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Testbericht Im Test: Netzwerk-Player NAD C-446

Mit ihrem ersten Netzwerk-Gerät haben sich die Entwickler bei NAD Zeit gelassen. Nun müssen sie gegen umso stärkere Konkurrenz antreten – der C-446 (800 Euro) soll zeigen, dass sich das Warten gelohnt hat.

NAD C 446

Hersteller
NAD
UVP
800 €
Wertung
100.0 Punkte
Testverfahren
1.0

 Auch wenn AUDIO ihn als Netzwerkspieler begreift und testet, sieht NAD den C-446 doch lieber als „FM/AM/DAB/Media Tuner“ – man gewinnt fast den Eindruck, die für ihr gutes Preis-Klangverhältnis berühmte Firma würde die neue Dimension an Qualität, Freiheit und Vielfalt, die der ­Zugang zu Heimnetzwerk und Internet ermöglicht, am liebsten erstmal nicht zu lautstark propagieren.

Dabei verblassen nicht nur FM (also klassisches UKW-Stereo mit RDS) und AM (Mittelwelle, Mono und in Deutschland brachliegend) neben den Tausenden Sendern, die das World Wide Web in teils überragender Qualität hereinholt. Auch der digitale Tiefbahnhof DAB – hier selbstverständlich in seiner „modernen“ Inkarnation DAB+ verwirklicht – hat gute Chancen, im Schatten der Web-Konkurrenz zum klassischen Weißen Elefanten zu avancieren: In neue Dimensionen dürfte hier vor allem die öffentlich-rechtliche Geldverschwendung vorstoßen.

Auf Empfang: Seinem Marantz-Konkurrenten hat der NAD ein eingebautes WLAN voraus, die zweite (Teleskop-) Antenne fischt nach DAB-Signalen. Mit zusätzlichen Digitaleingängen kann der 446 nicht dienen, ein digitaler Ausgang steht nur im optischen TOSlink-Format zur Verfügung. © Archiv
Auf Empfang: Seinem Marantz-Konkurrenten hat der NAD ein eingebautes WLAN voraus, die zweite (Teleskop-) Antenne fischt nach DAB-Signalen. Mit zusätzlichen Digitaleingängen kann der 446 nicht dienen, ein digitaler Ausgang steht nur im optischen TOSlink-Format zur Verfügung.

Trotzdem ist es natürlich gut, wichtig und richtig, dass der NAD medial so breit wie möglich aufgestellt ist. Hätte im Hörraum die Feldstärke für seine ­Teleskopantenne ausgereicht (was sie wegen der Betonwände aber nicht tut), wären immerhin ein gutes Dutzend DAB-Sender in tadelloser Klangqualität zu genießen gewesen.

Um der Myriaden von Internetradio-Stationen einigermaßen Herr zu werden, braucht man ­dagegen schon Computerhilfe: am besten meldet man sich mit der MAC-­Adresse (quasi dem elektronischen Nummernschild) seines C-446 auf der Website des Radio­dienstleisters vTuner an und baut eine Favoritenliste ganz nach eigenem Geschmack – die dann umgehend unter dem Punkt „Favoriten“ im Menü des C-446 erscheint.

Während vTuner freies Internetradio liefert, kann der 446 über einen eigenen Menüpunkt auch auf das personalisierte Web-Radio last.fm zugreifen, das nur noch am PC kostenlos ist, auf Hardware-Plattformen wie dem NAD dagegen ein Abo für drei Euro im Monat erfordert. Für Vielhörer ist das durchaus lohnend – die Verbindung aus sozialem Netzwerk, ­Musikstreaming und einem raffinierten, laufend dazulernenden Empfehlungssystem macht regelrecht süchtig.

Unter der Abschirmhaube am rechten Rand der Hauptplatine verbirgt sich der Jupiter6-Chipsatz von Frontier Silicon, der Streaming, Internetradio und DAB auf einem Board vereint. Ganz rechts das durchaus seriöse Analogtuner-Modul, am linken Bildrand das Schaltnetzteil. Die Audioabteilung mit Burr-Brown-Wandler und Ausgangsstufen befindet sich links neben dem Streaming-Hangar © MPS
Unter der Abschirmhaube am rechten Rand der Hauptplatine verbirgt sich der Jupiter6-Chipsatz von Frontier Silicon, der Streaming, Internetradio und DAB auf einem Board vereint. Ganz rechts das durchaus seriöse Analogtuner-Modul, am linken Bildrand das Schaltnetzteil. Die Audioabteilung mit Burr-Brown-Wandler und Ausgangsstufen befindet sich links neben dem Streaming-Hangar
Womit wir bei dem echten On-Demand-Dienst Napster wären, der beim 446 leider fehlt – wer weiß, vielleicht ermöglicht ja ein zukünftiges Software-Update den (mit zehn Euro im Monat allerdings nicht ganz billigen) Zugriff auf das viele Millionen Songs starke ­Internet-Musikarchiv. Das Update könnte nebenbei auch den aktuell im Text­eingabe-Zeichensatz fehlenden Unterstrich nachliefern, ohne den sich beispielsweise der Autor, dessen User­name ein “_“ enthält, nicht bei last.fm anmelden kann.

Und bevor jemand nach AirPlay fragt: Das geht wegen entsprechender Apple-Deals aktuell nur mit der Streaming-Hardware von BridgeCo, die NAD freilich nicht verwendet. Was AUDIO aber gar nicht stört, da Airplay zwar ganz nett, aber nicht wirklich überlebenswichtig ist. Und weil beim NAD im Gegenzug das klassische, universelle und damit wichtigere UPnP-Streaming übers Heimnetzwerk besser funktioniert als bei der AirPlay-gläubigen Konkurrenz: Egal, von welchem Serverprogramm auf PC, NAS oder Mac die Musik angeboten wird, der C-446 saugt sie sich zuverlässig und vor allem ohne lästige Schluckpausen zwischen den einzelnen Tracks aus dem Netzwerkkabel oder WLAN.

Eine Verdi-Oper lässt sich also ohne Dropouts an den fliegenden Szenenwechseln durchhören wie die Original-CD, nichts stört den Übergang zwischen „Breathe“ und „On The Run“ auf der legendären „Dark Side Of The Moon“, und niemand knipst ausgerechnet an den ekstatischsten Stellen von Carl Craigs DJ-Mix „Sessions“ – wenn ein Track per Crossfader in den folgenden mutiert – sekundenlang den Ton aus.

Der Jitter des NAD C-446 ist mit 800ps etwas zu hoch. © AUDIO
Der Jitter des NAD C-446 ist mit 800ps etwas zu hoch.
Da kann der preislich vergleichbare ­Marantz NA-7004 den Hörraum noch so sexy und charmant mit Musik füllen – sein Trackwechsel-Interruptus geht zwar nicht direkt in die Klang­note ein, lässt ihn aber neben dem NAD zumindest für Hörer von Konzept-, Live-, Mix- oder Opernalben zur zweiten Wahl werden.

Das Audiosignal ist sehr klirr- und rauscharm (Störabstand 105dB) © AUDIO
Das Audiosignal ist sehr klirr- und rauscharm (Störabstand 105dB)
Tonal wirkt der C-446 etwas schlanker und heller als der Marantz NA-7004, was Geschmackssache ist: Einerseits wäre etwas mehr Körper bei der einen oder anderen Platte schön, andererseits läuft der betont straff organisierte NAD dadurch nie Gefahr, wie sein Marantz-Kollege gelegentlich allzu wollig-strukturlos dazustehen.

Etwa bei „John Taylor’s Month Away“ aus der exzellent klingenden „Diamond Mine“ von King Creosote und Jon Hopkins (Domino Records, WAV-Download): Via Marantz geht die erste Häfte des Stücks mehr zu Herzen – wo man allein ist, nur mit Stimme, Hafenatmosphäre, einer Gitarre und wenig mehr. Dann setzen Jon Hopkins’ Synthiebässe ein. Und man würde ­eigentlich lieber mit dem NAD weiterhören, weil dort die Tiefton-Wucht weniger auf die Vocals abzufärben scheint.

Beim nächsten Trackwechsel kommt ein weiteres Argument hinzu: Die sieben Tracks von „Diamond Mine“ fließen, eingebettet in Vogelzwitschern, Meeresrauschen und Alltagsgeräusche einer ­schottischen Kleinstadt, ohne Pausen direkt ineinander – ein klassischer Gapless-Fall.

So fällt die Wunschliste an die NAD-Entwickler im Streaming-Alltag relativ kurz aus: Schön wären Abtastraten bis wenigstens 96kHz (aktuell spielt der 446 keine HD-Files), eine noch schnellere Scroll-Stufe für lange Server-Listen, sowie natürlich NAD-Bedienungs-Apps für die beliebten Touchscreen-Spiel­zeuge von Apple bis Android.

Alle Daten und Testergebnisse zum NAD C 446

 
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