Standlautsprecher Franco Serblin Ktêma im Test
Gesamtwertung: überragend, 91 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
- +revolutionäres Abstrahlkonzept
- +dynamisch sehr ansprechender Klang
- +holografisch genaue Projektion
Doch Serblins Standlautsprecher Ktêma sollte nicht als Design-Objekt missverstanden werden: Die ungewöhnliche Formgebung ist Teil eines ausgeklügelten akustischen Konzepts, welches nicht nur das Gehäuseinnere optimiert, sondern auch die Schallabstrahlung in den Raum.
Franco Serblin Ktêma: Aufbau
Die Grundform mag uns rätselhaft erscheinen. Und doch entspringt sie einem seriösen Ingenieursansatz. Wenn man jede Wand für sich betrachtet, erinnert sie an die gebogene Form eines Staudammes. Dies stabilisiert die Wände, immunisiert sie gegenüber Resonanzen im Material, wirkt aber auch positiv auf das Luftvolumen, das der Lautsprecher umschließt. Die drei gebogenen Schalen der Ktêma vermeiden parallele Wände und verhindern so stehende Wellen; zwischen Boden und Deckel wirken eingezogene Verstrebungen.
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Noch ein praktischer Aspekt wirkte auf die Form ein: Lautsprecher mit großen Basschassis, in diesem Falle zwei 9-Zoller, sind in Tiefbass und Dynamik einfach überlegen. Doch baut man eine Schallwand so breit, dass sie diese Woofer aufnimmt, bekommt man automatisch im Mittelhochton Probleme mit Kantenreflexionen und eine Bündelung in Halbraumcharakteristik, die im Raum nachteilig sein kann. Deshalb verbannte Meister Serblin die beiden Boliden auf die Rückseite und konnte so an der Front das Ideal einer säulenförmig schmalen Box realisieren, welche die beiden nur zehn Zentimeter kleinen Mitteltöner und die 28 Millimeter große Seidenkalotte in einer eigenen, massiven Aluminium-Schallwand aufnimmt.
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Doch auch eine schmale Schallwand weist Nachteile auf: Speziell im Mittelton ist die Schallabstrahlung zu breit, annähernd kugelförmig, weshalb solche Boxen im realen Raum oft zu massig und dunkel klingen. Serblin ersann deshalb eine seitliche Öffnung neben den Mitteltönern, die über einen akustischen Fließwiderstand und den rückwärtig abgestrahlten Schall gezielt phasenverschobene Signale erzeugt und so eine Bündelung des Mitteltöners erreicht, ohne dass hierfür Hörner, Schallführungen & Co. ins Geschehen eingreifen müssten.
Zugleich wird eine der beiden baugleichen Konen mit Grundton-, eine mit Mittelton-Signalen beschickt. Damit spielt die Ktêma im ortungsrelevanten Bereich praktisch wie ein Zweiwege-Mini-Monitor und nähert sich dem Ideal der Punktschallquelle an. Damit nicht genug: Im Bass strahlen herkömmliche Boxen den Schall immer kugelförmig ab, in realen Räumen dröhnt es dann oft. Die Ktêma richtet den Tiefton nicht selbst, sorgt jedoch mit der rückwärtigen Druckkammer und der maximal in Höhe und Breite ausgedehnten Schallabstrahlung für eine gleichmäßige Anregung des Raums und damit eine effektive Unterdrückung der Resonanzen.
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Franco Serblin Ktêma: Hörtest
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Eine B&W 800 Diamond tönt gewiss etwas seidiger, eine KEF Blade insgesamt wärmer. Dafür müssen diese beiden hinter dem Timing und der dynamischen Ansprache der Serblin zurückstehen. Chris Jones’ „No Sanctuary Here“ tönte voll und voluminös, trotzdem federnd leicht, der Hörtest-Klassiker „Tricycle“ (Flim & The BB’s) offenbarte schon bei normalen Lautstärken einen Spielwitz und rhythmische Schattierungen, die mit anderen Lautsprechern allzu oft in plumpem Geprotze mit Pegel untergehen.
Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen
Wer die direkte Dynamik eines Horns schätzt, aber die Nachteile scheut, für den markiert die Ktêma eine neue Bestmarke auf der Liste der Alternativen. Eine der Schönsten ist sie ja ohnehin.
Geschichte und Geschichten - Franco Serblin
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