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Plattenkritik "Delta Machine" von Depeche Mode im Hörtest

Mit "Delta Machine" legen Depeche Mode ein Album vor, das mit seiner Sperrigkeit banduntypisches Land betritt.

Mit der Vorabsingle "Heaven" wählte die Band um Dave Gahan ganz bewusst das poppigste und gefälligste Stück von "Delta Machine". Die Ballade voller Hall, flirrender Synthies und schnarrender Effekte ist ein vergleichsweise leichtes Häppchen, lässt jedoch bereits erahnen, dass Depeche Mode mit ihrem 13. Studioalbum neue Sphären erkunden und gleichzeitig einen Blick weit, weit zurück wagen.

Schon der Auftakt zu "Welcome To My World" gibt sich ungewohnt düster, minimalistisch und kalt."Angel" startet nicht minder rau. Sänger Dave Gahan singt mit schroffer Stimme die Zeilen über das knisternd wummernde Synthie-Klanggerüst, das sich dann schließlich doch erbarmt und sich in eine Auszeit mit klarem Gesang Gahans fallen lässt.

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"Secret To The End" bietet sich im ersten Drittel des Album noch einmal mit seinem repetitiven Refrain an, wenngleich Gahan auch hier mit einem Drohen in der Stimme aufwartet. "My Little Universe" startet mit Minimal-Elektro und verlässt diese Reduziertheit nur vorübergehend nach gut eineinhalb Minuten, um Platz zu machen für den dröhnend heranrollenden Bass, der sich zum Ausklang hin mit aufflackernden Synthies vereint.

Mit "Slow" packen Depeche Mode dann endlich die Gitarre aus. Zu bluesbeeinflussten Läufen rollt der Song schwer und mächtig vorwärts, während Gahan dem Song eine gewaltige Sexyness mitgibt. "Broken" gibt sich im Kontrast zur Kantigkeit seiner Vorgängerstücke wieder gefälliger, jedoch ohne sich anzubiedern. Jede Hoffnung auf eine ähnlich verträgliche Fortsetzung begräbt dann jedoch "The Child Inside", das eine zurückgelehnte Ballade ist, die sich jedoch ebenso wie ihre Vorgängerstücke sträubt, als leichte Kost zu gelten.

"Soft Touch/Raw Nerve" nimmt wieder mehr Fahrt auf, flirrt und quietscht, sperrt und gibt sich trotz eines recht eingängigen Refrains unbequem. "Should Be Higher" peitscht dem Hörer weiter eiskalte Synthies in die Gehörgänge, knarzt und stellt Gahans Gesangsspektrum auf die Probe.

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"Alone" klackert und wärmt mit Streichern, pumpt und fiept zu wenig eingängigem Melodieverlauf. "Soothe My Soul" rockt indes für einen Depeche-Mode-Song ordentlich los, rollt und groovt zu flackernden Synthies. Neben der Single gehört dieser Song klar zu den Highlights der Platte. "Goodbye" findet dann noch einmal den Weg zurück zum Blues und schneidet noch einmal tief in das Fleisch all jener, die auf eingängiges neues Material der Briten gehofft hatten.

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Insgesamt geben sich Depeche Mode unbequem und scharf wie es bislang nur in Remixen oder auf B-Seiten zu hören war und orientieren sich damit nicht nur an der eigenen, sehr fernen Vergangenheit, sondern offenbaren auch einen tiefen Blick ins offene Herz der Band. Dieser zeigt, dass hinter der bislang eher glatt erscheinenden Fassade einiges an Komplexität steckt. Melodiöse Glückgaranten wie "Everything Counts", "Enjoy The Silence" oder auch das jüngere "Suffer Well" sucht man vergeblich. Wer sich jedoch auf die neue Linie der Band einlässt, kann Depeche Mode hier noch einmal ganz neu entdecken.

Depeche Mode "Delta Machine" (Sony Music/Columbia Records), VÖ: 22. März

Vorab können Sie das Album "Delta Machine" im kostenlosen Stream hören.

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