Verbinder von Neutrik, die nicht nur völlig idioten- sondern auch extrem kontaktsicher und praktisch unzerstörbar sind, was sie im PA- und Studiobereich sehr beliebt macht. Die mitgelieferten, eigens für den Kiko entwickelten Kabel, aufgebaut aus Massivleitern für den Hochton und querschnittsstarkem, mehrlitzigem Kupfer für den Bass, sind bereits mit diesen Steckern konfektioniert. Reichen die zwei Meter nicht, hat der Linn-Händler das Material auch auf Rolle und kann beliebige Sonderlängen daraus konfektionieren.

Linn Kiko: Anschlüsse

Neben den Speakon-Buchsen trägt das Anschlussfeld des Kiko einen von insgesamt zwei Analogeingängen (der andere sitzt als Miniklinke an der Front), zwei konventionelle und drei HDMI-Digitaleingänge. Letztere verarbeiten nur PCM-Signale, diese aber gern auch mehrkanalig – der Kiko spielt dann Front- sowie wahlweise zugemischte Centeranteile und gibt den Rest unverändert über den HDMI-Output weiter. Das freut den New Audiophile, weil er für HiFi und seine Blu-rays nur eine Anlage braucht. Und der Old Audiophile jubelt, weil DVD-Audio und SACD, passenden Universalplayer vorausgesetzt, als hochauflösendes PCM im Linn landen.

Linn Kiko: Hörtest

Wenig überraschend, dass die Anlage auch höchstwertigen Studiomaster- Files klanglich keine Schande bereitet: Mit größenbezogen enormer Dynamik (und beachtlichem Maximalpegel) gingen die Böxchen ans Werk, der Raum wirkte selbst bei ewas geringerer Basibreite weit und präzise definiert, Stimmen im Artikulationsbereich mitunter aber leicht abgedunkelt, dafür im Grundton umso direkter – die Linngenieure haben hier offensichtlich keine superneutralen Studiomonitore gebaut, sondern die letzte Unze Natürlichkeit gegen ein Pfund schnelles Ansprechen, Griffigkeit mitreißende Spielfreude eingetauscht.

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Ob die Musik dann per Songcast direkt vom Rechner oder einem anderen DS-Player kommt, via Airplay aus iTunes oder einem iPad/-Phone/-Pod streamt, von SACD über HDMI anreist, dem Internet oder ganz seriös dem NAS-Server im Keller entspringt – schnell bekommt der Old Audiophile den Eindruck, dass sein junger Kollege zwar den ganzen neumodischen Spaß bekommt, dafür aber irgendwie nicht genug gelitten hat – und dann noch nicht mal die prophezeiten Klang-Kompromisse machen muss. Und kauft sich auch einen Kiko – in einer von sechs schönen Farben.

Fazit

Wer das Kiko-System mit anderen Komplettanlagen vergleicht, kann das Hilfsargument der edlen Herkunft getrost stecken lassen. Die kleinste Linn-Kette ist zwar teuer, aber sie versteht es, auch Hörer, die keine HiFi-Freaks sind, auf Anhieb zu begeistern. Wer keine Sub-Sat-Systeme oder große Standboxen brauchen kann, sollte sich die schottischen Minis dringend einmal anhören.

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