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Testbericht

Lautsprecher TMR Standard III c

AUDIO


Malte Ruhnke

Kompromisslos wie ihr Entwickler: die TMR Standard III c

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Schon der Name TMR – er steht für die Initialen des Firmengründers Thomas-Michael Rudolph – macht klar, dass Box und Person kaum getrennt betrachtet werden sollten. Quasi als Gegenentwurf zur bodenständigen Quadral-Entwicklung sind die Berliner seit nunmehr 34 Jahren eine kleine, feine High-End-Manufaktur mit charismatischem Lenker und Denker.

Seine Standard III C hat zwar eine Auslass-Öffnung, die ist aber weder Transmissionline noch Bassreflex: Feder- und Masse-Wirkung des Reflexes sind vielmehr so abgestimmt, dass sie exakt der des Chassis entsprechen. Entwickler Rudolph verspricht sich davon eine Bedämpfung der Resonanz ohne nennenswerte Schalldruckverstärkung.

Die Standard III C hat als Schlüsselreiz einen Flächenstrahler nach dem magnetostatischen Prinzip als Hochtöner.  Auf die federleichte Membran werden die Alu-Leiterbahnen einfach aufgedampft und erzeugen gegen die enorm starken Magnete die Bewegungsenergie. Schnell kann diese Folie schwingen, aber nicht sehr weit, deshalb darf sie erst ab 3000 Hertz an die Arbeit. Darunter arbeitet ein klassischer Mitteltöner im 10-Zentimeter-Format, der wiederum von Grundton und Bass unterhalb 450 Hertz komplett befreit wurde. Damit schlägt Rudolph mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sämtliche für Vokalobertöne und Ortung relevanten Frequenzen werden aus einem, zudem recht kleinen Punkt abgestrahlt, ohne dass es zu stärkeren Bündelungserscheinungen wie bei großen Mitteltönern käme. Zusätzlich werden die schädlichen Intermodulationsverzerrungen minimiert, die immer dann auftreten, wenn ein kleines Chassis gleichzeitig schnelle Bewegungen und große Hübe schaffen muss.Die Bassarbeit ist aus diesem Grund auf zwei baugleiche Tieftöner aufgeteilt: Einer übernimmt den Oberbass- und Grundtonbereich, der andere die Töne unter 90 Hertz – die Standard ist also eine echte 4-Wege-Box. 


Bild vergrößern 937 920 http://img1.magnus.de/image-r937x919-C-459454ce-12965757.jpg Hinter dem Magnetostaten sitzen die Weichenzweige für Mittel- und Hochtonzweig. © Foto: Härle
© Foto: Härle

Hinter dem Magnetostaten sitzen die Weichenzweige für Mittel- und Hochtonzweig.

Jedes der vier Chassis bekommt seine eigene Platine in unmittelbarer Nähe. Besonderen Wert legt Rudolph auf einen unproblematischen Impedanzverlauf ohne den Einsatz von Korrekturgliedern, damit die Standard III C auch für empfindlichere Röhrenverstärker eine klar kalkulierbare Last darstellt. Aufgrund ihres Kennschalldrucks (84 Dezibel) sollte es aber ein wenig mehr Leistung als aus einer Triode sein.

Hörtest

AUDIO-Chefredakteur Joachim Pfeiffer lobte den highendigen, fast schon überpeniblen Umgang der TMR mit allen Details der Musik, ihre Höhen-Antrittsschnelligkeit und ihre Klarheit. Bernhard Rietschel fand mit der Anbindung des etwas vorlauten Hochtöners insbesondere an den dominant-runden Bass doch noch ein Haar in der Suppe. Das erwies sich aber besonders mit Flüsterpegeln als Stärke der TMR: Aus Violinstimmen und Raumklang der „Konzerte für zwei Orchester" (Vivaldi, Juritz, Naxos) kitzelte sie ungekannte Feinheiten und interpretatorische Nuancen heraus, akkumulierte die tiefsten Frequenzen zu einem General-Bass im wahrsten Sinne des Wortes, verordnete den ersten Violinen eine Extraportion Kolophonium. Die Mittelstimmen wussten sich zwischen diesen beiden Dominanten nicht ganz zu behaupten, die TMR ließ Bratschen, Klarinetten und Fagotte doch hörbar weniger akustische Beleuchtung zuteil werden als den gleißenden Violinen und Blechbläsern von Beethovens Neunter (CD „pure music 1“).

Diese Abstimmung machte sich auch bei Popmusik mal positiv, mal negativ bemerkbar: Becken und -Stimmartikulation der „Fanta 4 Unplugged" atmeten mit fast schon überwältigender Genauigkeit, auch Tiefgang und Bassdruck wuchsen deutlich über die zivilen Gehäusemaße hinaus. In den Mitten war dagegen eine tonale wie räumliche Distanz zu spüren, die Rapper irrten zuweilen etwas auf der Bühne umher. Erst jenseits vernünftiger Abhörpegel ließ die unendliche Klarheit der TMR nach, dann gerieten die vormals blitzblanken Zischlaute doch etwas spitz.

Die Aufstellung

Doch auch bei ihr lässt sich viel über die Aufstellung herausholen. Wem die Höhen etwas zu viel funkeln, der winkelt sie weniger ein. Die distanzierte Mittendarstellung lässt sich mit einer tieferen Hörposition erfolgreich bekämpfen. Ein „Plug And Play“-Schallwandler hätte auch kaum zu TMR gepasst.


Technische Daten und Testergebnisse

Allgemeine Daten  
Abmessung (B x H x T) 24,0 x 110,0 x 40,5 cm
Gewicht 55,0
Oberflächen
Farbe Kirsche, Birne, Ahorn, Laura Preto u.a.
Technische Merkmale  
Bassprinzip Wege Bassreflex
Anzahl der Wege 3 1/2
Arbeitsprinzip Vollaktiv
Ausstattung  
Anschluesse Bi-Wiring
Anschlüsse XLR
Raumanpassung
Surround-Ergänz. nein
Cinch
Labor-Merkmale  
Maximale Lautstärke oberer Wert 106 dB
untere Grenzfrequenz (-3dB) 36 Hz
Untere Grenzfrequenz (-6 dB) 33 Hz
Nennimpedanz (Audio) 4 Ohm
Bewertung  
ja Ultimativ detailreich, dabei transparent und tiefreichend
nein Nicht so neutral und ortungsgenau, Töner könnten homogener zusammenspielen
Bassqualität 85
Basstiefe (Bassfundament) 90
Detailtreue (Präzision) 105
Feindynamik 105
Maximalpegel (Lebendigkeit) 85
Neutralität 85
Ortbarkeit 85
Räumlichkeit (Luftigkeit) 95
Verarbeitung sehr gut
Klangurteil überragend 93
getestet in Ausgabe: 10/07

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