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Streaming-Vollverstärker Electrocompaniet ECI 6 DS im Test

Eine geradezu fantastische Vorstellung: ein ausgereifter Vollverstärker, der nicht nur highendig agiert, sondern zu alledem aus eigenen elektronischen Kräften auf das bestklingende Musikmaterial der digitalen Welt zugreifen kann. Electrocompaniet lässt diesen Traum mit dem ECI 6 DS Wirklichkeit werden.

Eelectrocompaniet ECI 6 DS
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© Hersteller/Archiv

Eelectrocompaniet ECI 6 DS
Klangurteil: 102 Punkte
Preis/Leistung: gut

  • +klingt nach Großverstärker-Art bei kleinen wie größten Pegeln immer fein und äußerst kultiviert

Immer wieder schön, der Geschichte von Electrocompaniet zu gedenken. Wie sie 1973 mit einem Vortrag des Verstärkerprofessors Matti Otala über transiente Höhen-Verzerrungen begann. Und wie dann eine norwegische „Companiet“ von HiFi-Enthusiasten ihren Otala-gerechten Amp realisierte – der dann in den USA höchste Preise kassierte und den kein Geringerer als Michael Jackson als äußerst musikalisch empfand.

Als später das CD-Format mit seinen Frequenzgangbeschränkungen auf 20 Kilohertz aufkam, gab es zwar keine direkte TIM (Transienten-Intermodulation) mehr zu befürchten. Im Zusammenspiel des Verstärkers mit komplexen Lasten droht aber auch heute noch akustisch ungünstiges Verzerrungsdurcheinander – wie die AUDIO-Messungen zur „Klirrstabilität“ belegen. Deshalb sind die Bemühungen, den Verstärker sehr impulsschnell auszulegen und auf lange (langsame) Gegenkopplungsschleifen zu verzichten, nach wie vor nicht von der Hand zu weisen.

Electrocompaniet ECI 6 DS: Aufbau

So heißen in EC-Amps fixe Einzeltransistoren die Signale willkommen. Für die Eingangsposten des ECI 6 DS haben die Norweger sogar extra reaktionstüchtige, Röhrentrioden ähnelnde Junction-Feldeffekt-Typen rausgesucht. Und zwar zwei mal zwei, weil jeder Eingangskanal konsequent symmetrisch mit zwei Verstärkerstufen arbeitet. So ließ sich auch der Abstand zu Einstreustörungen deutlich verbessern. Dank einer ganzen Reihe feinst ausgetüftelter und von Dutzenden „Stomquellen“-Hilfshalbleitern flankierten Gegentaktstufen durften sich die Norweger in diesem Eingangstrakt jegliche Gegenkopplungsschleife sparen – aus ihrer Sicht ein klarer Vorteil, weil sie nicht nur Korrekturen, sondern aus genannten Gründen eine Höhen- Klangverschlechterung einbringen kann.

Eelectrocompaniet ECI 6 DS
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Kraft und Finesse: Die Treibertransistoren sitzen zusammen mit den Endtöpfen auf dem dicken Profil. Die Kollegen davor und die Ruhestrom-Regler bekamen einen thermisch eigenständigen Kühlkörper.

Erst jetzt, noch rank und schlank, aber doch erwachsen, kommt auf die Signale die Pegelregelung zu. Eine unvermeidliche Tortur in 0,5 Dezibel-Stufen, die sie dank äußerst rücksichtsvoll zu Werke gehender und nicht mit Wald-und-Wiesen-Stellern zu verwechselnder Edel-ICs von Maxim ohne größere Blessuren überstehen (die Eingangswahl besorgen ebenfalls Maxims). Darauf setzt eine weitere Signalstärkung an, die in einer nicht von Spannung, sondern von Strom dominierten „Transkonduktions“-Stufe mündet. Sie empfängt Korrektursignale vom Ausgang und mischt sie so verzugsfrei wie nur möglich der Musik unter. So präzise wie kraftvoll geht es nun weiter bis zu insgesamt acht kernigen Semi-On-Endtransitoren und zu soliden WBT-Lautsprecherklemmen.

Test: Electrocompaniet EMP 2

Ein Extra-Kühlkörper für die Vortreiber und eine nicht direkt, sondern via Optokoppler angeschlossene Schutzschaltung unterstützen die erste Behauptung. Der 500-Watt-Ringkerntrafo und eine ganze Reihe dicker 10.000-Mikrofarad-Elkos beweisen These Nummer zwei. Tja, und jetzt kommt bei solch einem properen Kraftwerk auch noch eine komplette Streaming-Elektronik dazu, die sich dank neuester ICs von Bridge-Co mit hochkarätigem 24Bit/192kHz-Material versteht. Sie erlaubt USB- und Ethernet-Verkehr und vermag via Transceiver-Aufsatzplatine auch per WLAN zu senden und zu empfangen.

Electrocompaniet ECI 6 DS: Anschlüsse

Ganz traute Electrocompaniet der zugekauften Elektronik nicht. Die Ingenieure schoben zwischen sie und die Vorstufen-Sektionen noch dickes Abschirmeisen und montierten die anlognäheren Kreise und den Wolfson-D/A-Wandler tunlichst auf einem eigenem Board.

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So präsentiert der ECI 6 DS mit Fug und Recht stolz eine ganze Reihe für Vollverstärker ungewöhnlicher Mitbringsel. Etwa eine USB-Buchse des Typs A, und für alle Fälle auch noch eine vom Typ B. Dazu kommt eine Ethernet-Schnittstelle für den Netz-/Heimnetz-Verbund sowie die WLAN-Stummelantenne. Zwei koaxiale und zwei optische Digital-Ins erregen weiteres Aufsehen, obwohl doch der echt symmetrische, „CD“-genannte Eingang und die entsprechenden XLR-Pre-Outs – selbst bei einem 5.900-Euro-Amp – fast noch mehr Beifall verdienen. Damit bietet sich der ECI 6 DS auch für den Einsatz als hochwertige, durchgehend symmetrische Vorstufe an. Die übrigen, raren Cinch-Inputs namens „DVD“, „AUX“ und „HT“ sind eher aus reiner Anschluss-Not geboren (zumal extra symmetriert werden muss). Und aus der Erkenntnis, dass ein Home-Theatre-Chef – um Surround-Front-rechts und -links einzuschleifen – nach einem Eingang mit fixer Verstärkung verlangt.

Mit diesem Album wurde gehört: Dominic Miller: November - Fast ohrenzwickende Metallsaiten, orgiastische Bässe, dazu feinste Klangminiaturen und abstrakte Stimmungen: ein Horror für schlechte, ein Fressen für gute Verstärker.
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© Archiv, H. Härle
Mit diesem Album wurde gehört: Dominic Miller: November - Fast ohrenzwickende Metallsaiten, orgiastische Bässe, dazu feinste Klangminiaturen und abstrakte Stimmungen: ein Horror für schlechte, ein Fressen für gute Verstärker.

Electrocompaniet ECI 6 DS: Hörtest

„Dafür bin ich eigentlich zu schade“, gab der ECI 6 DS schon bei den ersten Takten Musik zu verstehen. In der Tat blieb etwa beim Vortrag von Dominic Millers „November“ (Q-rious) kaum eine Steigerungsmöglichkeit übrig. Eindringlicher, mit mehr Korpus-, Bund- und Plektrum-Finesse können Gitarren nicht kommen. Tollkühner, klarer umrissen und in den dunklen Farben noch sauberer abgestuft erschienen Bässe in der Preisklasse noch nie. Mochte es also auch rumoren wie es wollte: Der tapfere Norweger leuchtete dennoch in Seelenruhe die Räume bis in die tiefsten Winkel aus.

Kaufberatung: Vollverstärker im Test

So etwa auch bei Kari Bremnes’ „Reise“ (Strange Ways): Sich in der im Abendrot glühenden nordischen Landschaft zu ergehen und sich währenddessen an die Lippen der Heldin zu hängen, bereitete unentwegt-flüssiges Vergnügen. Während – um einem zwangsläufig folgenden Argument von vorneherein zu begegnen – praktisch jeder Röhrenverstärker der Testvergangenheit an den dicken Felsbrocken dieser Platte mehr oder minder hängen blieb. Ergo: Was exquisite Glaskolben mehr an Höhen-Flair bieten, gleicht der Electrocompaniet durch seine kultivierte Ausgeglichenheit, durch sein perfektes In-Balance-Halten aller Art von Musik und aller Lagen aus.

Mit diesem Album wurde gehört: Triband: Live at Schloss Elmau - Die aufs Wesentliche zielende, von Stilkorsetts freie Triband-Musik fasziniert so wie die zuckersüße Stimme von Sandy Wollasch – wenn der Amp sie rüberbringt!
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© Archiv, H. Härle
Mit diesem Album wurde gehört: Triband: Live at Schloss Elmau - Die aufs Wesentliche zielende, von Stilkorsetts freie Triband-Musik fasziniert so wie die zuckersüße Stimme von Sandy Wollasch – wenn der Amp sie rüberbringt!

Mit einem deutlich preisgünstigeren Widersacher brauchte man schon gar nicht zu kommen. Der so bewährte wie sturzmusikalische Destiny 2 von Creek wand sich trotz seiner wohlverdienten 110 Punkte vergleichsweise wie ein armer Hund. Der glasklaren, zupackenden und ehrlichen Spielweise des ECI 6 DS gingen auch 115-Punkte Verstärker besser aus dem Weg. Als schließlich bei Tribands „Live At Schloss Elmau“ (Bezug über: mail@sandiew.de ) nicht nur die wonnige Stimme von Sandy Wollasch makellos rein ertönte, die Pianotupfer die Seele rührten und der Bass sich – wie er es soll – wunderschön auswuchs, gab es an der 120-Punkte-Bewertung keine Zweifel mehr.

Doppelt prima! Denn zu dieser Rechnung kommt ja noch das Streaming, also die perfekt klingende Weltoffenheit, dazu.

Das Netzwerkmodul des ECI 6 DS

Electrocompaniet hat zum Testzeitpunkt bereits ein Software-Update angekündigt – das angesichts einer Lücke auch sinnvoll erscheint: Gapless Play, das unterbrechungsfreie Abspielen durchgehend produzierter Live-, Konzept- oder auch Opern-Alben, funktionierte beim Testgerät nicht.

Eelectrocompaniet ECI 6 DS Netzwerkmodul
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Vertrauter Anblick: Audio-Platinensandwich mit WLAN- (oben) und Streamingboard (darunter)

Dass die Streaming-Hardware des EC eigentlich Gapless kann, beweisen nahezu identisch bestückte Player von T+A, Naim und Cyrus. Mit letzterem hat EC auch die schöne Display-Fernbedienung gemein. Deren Fähigkeit, Cover anzuzeigen, nutzt der EC aktuell noch nicht, aber die Navigation auch in sehr großen Musiksammlungen gelingt damit schnell und geschmeidig. Neben Netzwerkservern (zum Beispiel NAS-Platten) dürfen auch USB-Speicher und iPods Daten zuspielen. Via Netzwerk und USB werden dabei Auflösungen bis 192kHz/24bit unterstützt – Studio-Master-Downloads (linnrecords.com , highresaudio.com ) liefen im Test ebenso zuverlässig wie gerippte DVD-Audios (hauptsächlich 96 und 192kHz) und SACDs (88.2 oder 176.4kHz).

Klanglich ist die eingebaute Streaming-Quelle so stark, dass sich separate Player häufig erübrigen dürften – der ECI 6 DS mag nicht viele Analogeingänge am Heck haben, aber streng genommen sind nicht mal die wenigen, die er hat, wirklich notwendig: An einem hängt vielleicht ein Phono-Preamp, der Sat-Receiver ist normalerweise digital angeschlossen, und einen separaten Tuner halten angesichts des exzellenten, vielseitigen und auch klanglich hochwertigen Internetradio-Angebots, das der eingebaute Streamer nebenbei ins Haus holt, nur noch wenige Rundfunk-Puristen für notwendig.

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