Testbericht German Physiks HRS 120 im Test
Gesamturteil: gut - sehr gut
Preis/Leistung: überragend
- +Einzigartiges Rundstrahlkonzept
- +Sehr gute Klangleistung bei Live-Aufnahmen
- +Weite Abbildung, große Harmonie
Mit nur zwei Lackvarianten bleibt die Designauswahl jetzt überschaubar, auch wird die Box exklusiv in Deutschland vertrieben. Zudem arbeitet die grazile oktagonale Klangsäule mit der günstigeren Carbon-Variante des DDD-Treibers. Gegenüber der Titan-Variante ist die Kohlefaser belastbarer und schneller, erklärt Inhaber Holger Müller. Anders als bei traditionellen Chassis ist die trompetenförmig geweitete Membran kopfüber aufgehängt und wird nach dem Impuls von der Zentrierspinne in Richtung Kopfplatte zurückgeführt.
Konstruktion und Innenaufbau
Das geschlossene achteckige Gehäuse des German Physiks HRS 120 besteht aus verschiedenen, zum Teil zementgebundenen MDF-Sorten. Umlaufende Multiplexringe versteifen die Wände zusätzlich. Auf das obere Volumen greift der DDD-Wandler zu. Im unteren Volumen arbeitet ein Helmholtz-Resonator störende Dröhnreste ab, die unweigerlich aufgrund der Längsresonanz in größeren Volumina entstehen.
© Hersteller / Archiv
Alle Wände sind mit einem hochverdichteten, 1 cm starken Filz verklebt, um eine gleichmäßige Dämmung und Bedämpfung zu erreichen. Eine weitere dämmende Schicht besteht aus dem sogenannten Hawaphon. Die hier enthaltene Zellmatrix aus Stahlkugeln wandelt auftretende Vibrationen in Wärme um, womit ein Schalldämmwert von bis zu 50 db erzielt wird. Im Sockel finden sich die acht Austrittsöffnungen für den Downfire- Bass.
Vom Kolben zur Biegebewegung
German Physiks setzt auf das seltene Prinzip der Biegewellen, wobei der DDD-Wandler eine Misch-Variante darstellt und erst mit zunehmender Frequenz von einer kolbenförmigen in eine Biegebewegung wechselt.
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Vorstellen kann man sich das mit dem berühmten Steinwurf ins Wasser: Die durch den Impuls erzeugte Welle breitet sich gleichmäßig in alle Richtungen aus. Bis diese Wellenenergie einmal versiegt, dauert es allerdings ein Weilchen; im Wasserfalldiagramm beruhigt sich die Schwingung deshalb auch nicht sofort wieder. Mit den ungebändigten Resonanzen von rein kolbenförmig abstrahlenden Chassis hat das aber herzlich wenig zu tun. Reflexionen an der Kopfplatte werden sogar gezielt in die Abstrahlung eingebunden, erklärt Müller. So entsteht zusätzliche akustische Energie im Hochtonbereich.
Enorme Bandbreite
Müllers „Dick Dipole Driver“ ist in der Lage, einen sehr weiten Frequenzbereich abzudecken, in der Unicorn läuft er ohne Bassunterstützung. In der HRS 120 entlastet ihn ein 25er-Bass im bewährten Downfire-Prinzip; die Längsresonaz im länglichen Gehäuse unterdrückt ein Helmholtz-Resonator. Sorgfalt lässt Holger Müller auch bei der Elektronik walten. So werden alle Weichen vor dem Einbau strombelastet und die Bauteilewerte nachträglich angepasst.
Große Harmonie
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Hinzu kommt das Erlebnis einer weiten Abbildung, in der zwar nicht alles zentimetergenau platziert ist, aber ein realistischer Raum geschaffen wird. Der Anschlag der dreisaitigen Shamisen benötigt jedoch eine kräftige Dosis Energie im Präsenzbereich. Hier zeigt der DDD-Wandler seine volle Flexibilität und holt das feingliedrige Gitarreninstrument klar nach vorne.
Raumhören
Die Aufstellung verlangt ein wenig Sorgfalt. Immerhin gibt es durch den hohen Anteil an Diffusschall eine intensive Wechselwirkung mit den Zimmerwänden. Nach ein wenig Aufstellungsoptimierung und verkürzter Abbhördistanz singt Johnny Cashs brüchige Stimme auf „American V“ mit größerer Substanz und Intimität. Das Besondere an der German Physiks: Man kann aufstehen und einmal um die Box herumlaufen; die Aufnahme funktioniert genauso gut in die andere Richtung. Freie Aufstellung ist also nicht nur erlaubt, sondern Teil des Konzepts.
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Auch wenn eine punktgenaue, präzise Raumstaffelung nicht die große Stärke des DDD-Wandlers ist: Mit Live-Aufnahmen zeigt er seine wahren Talente. Monty Alexanders „The Good Life“ entsteht scheinbar direkt im stereoplay-Hörraum, und Bachs Ouvertüren reproduziert das Freiburger Barockorchester hier mit einer Grosszügigkeit, die erstaunlich dicht an das reale Konzertereignis heranreicht.
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Doch geht auch ein kleiner Vollverstärker? Ja. In den meist relativ unbedämpften Wohnräumen bringen die üblichen Raumreflexionen noch bis zu 6 Dezibel zusätzliche Schallenergie, was den akustischen Wirkungsgrad deutlich erhöht. Dann passt selbst der gar nicht so kräftige, aber grandios klingende Creek-Destiny-Verstärker – eine wirklich runde Sache!