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Testbericht KEF Reference 203/2

Im Jahre 2002 erschütterte die KEF-Reference 203 ihre Klasse durch herausragende Klangeigenschaften. Nur die derbe Verarbeitung passte zu dem Überflieger nicht. Jetzt kommt die Serie 2 für 7000 Euro: mit edelstem Gehäuse und neuem, sensationellem Koax-Treiber.

KEF Reference 203/2

Hersteller
KEF
UVP
7000.00 €
Wertung
60.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Tester
stereoplay

Dr. Andrew Watson, Entwicklungsleiter bei KEF, neben seinem liebsten Kind, dem beeindruckenden Pilotprojekt Austin.

Nein, hübsch war Austin ganz sicher nicht. Ein Lautsprecher-Trumm wie aus den 80er Jahren. Der fraglos beste und teuerste KEF-Lautsprecher aller Zeiten präsentierte sich auf der High-End-Messe 2006 übermannsgroß und zum Teil mit Klebebändern verunstaltet – weshalb KEFs weltgewandter Zeremonien-Meister Johan Corg ihn pfiffig in einem abgedunkelten Raum spielen ließ.

Doch für die Besucher, die sich in den britischen Darkroom trauten, wurde Austin zu einer anmutig strahlenden Schönheit. Weil er so überwältigend klang. Er bot ein Bassfundament, wie man es nur von ausgewachsenen Profi-Beschallungen her kennt, und zelebrierte den gesamten Mittelhochtonbereich mit einer Feinzeichnung, die nur noch zum Darniederknien war. stereoplay wählte damals die KEF-Demo mit Austin zum „Sound Of The Show“, und viele Besucher werteten noch euphorischer.Doch trotz des beeindruckenden Auftritts kommt Austin wahrscheinlich nie über die Projektphase hinaus: zu groß, zu hässlich, zu teuer.

Der neue Uni-Q: Beim Mitteltöner vermeidet eine noch flachere Geometrie der hochdämpfenden Membran nun jedweden Trichterklang.
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© Julian Bauer
Der neue Uni-Q: Beim Mitteltöner vermeidet eine noch flachere Geometrie der hochdämpfenden Membran nun jedweden Trichterklang.

Sein zentraler Baustein aber, das neue Uni-Q-Koax-Chassis, fand Eingang in die lang erwartete neue  Reference-2-Linie.Schon die Modelle der alten 200er-Serie brillierten ja in fast allen klanglichen Belangen, wobei die Reference 203 (Test in Heft 4/02, 57 Punkte, stereoplay Highlight) fraglos aus der Phalanx herausragte: wegen ihres relativ niedrigen Preises (5500 Euro) und ihrer schönen Proportionen.

Die Abmessungen der 203/2 sind bis auf den Millimeter die gleichen; die bewährt solide Konstruktion des mehrfach versteiften Gehäuses wurde weitgehend übernommen. Wie übrigens auch die Bassbestückung.

Allerdings hat sich bei der Verarbeitung von KEFs Flaggschiff-Linie einiges getan. Die perfekten Einfräsungen der Chassis (bei Autos würde man „Spaltmaße" sagen), die exakten Rundungen, der vollendete Lack – KEF hat für die neue (immer noch weitestgehend in England gefertigte) Reference-Reihe den Schreiner und den Lackierer gewechselt. Diese beiden hieven KEFs Reference-Serie endlich auf das Verarbeitungs-Niveau der High-End-Platzhirsche B&W und Dynaudio.

Das Glasmodell zeigt die vielfachen Versteifungen der aufwendigen Reference-Gehäuse.
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© Julian Bauer
Das Glasmodell zeigt die vielfachen Versteifungen der aufwendigen Reference-Gehäuse.

Vor allem die Hochglanzlack-Versionen (Kirsche, Nussbaum und Schwarz) sehen richtig nobel aus, und man kann die neue Perfektion regelrecht erspüren, wenn man mit den Fingern über die perfekte Oberfläche fährt. Leider auch im Geldbeutel, denn der Preis stieg auf 7000 Euro.

Und es gibt noch einen augenfälligen Unterschied zum hochdekorierten Vorgänger: Der Superhochtöner fehlt. Dieser gleichwohl nette wie skurrile Silber-Pürzel auf dem Kopfstück, der den Hausfrauen-Ablehnungsfaktor hochschnellen ließ und die Idee der Koax-Punkschallquelle immer wieder auf den Kopf stellte, ist nicht mehr nötig. Das Entwickler-Team um Dr. Andrew Watson züchtete für den neuen Koax einen Hochtöner, der sensationelle 40000 Hertz erreicht. Zudem gestaltete Doc Watson die Membranform des umgebenden Mitteltöners noch ein wenig flacher.

Fast 20 Jahre forscht KEF nun schon am Uni-Q. Der Vorzug der koaxialen Punkschallquelle war immer zu hören, und das patentierte KEF-Chassis wurde von Generation zu Generation immer offener und natürlicher.

Die Kalotte ist der Star des neuen Uni-Q. Sie reicht bis fast 40 kHz. Der Vorgänger 203 brauchte dafür noch einen Superhochtöner...
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© Julian Bauer
Die Kalotte ist der Star des neuen Uni-Q. Sie reicht bis fast 40 kHz. Der Vorgänger 203 brauchte dafür noch einen Superhochtöner...

Nur der prinzipbedingt gern auftretende näselnde Trichterklang war bei allen Stufen zu hören.

Bis jetzt. Im Vergleich zur alten 203 machte die neue so gut wie alles besser. Allein schon die klare Stimmenwiedergabe: stereoplays audiophile Pop-CD vom März mit Holly Cole ist eine herrliche Einspielung, und mit der KEF klang sie schlichtweg sensationell. Wie deutlich umrissen Holly im Raum stand, wie klar und doch geschmeidig die 203/2 das charismatisch-rauchige Organ in Szene setzte – Wahnsinn. Die Aufnahme lebt auch durch feinste Hintergrundgeräusche, und es war alles zu hören – bis hin zum letzten feinen Öbertönchen. Der Spaß verflog beim Umschalten auf den Vorgänger: Natürlich ist der jahrelange stereoplay-Favorit immer noch ein toller Lautsprecher mit fantastischen Allround-Eigenschaften.

Doch im direkten Vergleich wirkte die alte – tonal sehr ähnliche – 203 trotz Superhochtöner fast schon bedeckt. Fünf Jahre sind in der Lautsprecherentwicklung eine lange Zeit. Wer es nicht glaubt, sollte diese beiden KEFs nebeneinander hören. Die alte ist für die neue keine Gegnerin mehr.

Auf engstem Raum: Der integrierte Hochtöner des neuen Uni-Q hat ein dreiteiliges, ventiliertes Neodym-Magnetsystem (1) und eine besonders leichte Titan-Kalotte (2), die durch ein Gitter (3) gegen äußeren Druck gesichert ist.
Auf engstem Raum: Der integrierte Hochtöner des neuen Uni-Q hat ein dreiteiliges, ventiliertes Neodym-Magnetsystem (1) und eine besonders leichte Titan-Kalotte (2), die durch ein Gitter (3) gegen äußeren Druck gesichert ist.

Aber die 803 D von B&W (2/05, 60 Klangpunkte). Mit ihren drei Tieftönern bot sie der KEF bei derben Bass/Snaredrum-Attacken (Yuri Horning, „Walking On The Moon) locker Paroli. Und B&W’s Diamant-Hochtöner hat Vorzüge, die von herkömmlichen Kalotten nicht zu toppen sind: völlige Mühelosigkeit, unaufgeregte Feinauflösung, absolute Natürlichkeit. Doch trotz ihrer Stärken an den Frequenzband-Enden ging die B&W nicht als klarer Sieger vom Platz. Die KEF zeigte bei Beethovens Klaviersonate No. 21(Titel-CD von stereoplay 6/06) mehr Leuchtkraft und Ausdruck. Den Hörtestern schien die KEF trotz penibler Einpegelung immer ein bisschen lauter – ein Hinweis auf höhere Feindynamik-Fähigkeiten.

Ein kleines „Aber" hat auch die neue 203. Ihr Bassbereich ist ähnlich der alten 203 bärig-wuchtig und erreicht ungehemmt höhere Disco-Pegel. Doch die Anbindung an den eleganten und ungemein feinsinnig-präzisen Uni-Q ist bei der 203/2 nicht hundertprozentig stimmig; das ist Dr. Watson beim nächstgrößeren Modell 205/2 (10000 Euro) besser gelungen. Den nicht immer ganz sauberen Tiefton der 203/2 bekommt man aber durch Verstärker mit hoher Basskontrolle gut in den Griff.  Wir haben – natürlich – beste Erfahrungen mit unseren Referenz-Monos Thorens TEM 3200 gemacht. Aber auch an einem kleineren Verstärker wie dem Creek Destiny  (2/06) spielte die 203/2 fantastisch.

Dazu ein persönliches Wort: Mit der 203/2 habe ich auf altbekannten Hörtest-Scheiben Details entdeckt, die selbst erheblich teurere Schallwandler nicht entblättern können. Und dabei spielte sie nie aufdringlich oder vordergründig. Wenn dann so viel klangliche Eleganz auch noch in so edlen Gehäusen daherkommt, dann das ist nicht nur aller Ehren, sondern auch ein dickes Highlight wert.

Alle Daten und Testergebnisse zum KEF Reference 203/2

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