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Testbericht Krell FBI

Der Hummer unter den Vollverstärkern: Der Krell FBI wirkt sehr groß, doch eigentlich wurde der Class-A-Verstärker durch einen Trick schon verkleinert.

Krell FBI

Hersteller
Krell
UVP
19000.00 €
Wertung
125.0 Punkte
Testverfahren
1.0

Krell FBI
  • +hohe Leistung
  • +intelligente Steuerung des Ruhestroms
  • +intensiver Klang
  • -groß und schwer

Wenn der Denon der Lexus unter den Vollverstärkern ist, dann muss der Krell FBI der Hummer sein: riesig bis an die Grenze zum Praxisfremden, scharfkantig wie NATO-Draht, schwer wie ein Panzer – und natürlich auch sehr, sehr teuer. Der Riesenwuchs ist nicht Selbstzweck, sondern liegt im Faible von Firmenchef Dan d‘Agostino für vollsymmetrisch aufgebaute Class-A-Amps begründet. 

Weil Halbleiter am unteren Ende ihrer Kennlinie zu Nichtlinearitäten neigen – ähnlich einem Wasserhahn, der sich nur schwer präzise auf ein ganz feines Tröpfeln einstellen lässt –, schiebt im Class-A-Betrieb ein entsprechend hoher Ruhestrom die Transistoren aus dieser kritischen Zone. Eine potenziell hässliche Klirr-Art, die Übergangsverzerrungen, wäre somit ausgemerzt. Nachteil: Der Ruhestrom wird permanent benötigt und nutzlos in Wärme verwandelt, weshalb kräftige A-Verstärker stets einen unerwünschten Nebenjob als sehr teure, sehr sperrige elektrische Heizungen ausüben.

Der FBI verstärkt "symmetrisch"

Class A – Krell-Style

Der FBI mag groß erscheinen, in Wirklichkeit ist er jedoch das Ergebnis einer erfolgreichen Schrumpfung: Wollte man seine durchaus schon kolossale Leistung von 600 Watt an vier Ohm in klassischem Class A bereitstellen, müsste er noch erheblich größer sein. Dan d‘Agostino greift zu einem Trick, der erstmals 1997 in der FPB-Endstufenserie zu bestaunen war: Ein Mikroprozessor überwacht das Eingangssignal der Endstufen und gibt im Bedarfsfall die Anweisung, blitzschnell den Ruhestrom hochzufahren. Der Amp nutzt die Tatsache, dass Musik über weite Strecken nur wenige Watt braucht, und passt sich „intelligent" in mehreren Stufen an Musikprogramm, Abhörlautstärke und Lautsprecherlast an. Einmal aktiviert, bleibt das erhöhte Ruhestrom-Niveau etwa eine Minute erhalten, um dann wieder auf Sparflamme zurückzufallen. 

Praxis: Bi- und Tri-Amping

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Hören tut man von all dem nichts. Wer angesichts der Ruhestrom-Regelei einen nervösen Pedalpumper-Fahrstil fürchtet, könnte nicht gründlicher danebenliegen. Auch wer angesichts von 20 Endtransistoren je Kanal – zuzüglich zehn weiteren zur Spannungsstabilisierung – einen trägen Watt-Saurier erwartet, ist auf ein Klischee reingefallen. Der FBI spielt unglaublich geschmeidig, so völlig frei von Rauheit oder Verfärbungen, dass es schwerfällt, seinen Klang überhaupt zu charakterisieren. Es ist ähnlich wie mit den Bäumen und dem Wald: Der Unterschied ist so groß, dass man ihn auf der Suche nach Kleinigkeiten schlicht übersieht. „It‘s all around you“, um mit einem Albumtitel der brillanten Postrock-Band Tortoise zu sprechen: Das Wesentliche ist nicht mehr irgendwo zwischen den Boxen lokalisiert, es füllt den ganzen Raum.

Zwischen die Endstufen passt gerade noch die Vorstufen-Platine

Hörtest

Schließen Sie eine Box an, die etwas Leistung braucht, etwa die Revel F-52. Legen Sie dann die Arie „Ira Del Ciel" auf, einen Belcanto-Höllentrip des völlig unbekannten Komponisten Giovanni Pacini, erstmals aufgenommen mit Cecilia Bartoli auf ihrer neuen CD „Maria“: Der Krell verlieh der Sängerin eine derart intensive, körperliche Präsenz, dass der Hörraum, die Boxen, die ganze Anlage ausgeblendet schienen. Es war einfach so, dass jeder andere Vollverstärker neben dem Krell räumlich wie dynamisch komprimiert wirkte. Sein martialisches Auftreten führt in die Irre: Im Grunde ist der FBI ein hochsensibler Verstärker – der zufällig genug Leistung für wirklich jede Box dieses Universums hat.

Alle Daten und Testergebnisse zum Krell FBI

 
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