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Testbericht Lautsprecher Dynaudio Focus 360

Keine Lautsprecherbox verkörpert die Dynaudio-Werte so intensiv wie die neue Focus 360 (5500 Euro das Paar). Sie sieht fast bieder-normal aus, klingt aber sensationell.

Dynaudio Focus 360

Hersteller
Dynaudio
UVP
5500.00 €
Wertung
60.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Bewertung
Lautsprecher Dynaudio Focus 360
Tester
stereoplay

Um gegenseitige Beeinflussung zu vermeiden, sind der Bass- und der Mittelhoch­tonzweig (rechts) auf unterschiedlichen Weichen untergebracht, obwohl Dynaudio bei der Focus 360 – wie immer – nur eine Single-Wiring- Anschluss­möglichkeit anbietet.
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© Julian Bauer
Um gegenseitige Beeinflussung zu vermeiden, sind der Bass- und der Mittelhoch­tonzweig (rechts) auf unterschiedlichen Weichen untergebracht, obwohl Dynaudio bei der Focus 360 – wie immer – nur eine Single-Wiring- Anschluss­möglichkeit anbietet.

Es war ja etwas still geworden um die Lautsprecher-Weltmacht Dynaudio mit Sitz in Skanderborg. Seitdem die Dänen auch die Autoindustrie beliefern, gab es kaum noch neue Boxen. Findet hier eine klammheimliche Umorientierung statt? „Stimmt schon“, seufzte Dyn­audio-Chef Wilfried Ehrenholz bei einem Besuch in der Redaktion, „die Sache mit Volvo und VW absorbiert viel Energie. Aber wir lenken jetzt wieder einige Kraft zurück in den Heim-HiFi-­Bereich."

Einen schwerwiegenden Beweis für diese Aussage brachte Ehrenholz gleich mit: die neue Focus 360 für 5500 Euro. Die stattliche Dreiwege-Konstruk­tion sieht aus, wie man es von einer Dynaudio dieser Preisklasse seit 30 Jahren nicht anders gewohnt ist. Das Gehäuse ist solide aufgebaut, edel fur­niert (Ahorn, Kirsche, Palisander oder Esche schwarz) und mit einer feinen Lackschicht überzogen. Raffinierte Wölbungen  der Seitenwände oder BiColor-Lackierungen, wie sie gerade im Trend liegen, sucht man – natürlich – vergebens. Wie immer eben.

Der Esotar-Hochtöner der neuesten Generation wird durch einen hocheffizienten Neodym-Magneten angetrieben. © Julian Bauer
Der Esotar-Hochtöner der neuesten Generation wird durch einen hocheffizienten Neodym-Magneten angetrieben.

Und auch die Bestückung liest sich wie aus einem Test vor drei, fünf oder zehn Jahren: Esotar-Hochtöner mit 28 Millimeter Gewebekalotte, Mittel- und ­Tieftöner mit hochdämpfender MSP-Membran (Magnesium­silikat-Polymer-Gemisch) und innerhalb der Schwingspule ­untergebrachtem Magneten.

Und doch steckt hinter der scheinbar albewährt-altbackenen Fassade jede Menge Hightech. Das Gehäuse wurde mit Schwingungsaufnehmern genauestens analysiert und mit entsprechend gesetzten Versteifungen elegant ruhiggestellt. Apropos Analyse: Auch bei Dynaudio hat die einmalig gute (und sehr teure) Analyse- und Entwicklungs-Software von Klippel Einzug ins Labor gehalten; ohne die wäre der gewaltige Entwicklungsschub der Lautsprechertechnik der letzten zwei, drei Jahre gar nicht denkbar gewesen.

Strömungs-optimierte Verstrebungen (Pfeil) verhindern auch hier klangverfälschende Verwirbelungen und Reflexionen. © Julian Bauer
Strömungs-optimierte Verstrebungen (Pfeil) verhindern auch hier klangverfälschende Verwirbelungen und Reflexionen.

Aber die Dänen gehen noch einen Schritt weiter und haben mit der Uni Aalborg ein Ver­fahren entwickelt, das Simula­tionen an den Treibern – Membranmaterialien, Magnetstärken, Schwingspulen, Aufhängungen – sofort hörbar macht. Ein ­Riesenvorteil!

Ein kleiner Hinweis auf die Güte der neuen Chassis könnte der gar nicht so schlechte Wirkungsgrad von 84,5 Dezibel sein; da hatten wir schon viel leisere Dynaudios im Labor. Oder die beeindruckende untere Grenzfrequenz von 28 Hertz. In jedem Fall aber das sensationell schnelle Ausschwingen: Da zeigt sich über den gesamten Frequenzgang keine Resonanz.

Der Durchmesser der außenliegenden Schwingspule beträgt satte 75 Milli­meter. Das sorgt für hohe Belastbarkeit. © Julian Bauer
Der Durchmesser der außenliegenden Schwingspule beträgt satte 75 Milli­meter. Das sorgt für hohe Belastbarkeit.

Und wie fast jede Dynaudio glänzt auch die Focus 360 mit einem linealglatten Amplitudenverlauf und einem – dank Linearisierung – sehr stabilen Impedanzverlauf um 4 Ohm. Für Röhren eignet sie sich trotzdem nicht: Weil sie zu leise ist und eine wirklich gute Bass­kontrolle braucht. Aber die immer öfter anzutreffenden Digital-Endstufen (zum Beispiel bei T+A, Yamaha oder Rowland) reagieren ebenfalls sehr sensibel auf Impedanz­schwankun­gen.

Wir haben die 360 allerdings nur an analogen (Transistor-)Verstärkern gehört: am Naim SuperNait (9/07), am GamuT INT 150 (4/08) und an der Referenz-Vor/End-Kombination Thorens TEP 3800 / TEM 3200. An diesen drei Referenzen zeigte die Dyn­audio sofort, was sie an jeder Klasse-Elektronik zeigen wird: Dass sie ein klanglicher Hammer ist. Ein „kompletter" Lautsprecher, der die Unterschiede zwischen den Verstärkern mühelos offenbarte und eindrucksvoll belegte, was auf guten Aufnahmen auch unterhalb 50 Hertz noch los ist.

Saubere Bässe im Fokus: Die 360 geriet mit ihren 1,24 Metern auch deshalb  so hoch, weil  die Entwickler  die Tieftöner möglichst weit weg vom (reflek­tierenden) Boden halten wollten.
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© Julian Bauer
Saubere Bässe im Fokus: Die 360 geriet mit ihren 1,24 Metern auch deshalb so hoch, weil die Entwickler die Tieftöner möglichst weit weg vom (reflek­tierenden) Boden halten wollten.

Vor allem aber ist die Focus ein Lautsprecher, der die ganze Schönheit der Musik aufzeigt. Die Sonics Allegra, immerhin Klassenreferenz und langgedienter Favorit der Redaktion, bezirzte einen Teil der Redakteure wieder einmal mit ihrer fantastisch feinfühligen Spielweise und der packend plas­ti­schen Abbildung. Die Dynaudio aber holte uns alle ab. Nicht, dass sie plastischer als die Sonics agierte. Aber sie ließ es noch schöner fließen, gab den Stimmen mehr Schmelz, mehr Wärme, vermittelte mehr das Gefühl, dabei zu sein: Sie klang einfach bestechend „echt“. Wie sagte Tester Beric so treffend: „Wer bei `Here Comes The Flood´ von den Flying Pickets (everyday/inak) über die 360er nicht dahinschmilzt, ist ein Barbar."

Recht hat er. Dabei ist die neue Focus keineswegs nur etwas für Kuschler. Denn es gibt auch die andere, die „böse" ­Seite der Dynaudio. Die erwacht immer dann, wenn ihre beiden hochbelastbaren 20er-Tieftöner bei höherem Pegel gefordert werden. Wenn es gilt, krach­lederne Kodo-Drums oder E-Bassgewitter auf das Zwerchfell zu hämmern: Die Hiebe kommen zwar nicht immer bis ins Letzte hart und unerbittlich, aber satt, druckvoll und sehr souverän.

Die Focus 360 ist einer der universellsten Lautsprecher dieser Tage. Wer von der Musik alles erfahren will, der sollte ­tunlichst bald einen Hörtermin beim Dynaudio-Fachhändler vereinbaren.

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