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Praxistest Komplettanlage Epoz Aktimate Maxi

Die AktiMate Maxi ist die zweite ambitionierte Schöpfung des HiFi-Gurus Michael Creek unter dem Logo Epoz. Ob Netzwerk-Player, iPod-Dock oder externe Geräte – die Maxi sagt niemals nein. Ob die Anlage die hohen Erwartungen erfüllen kann, klärt AUDIO im Exklusivtest.

Bereits das erste Kind aus dem Hause Epoz war ein voller Erfolg. Die Aktiv-Lautsprecher, die aus der Werkstatt des Meisters Michael Creek stammen, hörten auf den Namen AktiMate Mini ­(AUDIO 2/08) und gehörten neben B&W Zeppelin und Geneva zu den ersten Angeboten, die dem iPod ernsthaftes HiFi entlocken konnten. So gelang es Creek gemeinsam mit seinen australischen Partnern, die neue Marke Epoz (die ­Namensgebung erinnert nicht zufällig an seine Epos-Lautsprecher) zu etablieren, ohne seine Kundschaft aus dem klassischen HiFi-Bereich zu verschrecken.

Einsicht: Ob Player, Verstärker oder die Eingänge für externe Zuspieler – alles ist in der aktiven Box verbaut. Die Stromversorgung leistet ein Ringkerntrafo.
Einsicht: Ob Player, Verstärker oder die Eingänge für externe Zuspieler – alles ist in der aktiven Box verbaut. Die Stromversorgung leistet ein Ringkerntrafo.

War das Dock-System Mini eine Offenbarung für die iPod-Besitzer, so geht die neue Schöpfung Maxi noch viel weiter. Die linke Box des Zwei-Wege-Systems (25- und 130-Millimeter-Treiber) beherbergt neben einer Dockingstation für die portablen Apple-Spieler auch einen USB-Eingang für externe Datenträger, einen Netzwerk-Player und die Verstärker für beide Boxen. Der verwendete Player stammt von Reciva und kann sich die Daten wahlweise über Netzwerk-Kabel oder kabellos per WLAN vom Server holen. Doch damit nicht genug: Auf der Rückseite der aktiven Box (der rechte Lautsprecher ist passiv und wird mit ­Signalen von der linken versorgt) fanden auch drei Line-Eingänge und ein Ausgang Platz. So können weitere externe Zuspieler in die Anlage integriert werden, was einen Vollverstärker überflüssig macht. An Kraft mangelt es dabei nicht, reichen die 2 x 60 Watt der verbauten Endstufen doch aus, um Verstärkern aus der Einsteigerklasse locker Paroli zu bieten und ordentliche Pegel in den Raum zu wuchten.

Das Vorurteil, dass Netzwerk-Player von Laien kaum zu bedienen sind, wird mit der AktiMate zumindest bei der Inbetriebnahme nicht genährt. Die Erstinstallation gerät äußerst einfach, schon nach wenigen Handgriffen (beide Boxen aufstellen, Strom-, Netzwerk- und Lautsprecher-Kabel anschließen) ist die ­Verbindung zum Server aufgebaut. Das Scrollen durch die Ordner fällt weniger praxisgerecht aus – die Titelliste ist auf dem kleinen Vierzeilen-Display aus zwei Metern Entfernung kaum zu erkennen. Das zwingt den Nutzer, sich näher vor die Box zu platzieren, um die Playliste zu füllen oder zu bearbeiten. Auch ärgerlich, dass der User die Liste komplett durch­scrollen darf, um zu Interpreten wie ZZ Top oder Vivaldi zu gelangen – wer über eine große Musiksammlung verfügt, wird vor eine Geduldsprobe  gestellt. Tipp der Redaktion: Ordnen Sie Ihr ­Musikarchiv in Unterverzeichnisse von A bis Z. Erstens kommen Sie so schneller an Ihre Lieblingsstücke.

Fernsicht: Die Fernbedienung übernimmt das komplette Controlling. Weil das Display zu klein ausfällt, ist eine Steuerung aus größerer Entfernung kaum möglich.
Fernsicht: Die Fernbedienung übernimmt das komplette Controlling. Weil das Display zu klein ausfällt, ist eine Steuerung aus größerer Entfernung kaum möglich.

Zweitens wird auch der Zwischenspeicher des ­Reciva-Clients entlastet, was ihm höhere Stabilität verleiht. Der Netzwerker kommt so selten an seine Grenzen, stürzt kaum ab und arbeitet deutlich störungsfreier und nervenschonender.

Sorgfältig aufstellen

Die gelegentlichen Aussetzer beim ­Abspielen der FLAC-Dateien (verursacht durch das Zwischenspeichern der Daten­pakete) sind leider durch nichts zu beheben. Dies ist schade, lechzten die sehr gut verarbeiteten Boxen doch geradezu nach unkomprimierter Kost, die sie dann noch feiner und räumlicher aufspielen lässt. Damit es so klingt, ist aber auch Sorgfalt bei der Aufstellung geboten. Obwohl Kompaktlautsprecher oft auch als Regalboxen bezeichnet werden, ­sollte man sich nicht durch die geringe Größe täuschen lassen und sie einfach dahin stellen, wo ein Plätzchen frei ist. Da die Epoz-Speaker leicht bassbetont abgestimmt sind und über keinerlei Klangregler verfügen, sind Aufstellungen in Wandnähe, auf dem Schreibtisch oder gar im Regal allerdings tabu.

Wunder-Flunder

Hält man sich an diese Regel, zaubern die AktiMate Maxi eine umwerfende Klangkulisse, die selbst Anlagen jenseits der 1000-Euro-Marke in den Schatten stellt. So löste die Kompakte fein auf, spielte dynamisch mit einer Kraft und Selbstverständlichkeit, dass vor allem bei anspruchsvollen Klassikaufnahmen viel Freude aufkam. Dabei profitierte
der AktiMate von seiner leicht bass­betonten Abstimmung.

Ob Bruckners Neunte oder „Layla“ von Eric Clapton, ob vom USB-Stick, vom Netzwerk-Server oder iPhone als Quelle – klanglich gab es nichts auszusetzen. Die Maxi spielte locker, großzügig und mit einer herrlichen Durchzeichnung auf. Ihre Pegelfestigkeit, Dynamik und Bassgewalt suchte man bei anderen Komplettanlagen vergeblich; ihre Leichtigkeit erinnerte stark an die Elektronik von Creek – ein großes Kompliment angesichts der Erfolge, welche die Briten seit Jahren mit ihren Verstärkern feiern. Als das schwächste Glied der Kette zeigten sich die Netzwerk-Komponenten von Reciva: Spielten der Sneaky DS oder der Akurate DS von Linn der Maxi die Signale zu, tönte es noch feiner und genauer. In der Preisklasse bis 1000 Euro gibt es aber in der Netzwerk-Komplettanlagenwelt nichts Vergleichbares.

Fazit

Bei nüchterner Betrachtung wird man an dieser Anlage die eine oder andere Schwäche finden – das etwas zu kleine Display für die Steuerung aus der Distanz oder den verbesserungsfähigen Netzwerk-Client von Reciva. Doch wer eine Spaßmaschine möchte und sich an ein paar Bedienungs-Regeln hält, findet in der Maxi
ein Angebot, das maximales ­Vergnügen bereiten kann.

 
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