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Testbericht Kompakt-Lautsprecher B&W PM1 im Test

Bei B&W klaffte bislang zwischen der noblen CM- und der königlichen ­Nautilus-Serie eine breite Lücke. Der neue Prestige Monitor 1 (PM1) für 2500 Euro füllt sie souverän und erinnert dabei stark an eine wahrhaft royale Boxen-Ikone.

B&W Prestige Monitor 1

Hersteller
B&W
UVP
2500.00 €
Wertung
55.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Auszeichnung
stereoplay Highlight B&W PM 1 (10/2011)
Tester
stereoplay

Miniaturisierungen sind in der Regel eine heikle Angelegenheit. Wie soll das gehen, die Technik und die Akustik großer Schallwandler seriös in Kleinstmonitoren unterzubringen? „Doch, doch“, kontert B&W-Produktmanager Mike Gough. „Man muss nur wissen wie.“

Der Prestige Monitor ist kaum größer als ein DIN-A4-Blatt. Einzige Furnier-Variante ist das hier abgebildete „Mocca“. © Archiv
Der Prestige Monitor ist kaum größer als ein DIN-A4-Blatt. Einzige Furnier-Variante ist das hier abgebildete „Mocca“.

Nun, zumindest äußerlich ist den Briten dieser Versuch geglückt. Der Entwurf von ­Native-Design-Chef Morton (der schon bei Nautilus und Zeppelin federführend war) ist an allen Ecken und Kanten als waschechte B&W-Spitzenbox zu erkennen: die gelbliche Kevlar-Membran des Tiefmittel­töners, die exponierte Lage des Hochtöners auf der Box, der Bassreflex-Port mit der eigenwilligen Golfballoberfläche.

Die Frontbespannungen  werden durch Magnete gehalten. Während des Hörens aber unbedingt abnehmen, dann klingt es noch offener. © Archiv
Die Frontbespannungen werden durch Magnete gehalten. Während des Hörens aber unbedingt abnehmen, dann klingt es noch offener.

Doch letztlich wird über das Design ja nur transportiert, was für die Akustiker nobelste Pflicht war: In diesen Kompaktmonitor sollten alle Erfahrungen einfließen, mit denen die Nautilus-Serie ihre großen Erfolge einfuhr. Der Diamant-Hoch­töner war aus Kostengründen natürlich nicht drin. Dafür aber entwickelte man eine Alumi­nium-Hochtonkalotte, die zumindest die der Nautilus-S-Serie locker in den Schatten stellen soll.

Auf dem Ständer ist die PM 1 auch akustisch bestens aufgehoben. Im Regal könnte der Bass etwas aufdicken. © Archiv
Auf dem Ständer ist die PM 1 auch akustisch bestens aufgehoben. Im Regal könnte der Bass etwas aufdicken.

Und das wohl auch tut. Das stereoplay-Messlabor hatte Mühe, die Aufbrech-Resonanz der Kalotte zu ermitteln – sie liegt nämlich bei stolzen 40 Kilohertz, der Grenze des MLS-Messsystems. Und selbstredend ist diese neue Kalotte über die typische Nautilus-Röhre gekonnt bedämpft. Der nach hinten abgestrahlte Schall verliert hier seine Energie und wird nicht reflektiert. Damit die sensiblen Hochtonsignale nicht von Vibrationen des Tiefmitteltongehäuses irritiert und verfälscht werden, ist die gesamte Hochtonröhre in einem dauer­elastischen Bett schwimmend gelagert.

Ein weiterer Punkt, an dem sich der noble Prestige Monitor von der „gemeinen“ CM-Serie abhebt, ist das äußerst aufwendig konzipierte und traumhaft schöne Gehäuse. Dieses entsteht – wie alle Modelle der Nautilus-Familie – wieder im B&W-Werk in Worthing selbst, was den Briten einen lange gewünschten strikten Zugriff auf die Verarbeitungs-Qualität ermöglicht.

Das Gehäuse besteht aus ­einer MDF-Grundstruktur, an deren Seiten die furnierten Wangen (ein 7-Lagen-Schichtholz) mit einem dauer­elastischen Kleber aufgebracht werden. So entsteht ein äußerst massiver Sandwich, der kaum noch Eigenschwingungen zulässt. Front und Deckel sind aus einem extrem resonanzarmen Spritzgussteil gefertigt, das mit einem angenehmen Soft-Touch-Lack besprüht ist.

Das Furnier der kleinen ­Nobelbox (es gibt hier nur die Ausführung „Mocca“) sieht so wunderbar aus, dass man sich fragt, wo so etwas eigentlich wächst. Antwort: nirgendwo. Es handelt sich um ein künstlich erstelltes Holz, für das verschiedene Arten zusammengeleimt und dann zu Furnieren hauchdünn geschnitten werden. So entstehen atemberaubend schöne Maserungen. Für die PM 1 werden die Furnierstücke der Seitenwangen und die für die passenden Ständer (PM-Stand, 500 Euro) übrigens paarweise selektiert.

Fast wie eine LS 3/5a

Messtechnisch erinnert die PM 1 durchaus an den legendären BBC-Monitor LS 3/5a. Da ist die Extraportion Bass um 70 Hertz, die mehr Fülle vorgaukeln soll, als der kleine 4-Zöller tatsächlich produzieren kann. Dazu kommen die etwas zurückhaltenden Mitten und der präsentere Bereich zwischen 5000 und 12000 Hertz, der für die Ortung so wichtig ist. Und wie bei der LS 3/5a fällt der Hochtonpegel oberhalb von 12 Kilohertz etwas ab. Allerdings schafft die PM-1-Kalotte problemlos die 40 kHz, was für eine LS 3/5a damals völlig ­undenkbar war.

Und elektrisch hat die neue B&W mit ihrem erfreulich ­hohen sowie röhrentauglichen Impedanz-Minimum von 4,7 Ohm und dem bescheidenen Wirkungsgrad von etwa 79 ­Dezibel (2 Volt/Meter) ebenfalls etwas von der BBC-Kultbox aus den 70er Jahren.

Von wegen Kleinbox!

Wer meint, aus einem solchen Mini-Monitor könne doch gar kein Bass kommen, muss spätestens nach einem Hörtermin mit der PM 1 umdenken: Trotz der bescheidenen Abmessungen erzeugte die Box selbst bei gehobenem Pegel ein durchaus glaubwürdiges E-Bass-Gewitter (Marcus Miller: „Panther“), auch wenn ihr – was Wunder bei dem Mini-Bass! – mit höhe­ren Pegeln schnell die Puste ausging und der 4-Zöller anschlug. Doch das blieb die einzige Einschränkung. Sogar tiefe Männerstimmen wie die von Hans Theessink kamen klar, voll und wunderbar warm-­natürlich rüber. Genau das war übrigens auch die herausragende Fähigkeit der LS 3/5a.

Frequenzgang & Impedanzverlauf: Recht linear mit kräftigen Bässen um 90 Hertz und zurückhaltenden Mitten. Reicht bis über 40 KHz. © stereoplay
Frequenzgang & Impedanzverlauf: Recht linear mit kräftigen Bässen um 90 Hertz und zurückhaltenden Mitten. Reicht bis über 40 KHz.

Damit soll es dann genug sein, was den Vergleich zur Boxen-Legende angeht. Denn die Leichtigkeit, mit der die PM 1 durch die komplexen Hochton-Verästelungen von Monti AlexandersHurricane Come And Gone“ wuselte, ihr genaues Timing, die Fähigkeit, auch den letzten Tönen ausschwingender Gitarrensaiten noch Gestalt und Struktur zu verleihen – das ist weit über dem, was die BBC-Ikone je zu leisten im Stande war.

Pegel- & Klirrverlauf: Bis 95 dB SPL (blaue Kurven) halten sich Klirr und Kompression in Grenzen. © stereoplay
Pegel- & Klirrverlauf: Bis 95 dB SPL (blaue Kurven) halten sich Klirr und Kompression in Grenzen.

Vor allem die absolute ­Unbeschwertheit, wie sich die Musik von den kleinen Gehäusen löste, wie glaubhaft die PM 1 große, dreidimensionale Klangbilder auch in der Höhe aufbaute und wie präzise sie die einzelnen Instrumente dort positionierte – das war wirklich aller Ehren wert. Viele, bei stereoplay auch bestens getestete Mitbewerber haben sicherlich mehr Pegel­reserven. Aber genauer, offener, letztendlich auch schöner spielt in dieser Klasse keine.

Mission geglückt

Die Miniaturisierung ist gelungen, die Lücke zwischen CM und Nautilus geschlossen: Die B&W PM 1 ist eine aufs Liebevollste und Schönste geschrumpfte Nautilus, die in der Mittenpräzision durchaus mit den großen Nautilus-Schwestern mithalten kann. Und sie hat das Zeug, die Nachfolge der Kultbox LS 3/5a anzutreten. Ganz große Klasse.

B&W PM 1

  1. Der nagelneue Aluminium-Hochtöner der PM 1 steckt in der klassischen Nautilus-Röhre und ist vom Haupt­gehäuse entkoppelt.
  2. Wichtigstes Kennzeichen ist der 5-Zoll-Tiefmitteltöner mit gelber Kevlar-Membran. B&W gelang es, dieses Material hart und resonanzarm zu gestalten.
  3. Front und Deckel sind aus einem Kunststoff-Teil, dessen rückseitige Kammern mit einem Steinmehl/Harz-Mix gefüllt wurden. Dadurch ist es akustisch fast tot.

Alle Daten und Testergebnisse zum B&W Prestige Monitor 1

 
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