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Testbericht Funk Little Super Deck im Test

Das Little Super Deck von Funk Firm ist schon ab 1.200 Euro zu haben. Was kann man von dem Plattenspieler erwarten?
Funk Little Super Deck
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© MPS, Archiv

Funk Little Super Deck
Klangurteil: 93 Punkte
Preis/Leistung: Überragend
  • +fabelhaft lebendiger, dynamischer Klang
  • +Arm trägt auch hochwertige MCs kompetent

Die britische Funk Firm mag zwar nicht der größte Plattenspieler-Hersteller sein, gehört aber auf jeden Fall zu den originellsten. Entwickler Arthur Khoubesserian schert sich bei seinen Konstruktionen wenig darum, ob der resultierende Spieler den alten Technik-Dogmen entspricht oder nicht. Wenn er jedoch – gelegentlich eklatant – von klassischen Baumustern abweicht, dann weiß er das stets gut zu begründen.

Funk Little Super Deck: Aufbau

Gemessen an den größeren Funk-Modellen und auch an den Spielern der in den späten 90er Jahren untergegangenen Vorgängerfirma Pink Triangle sieht das Little Super Deck fast schon konventionell aus. Bis man die serienmäßige Filzmatte vom Glasteller nimmt und darunter einen dreimotorigen Antrieb auszumachen glaubt – der sich bei genauerer Betrachtung aber als Kombination aus einem Motor und zwei Umlenkrollen entpuppt. Der rundherum laufende Flachriemen treibt den Innenteller dadurch gleichmäßig an drei Seiten an.

Diese „Vector Drive“ getaufte Anordnung soll in Kombination mit einem bewusst spielbehafteten Tellerlager (dessen Buchse nach unten etwas weiter wird) für eine geschmeidigere, ruhigere Drehbewegung sorgen. Das saubere Rumpelspektrum und die sehr schmale Gleichlauf-Spitze (siehe Messlabor) scheinen diesem Ansatz schon mal nicht zu widersprechen. Funk- wie Pink-typisch ist auch Art und Platzierung des Motors. Khoubesserian gehörte in den frühen 90ern zu den ersten und energischsten Verfechtern von Gleichstrommotoren – klar, dass auch auf dem LSD ein solcher rotiert. Versorgt wird er von einer in der Zarge integrierten Motorsteuerung, die über zwei von unten erreichbare Trimmpotis einen exakten Abgleich der beiden verfügbaren Drehzahlen erlaubt.

Funk Little Super Deck

Die Motorachse sitzt links vorne und bildet mit den Umlenkröllchen ein gleichseitiges Dreieck.

Ebenfalls klar, dass der Motor nicht wie sonst üblich hinten links auf dem Chassis sitzt, sondern vorne links. Auf den ersten Blick ist das gehupft wie gesprungen. Da jedoch bei klassischer Montage die Motorkraft nahezu exakt im rechten Winkel zur Tonabnehmerachse übertragen wird, haben allfällige Störungen auf diesem Weg die besten Chancen auf eine direkte Verwandlung in Signalmodulationen. Von vorne links dagegen wirken die Kräfte praktisch in Rillenrichtung – mit erheblich geringerem Einfluss aufs Nutzsignal.

Funk Little Super Deck: Tonarm

Gekrönt wird der britische Spieler vom Tonarm F5, der im Gegensatz zu bisherigen Funk-Armen auch keine Verwandtschaft zu Großserien-Vorbildern erkennen lässt, sondern eine komplette Eigenkonstruktion ist. Spielfrei, verwindungssteif und geschmeidig in der Schwenkbewegung, ist dieser Arm angesichts des Spieler-Gesamtpreises von verblüffender Güte und mühelos fähig, auch deutlich anspruchsvollere Führungsaufgaben zu übernehmen, als sie das serienmäßig montierte Ortofon OM10 verlangt. Der Autor würde als ersten Tausch ein Goldring Elite (alias Transrotor Merlo) oder ein Ortofon 2M Blue respektive Bronze (je nach Geldbeutel) empfehlen.

Funk Little Super Deck: Hörtest

Wie gerade solche eher seidig-unauffällig abgestimmten und an Durchschnitts-Spielern oft zur Unverbindlichkeit neigenden Systeme mit dem Funk an Grip und Durchzeichnung gewannen, war schlicht verblüffend und weit jenseits dessen, was man von einem 1.200-Euro-Spieler zu erwarten wagt. Den fülligen Bass des Goldring-MC machte der LSD dabei nicht einfach nur schlanker, sondern zugleich auch effektiver.

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Statt Signalenergie einfach verschwinden zu lassen und im Stil schlechter Masselaufwerke einen präzisen, aber letztlich kraftlosen Sound zu erzeugen, schien der Funk die Bass-Hügel zu kompakteren, kernigeren Projektilen zu verdichten, die im Zusammenspiel mit dem sehr detailreichen, lebendigen Mittelhochtonbereich wunderbar anregend auf den Zuhörer einprasselten. „Timing“ wird hier mindestens genauso groß geschrieben wie bei den für diese Qualität notorischen Regas. Optimieren lässt sich der Klang noch, wenn man statt Filz die optionale Achromat-Tellerauflage verwendet und die verstellbaren Gummifüßchen mit den Magnesiumpucks des Funk-Vertriebs Black Forest Audio unterlegt – passenderweise ist beides als Set für faire 100 Euro Aufpreis erhältlich.

Fazit

Der Funk ist kein Spieler, bei dessen Anblick anhnungslose Besucher reflexartig auf die Knie fallen. Funk-Kunden brauchen etwas Selbstbewusstsein und müssen ihren Sinnen vertrauen – dann kommen sie mit dem LSD extrem weit.

 
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