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Radialstrahler German Physiks Borderland MK IV-D im Test

Rundstrahler spalten die Boxen-Liebhaber in zwei Lager – manche lieben sie, andere wollen nicht mal in ihrer Nähe sein. Die Borderland MK IV-D von German Physiks, die nur in Deutschland erhältlich ist, könnte selbst Kritiker überzeugen.
German Physiks Borderland MK IV-D 10
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© Julian Bauer, MPS

German Physiks Borderland MK IV-D
Klangurteil: 99 Punkte
Preis/Leistung:Sehr gut
  • +lebhafter Klang mit enorm räumlicher Abbildung
  • +satter, kontrollierter Bass
  • +Konstruktion und Verarbeitung top

Schließen Sie für einen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, in der ersten Reihe eines Konzertsaals zu sitzen. Sie hören, wie sich die Musiker vorbereiten, ihre Notenblätter ordnen oder vielleicht ein letztes Mal die Stimmung ihrer Instrumente prüfen. Der Maestro betritt mit strammem Schritt die Bühne, zählt nach kurzer Pause ein, und schon erfüllen die ersten Klänge den Raum.

Keine Sorge: Hier handelt es sich nicht um einen neuen AUDIO-Meditationskurs! Vielmehr beschreibt diese Einleitung das Gefühl vieler HiFiisten beim Musikhören mit Rundstrahlern. Besonders Klassik-Liebhaber gehören zu den eingefleischten Verfechtern der Treiber-Gattung und sagen ihr eine enorm räumliche Bühnenabbildung nach. Die Kehrseite der Medaille, so die Meinung der Gegner: eine schwammige Abbildung der Instrumente, gepaart mit schlechtem Wirkungsgrad.

Rundstrahler: Borderland MK IV-D

Ein Hersteller aus Deutschland wehrt sich seit Jahren gegen diese Vorurteile: German Physiks. Unser Proband, die Borderland MK IV-D, ist das naheliegendste Entrée in die Biegewellen-Welt des Maintaler Unternehmens. Die Box wird seit 1992 produziert und war auch das erste Serienmodell von German Physiks. Das Kürzel „D“ im Namen kennzeichnet eine spezielle Version, die nur in Deutschland verkauft wird.

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Anders als ihr auch für den Export vorgesehenes Pendant, das mit wunderhübschen – und teuren – Edelholz-Furnieren auftritt und immer nur paarweise auf Bestellung gebaut wird, präsentiert sich die D-Ausführung mit zwei Farben (Weiß und Schwarz, jeweils hochglanz oder matt) gediegen einfach. Durch größere Stückzahlen und die eingesparten Vertriebskosten konnte German Physiks den finanziellen Aufwand deutlich senken, was sich letztlich im Preis der D-Version niederschlägt.

German Physiks Borderland MK IV-D 10

Bei der internen Verkabelung setzt German Physiks auf Stränge mit ordentlichem Querschnitt. Sie sind fest mit dem WBT-Terminal verlötet.

Aufbau

An der Entwicklung der Borderland MK IV-D hat das Maintaler Unternehmen nicht gespart. Nach wie vor ist es die Firmenphilosophie, einen absolut natürlichen Klang zu erschaffen. Hauptverantwortlich dafür soll der DDD-Wandler sein, den Ingenieur Peter Dicks („DDD” steht für Dicks Dipole Driver) entwickelt und zusammen mit Firmenchef Holger Müller über die Jahre verbessert hat.

Der vertikal verbaute DDD-Wandler ähnelt optisch einem klassischen Kolben-Antrieb, der Schallwellen durch eine gemeinsame Bewegung der Schwingspule und der Membran erzeugt. Genau dieses Arbeitsprinzip nutzten beispielsweise die legendären Walsh-Wandler, die in den Lautsprechern des amerikanischen Herstellers Ohm ihren Dienst verrichteten. Der DDD-Wandler in der Borderland geht jedoch einen Schritt weiter: Mit zunehmender Frequenz ändert sich das Prinzip der Schallwellen-Erzeugung von dem eines Kolbenantriebs hin zur Entstehung von Biegewellen.

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Dazu leitet die Schwingspule Energie an den 0,15mm dünnen Carbonfaser-Konus und versetzt diesen in eine horizontale Bewegung. Das rückseitige Anschlussterminal bietet neben zusätzlichen Buchsen für den Bi-Amping-Betrieb auch ein Steckfeld, mit dem man die Lautstärke des Hochtons anpassen kann. Mittels eines Jumpers lässt sich somit der Pegel oberhalb von 7kHz in 2dB-Schritten (zwischen –2dB und +4dB) dem eigenen Geschmack – und noch viel wichtiger – der Raumakustik anpassen.

Rundstrahler funktionieren in lebendigeren Räumen besonders gut – allzu trocken darf das Wohnzimmer daher nicht klingen. Falls doch das eine oder andere Quäntchen Frische fehlt, kommt eben diese Hochtonanpassung zum Einsatz, die das in gewissem Maße kompensieren soll. Die Pegelanpassung erfolgt dabei nicht etwa mit Kondensatoren, sondern mit Spulen, die das Signal auf der Weiche entsprechend umleiten. Für den Bereich unterhalb von 190Hz ist ein 30cm-Woofer zuständig, der im Downfire-Prinzip den Schall nach unten abstrahlt (derselbe Typ arbeitet auch im Topmodell „Loreley”). Da man bei German Physiks eine knackigere Basswiedergabe bevorzugt, soll ein aufwendig in das Gehäuse integrierter Helmholtz-Resonator die Bassgüte kontrollieren. Dieser wurde auf 240Hz getrimmt und in seinem Inneren wiederum akustisch optimiert, damit keine Eigenresonanzen entstehen.

Akustische Optimierung war generell eine wichtige Vorgabe bei der Entwicklung: Das Gehäuse aus einer Kombination von 38mm starkem MDF für die Seitenteile und Multiplex für die inneren Versteifungen soll besonders steif und vibrationsarm sein. Ein akustisch isolierendes Material („Hawaphon“) füllt zusätzlich die Innenwand der oktagonalen Box. Und darauf hat man dann noch Akustik-Filz gelegt.

Hörtest

Die eingangs erwähnten Kritikpunkte, die manche HiFi-Fans einem Rundstrahler attestieren, dürften sich spätestens nach den ersten paar Takten Musik in Wohlgefallen auflösen. Denn so, wie die Borderland im Hörraum aufspielte, forderte sie konventionelle Direktstrahler ernsthaft heraus. Ungemein akkurat in der Abbildung der Instrumente, vermochte die German Physiks selbst Pegel jenseits von Gut und Böse zu bedienen. Was Verstärker angeht, erwiesen sich beispielsweise der Symphonic Line RG 10 oder der nagelneue Accuphase E 260 als passende Signalgeber. Der AVM Evolution A 5.1T vertrug sich – vielleicht auch wegen seiner enorm hohen Leistung – perfekt mit der Borderland.

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Besonders der kontrollierte, zugleich markerschütternd tiefe Bass ließ die Tester anerkennend mit dem Kopf nicken. Beim Eagles-Klassiker „Hotel California” imponierten im Intro der Studio-Version die strammen Drums so sehr, dass einige Kollegen das berüchtigte Luftschlagzeug-Fieber packte – sehr schön, so muss das sein! Für den akustisch ohnehin lebendigen AUDIO-Hörraum erwies sich die „Flat“-Einstellung an der Weiche als die optimale: Tonal vollkommen ausgewogen, beeindruckten dann besonders Hallfahnen und Stereo-Effekte mit ihrer unverschämt genauen Abbildung. „Because“ von der Beatles-Platte „Love“ entfaltete sich groß und natürlich, man konnte meinen, den Fab Four mitten in einer Kathedrale zu lauschen.

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Wegen der hohen Position des DDD-Wandlers wirkten einige Instrumente in der räumlichen Darstellung eine Idee zu weit oben. Bei Stücken mit minimalistischer Instrumentierung wie etwa „Capriccio“ von Brad Mehldaus Album „Highway Rider“ wirkten die Musiker stellenweise, als würden sie von einer kleinen Empore herab spielen. Das legt sich jedoch mit zunehmendem Hörabstand – kein Wunder, passt German Physiks den Klang der Borderland MK IV doch für Entferungen von mindestens 2,5 Metern an. Sollen die Lautsprecher doch näher am Hörer stehen, müssen sie lediglich etwas enger zusammenrücken; das brachte die Abbildung wieder ins Lot. Dann tönte das Wechselspiel zwischen Mehldaus Klavier und dem rhythmischen Flamenco-Klatschen präzise und differenziert, zugleich wirkte die Musik luftig und vollkommen losgelöst.

Fazit

Vorurteile gegenüber Radialstrahler kann die Borderland wiederlegen. Sehr gut gefielen ihre staubtrockenen Bässe und die detailreichen Höhen. Als Coax-Fan könnte man sich an diesem Wandlerprinzip jedoch etwas schwer tun.

 
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