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Testbericht Lautsprecher Martin Logan CLX

Wer Klarheit nicht mit Krawall verwechselt und gerne mit Kabeln und Elektronik hantiert, findet in den CLX von Martin Logan (28000 Eusro das Paar) die vermutlich dankbarste und eleganteste Klanglupe aller Zeiten.

Martin Logan CLX

Hersteller
Martin Logan
UVP
28000.00 €
Wertung
63.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Bewertung
Lautsprecher Martin Logan CLX
Tester
stereoplay

Menschen auf der Suche nach dem absolut besten Produkt einer Kategorie sind nicht zu beneiden. Für Klangverwöhnte heißt es, Themen wie Exklusivität, Formgebung und Klangvorstellungen unter einen Hut zu bekommen. Preis/Leis­tung, Unterhaltskosten oder Platzbedarf spielen eine untergeordnete Rolle.

Doch welche Chancen hat ein Audiophiler, der schon alles Mögliche ausprobiert hat und nirgendwo richtig glücklich geworden ist? Der nach Jahren der Suche keine faulen Kompromisse mehr eingehen will und genau weiß, was er will? Für solche Zeitgenossen hat Martin Logan den CLX geschaffen, der so gar nicht aussehen will wie andere Schallstrahler und der deshalb einer etwas ausführlicheren Erklärung und Abgrenzung bedarf.

Die flachen Basselemente (Foto oben) sollten nach außen zeigen. Die Seitenwand (links) dient der Stabilisierung und optimiert das Abstrahlverhalten. Die Elektronik lässt sich blau beleuchten, wie hier die Frequenzweiche. Die Öffnungen daneben geben den Blick auf die Übertrager frei. © Julian Bauer
Die flachen Basselemente (Foto oben) sollten nach außen zeigen. Die Seitenwand (links) dient der Stabilisierung und optimiert das Abstrahlverhalten. Die Elektronik lässt sich blau beleuchten, wie hier die Frequenzweiche. Die Öffnungen daneben geben den Blick auf die Übertrager frei.

Obwohl an Schallwandlern jenseits der 20 000 Euro wahrlich kein Mangel herrscht, ist es für Puristen nicht einfach, sich deutlich vom Mainstream abzuheben. Denn trotz aller Unterschiede in Philosophie und Design nutzt die weit überwiegende Zahl aller Hersteller dynamische Treiber, um daraus klassische Direktstrahler und Mehrwegesysteme zu formen, die prinzipbedingt immer gewisse Eigenheiten zeigen.

Das Abstrahlverhalten solcher Lautsprecher ist von einer mehr oder minder ausgeprägten Winkelabhängigkeit bestimmt, deren Problem weniger eine Einschränkung der Hörzone als vielmehr eine fehlerhafte Schalladdition bei größeren Raumwinkeln darstellt, die bei den üblichen Messungen nicht erfasst wird.

Dort, wo die Messmikrofone nicht mehr so genau hinsehen, entstehen Laufzeitdifferenzen, die das zeitliche Gefüge im Summensignal gehörig durcheinanderwirbeln.

Wer diese Kompromisse vermeiden will, dem bleiben im Wesentlichen zwei Alternativen: die winzig kleine, breitbandige Einpunkt-Schallquelle (die in der Praxis aber nicht wirklich funk­tioniert) oder der große Flächenstrahler in den Ausprägungen als Magnetostat oder Elektrostat.

Mit beiden Bauformen lassen sich Zylinderwellen in Dipolform erzeugen, die bei artgerechter Aufstellung mit genügend Wandabstand seitlich und nach hinten ein Klangbild von faszinierender Transparenz und Homogenität ermöglichen. In beiden Fällen wird eine dünne, teilweise sogar durchsichtige Membran vollflächig angeschoben. Bei Magnetostaten helfen riesige Batterien von streifenförmigen Permanentmagneten, bei Elektrostaten sorgt eine (ungefährliche) Hochspannung für den nötigen Antrieb.

Doch wenn dieses Prinzip so vielversprechend ist, warum ist es nicht längst Standard? Die Antwort ist leider ernüchternd: Flächenstrahler müssen, um vernünftig zu funktionieren, relativ groß ausfallen und brauchen viel Platz, weil sonst die hinteren Schallanteile deutlich zu früh am Ohr eintreffen. Beides wäre im Massenmarkt nur schwer vermittelbar. So ist die Auswahl an käuflichen Produkten in beiden Segmenten nicht sonderlich groß, wobei derzeit deutlich mehr Elektrostaten im Angebot sind.

Marktführer in diesem Bereich ist der US-amerikanische Hersteller Martin Logan, dessen kompaktere Modelle (etwa der Vista für 4800 Euro aus Heft 6/2007) sogenannte Hybriden darstellen, die den Bassbereich der höheren Belastbarkeit wegen einem konventionellen Tieftöner überlassen.

Nach mehrjähriger Pause (sie­he Interview mit David Allan) bringen die Amerikaner mit dem CLX nun wieder einen Vollbereichs-Elektrostaten, der das komplette Frequenzband ausschließlich mit Folienstrahlern abdeckt, ­deren Vorteile Puristen in der geringen Masse und im voll­flächigen Antrieb sehen.

Durch die vorne wie hinten offene Bauweise und enorme Ausdehnung in der Vertikalen entstehen zwei Zylinderwellen. Seitenwände, Decken und Böden erhalten kaum Energie. Nach hinten ist ein Abstand von mindestens 1,50 Meter erforderlich, damit sich der Dipol entfalten kann. © Julian Bauer
Durch die vorne wie hinten offene Bauweise und enorme Ausdehnung in der Vertikalen entstehen zwei Zylinderwellen. Seitenwände, Decken und Böden erhalten kaum Energie. Nach hinten ist ein Abstand von mindestens 1,50 Meter erforderlich, damit sich der Dipol entfalten kann.

Im Gegensatz zum Vorgänger CLS verfügt der CLX über zwei mechanisch wie auch elektrisch (360 Hertz und 12 Dezibel pro Oktave) getrennte Foliensysteme nebeneinander. Wegen der ­enormen Ausdehnung der Schwingsysteme ist eine Unterteilung in Teilbereiche bei Flächenstrahlern messtechnisch wie auch klanglich weniger kritisch als bei konventionellen Boxen mit kleineren Schallquellen.

Die beiden Abteilungen sind schon von weitem zu identifizieren: Das Bass-Panel ist der höheren Energiedichte entsprechend breiter ausgeführt und großflächiger.

Die Mittel/Hochtoneinheit (die stets nach innen zeigen sollte) ist leicht nach vorne gewölbt, sodass eine deutlich breitere Hörzone entsteht, ein deutlicher Vorteil gegenüber ausschließlich flachen Panelen.

In der Vertikalen sorgt die große Ausdehnung (Höhe inklusive Rahmen und Sockel knapp 1,80 Meter) für eine vernehmliche, aber nicht messerscharfe Schallbündelung, mit einem Maximum auf halber Höhe, sodass sitzende, nicht aber stehende Hörer den maximalen Genuss erzielen, der bei gleicher Hörentfernung weniger von störenden Boden- und Deckenreflexionen bestimmt ist als bei konventionellen Boxen.

Die Frage, die allen Logan-Fans unter den Nägeln brennen dürfte, ist die nach den Qualitäten des CLX im Bassbereich. Ist selbiger tatsächlich homogener als bei Hybriden und möglicherweise auch besser eingebunden als bei konventionellen Boxen? Und, wenn ja, wie groß sind die Abstriche in Sachen Belastbarkeit und Tiefgang?

Die beiden letzten Aspekte kann die Messtechnik gut beantworten. 55 Hertz (sogar noch besser als die Herstellerangabe) bezogen auf -3 Dezibel ermittelte das stereoplay-Labor, sowie einen Maximalpegel nahe der 100-Dezibel-Schwelle, bezogen auf 1 Meter Entfernung im reflexionsarmen Messraum, der dem Dipolcharakter allerdings kaum gerecht wird. Beide Werte liegen im Rahmen des bei Kompaktboxen Üblichen, wobei solche Zahlenspiele wegen der prinzipbedingt unterschiedlichen Art der Raumankopplung mit einer gewissen Vorsicht zu genießen sind.

Nichtsdestotrotz mag der Vergleich eine grobe Vorstellung vom praktischen Umgang geben. Das nutzbare Pegelband ist beim CLX auf jeden Fall größer als beim CLS, auch die Positionierung im Raum ist dank des ausgefeilteren Abstrahlverhaltens weniger kritisch.

Aktuell gibt es nur die Jubiläumsausgabe mit Rahmen aus massivem Aluminium. Eine (mechanisch nicht ganz so stabile) Basisversion mit Holzrahmen (Farbe wählbar) ist für © Julian Bauer
Aktuell gibt es nur die Jubiläumsausgabe mit Rahmen aus massivem Aluminium. Eine (mechanisch nicht ganz so stabile) Basisversion mit Holzrahmen (Farbe wählbar) ist für

Dennoch ist auch der Neue kein Balzplatz für Bass- oder Pegelfanatiker, zumal sich eine Übersteuerung bei Folienwandlern nicht erst warnend ankündigt. Wenn urplötzlich Knister- und Zirpgeräusche einsetzen, dann war es den bauartbedingt wenig hubfreudigen Paneelen bereits zuviel des Guten.

Doch abgesehen von AV-Freaks mit dauerhaftem Hang zu Getöse dürften damit nur die wenigsten Anwender ernsthafte Probleme haben, denn das Feuerwerk an Klangfarben und unaufgeregter Plastizität, das der Vollbereichswandler im Gegenzug bietet, dürfte auch die hartnäckigsten Humpatä-Jünger auf den Pfad der Tugend zurückholen und ihren Blick auf die wahren Werte lenken, die da lauten Genauigkeit und Feingefühl.

Und so vollbringt der CLX, was nur den allerwenigsten Schallwandlern gelingt. Er macht seine kleinen Defizite innerhalb kürzester Zeit vergessen und fasziniert mit einer grandiosen Gelöstheit, die so erhaben weder dem Blumenhofer-Horn noch der aktiven Backes gelingt.

Die Stimme von Livingston Taylor übertrug der große Logan als perfekt in Szene gesetzte, dreidimensionale Skulptur. Bei Haydns Sinfonie Nr. 88 (Track 2) konnten die Tester förmlich in den Orchestergraben hineinsehen, gleichzeitig besaß das Timbre der Streicher eine atemberaubende Eleganz, ganz ohne Zischen und Zimbeln.

In Sachen Elektronik ist der CLX allerdings kein Kostverächter. Den kleinen Cayin mochte er gar nicht, die (leider ungleich teureren) Thorens-Boliden dagegen umso mehr. Wie auch immer: Wer Klarheit nicht mit Krawall verwechselt und gerne mit Kabeln und Elektronik hantiert, findet im CLX die vermutlich dankbarste und eleganteste Klanglupe aller Zeiten.

Alle Daten und Testergebnisse zum Martin Logan CLX

 
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