Testbericht Lautsprecher Sonics Allegra
- Datenblatt
- stereoplay
Sonics Allegra
- Hersteller
- Sonics
- UVP
- 5900 €
- Wertung
- 59.0 Punkte
- Testverfahren
- 1.0
- Bewertung
-
- Tester
-
Weichgespülte und designverliebte Jedermannsboxen waren nie Sache von Joachim Gerhard, nicht heute bei Sonics und nicht in seinen Jahren bei Audio Physic, Jahre, in denen der für seine Vorführungen mit ausgesuchtem, vorzugsweise analogem Plattenmaterial bekannte Querdenker Klassiker wie Medea und später dann Kronos auf den Weg gebracht hat – Schallstrahler, die nicht selten ihrer Zeit voraus waren und es bis heute sind.
© Julian Bauer
Sein jüngstes Werk kostet 5900 Euro pro Paar, hört auf den hübschen spanischen Mädchennamen Allegra und ist ein eher kantiger Zweiteiler mit Multiplex-Gehäusen auf einem sanft geschwungen Sockel. Die 13 Lagen Schichtholz plus Schwerfolie sollen dem weitverbreiteten MDF in Sachen Schalldurchtritt und Dröhnneigung haushoch überlegen sein. Zur Wahl stehen ausgefallene Furniere wie Birne oder Bobinga, genauso aber Kupferblech und Edelstahl.
Die aus Gründen des Zeitbezuges (dazu später mehr) um eine Handbreit zurückversetzte obere Kammer beherbergt einen extrem breitbandigen Konusmitteltöner mit Papiermembran. Der Hochtöner ist eine Neuentwicklung von Seas, die in der Allegra Premiere feiert. Es handelt sich um einen Ringstrahler mit einer ungewöhnlich kleinen Membran aus Aluminium und Magnesium, die von breiten Stoffsicken kontrolliert wird. Das bei Metallkalotten unvermeidliche Aufbrechen findet erst bei 40 Kilohertz statt und nicht wie üblich eine halbe Oktave tiefer.
Gemessen an Gerhards bisherigen Ambitionen in Richtung Manger und Koax erscheint die Bestückung ein wenig konventionell, andererseits hat der Meister die Treiber per Klippel-Analyser (dem derzeit wohl leistungsfähigsten Akustik-Messsystem) auf höchste Linearität getrimmt – auch die beiden Metallkonustreiber, die in der unteren Kammer in klassischer Bassreflexabstimmung die eher langwelligen Anteile des Signals verarbeiten.
© Julian Bauer
Besonders trickreich gerieten die eigentlichen Filter mit variabler Steilheit. Im unmittelbaren Übergangsbereich erfolgt eine eher sanfte und phasentreue Filterung, weiter außerhalb wird die Weiche rabiater, um die Chassis nicht unnötig zu belasten und um Resonanzen aus dem Musiksignal herauszuhalten. Zusammen mit dem mechanischen Versatz der Gehäuse will Gerhard so einen extrem gleichmäßigen, bei Passivboxen bis heute als nicht realisierbar erachteten Phasengang erzielen, was er mit Messungen auf seiner Homepage (www.sonicsonline.de ) dokumentiert.
Was also tun Tester, wenn ihnen wieder einmal ein Entwickler das Blaue vom Himmel verspricht? Richtig, sie kramen alte Platten hervor, die sie schon tausend Mal gehört haben und wo sie ziemlich genau wissen, was drauf ist und was nicht.
So zum Beispiel eine Einspielung der King Singers (EMI Records) aus dem Jahre 1989 mit dem English Chamber Orchestra, eine frühe Digitalaufnahme und nach heutigen Vorstellungen sicher keine Scheibe für Klangpuristen. Doch der vielstimmige Männerchor hat es wahrhaft in sich. Wenn die Gesangsprofis Paul-Simon-Klassiker wie „The Sounds Of Silence" zu neuem Leben erwecken, bleibt kein Auge trocken und keine Lautsprechermembran ruhig.
© Julian Bauer
Verträgt dieser offensichtliche Ausnahmeschallwandler nur olle Kamellen? Keineswegs. Neben vielen anderen gut klingenden Scheiben konsumierten die Tester auch das aktuelle Album „In Between Dreams" von Jack Johnson, das schon auf der High-End-Messe für wippende Füße gesorgt hatte.
Und hier schien die Sonics dann vollends in ihrem Element: Vollmundig und sagenhaft zupackend nahm sie den Raum in Beschlag und servierte Johnsons Gitarrespiel so kohärent mit der vielgestaltigen Percussion- und Bassbegleitung wie weit und breit keine andere Box dieser Klasse. Präzision und Timing mögen für viele Boxenbauer Reizwörter sein – die Allegra hat beides.
Alle Daten und Testergebnisse zum Sonics Allegra
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