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Testbericht

Elac FS-609

AUDIO


Bernhard Rietschel

30. Oktober 2008

Wer so eine Extremfarbe will, muss Elac anrufen – gegen Aufpreis geht alles.

Zivilere Kunden nehmen dagegen mit schwarzem oder titanfarbenem Standard-Finish vorlieb, das in der Elac-eigenen Lackiererei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch so perfekt aufgetragen wird, dass die Box trotz ihrer stattlichen 1,30 Meter Höhe auch in feinsten Wohnzimmereinrichtungen nicht aus dem Rahmen fällt.

Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls noch der Pilz obendrauf. Aber ohne ihn wäre die Box nicht nur ihren Adelstitel „Pi" los, sondern auch einen legendären Hochtöner, den das Unternehmen seit Jahrzehnten hegt, pflegt und nur in die edelsten Boxen einbaut. Der „4Pi“, benannt nach der Kreiskonstante π, ist ein rundum strahlender Bändchenhochtöner, der sich nun mal nur exponiert montieren lässt, und der seinen Pilzhut nicht modischer Extravaganz, sondern akustischen Gesetzen zu verdanken hat. Seine Alu-Ringmembran pulsiert zwischen zwei starken, ebenfalls ringförmigen Neodym-Magneten wie die Wand eines atmenden Zylinders. Sie kann auf diese Weise zwar keine großen Hübe ausführen, wegen ihrer geringen Masse aber höchsten Frequenzen bis über 50 Kilohertz folgen.

Elac setzt den Ultraschall-Radiator nicht als einzigen Hochtöner ein, sondern nur als Ergänzung in den allerober­sten Oktaven – vom Rand des Hörbereichs bis weit darüber hinaus. Wann genau der 4Pi ins Geschehen eingreift, kann der Besitzer mit vier Stufen zwischen sechs und 16 Kilohertz sowie einer „Off“-Stellung selbst bestimmen: Je früher, desto größer sind die diffus abgestrahlten Hochtonanteile – der Klang gewinnt Weite und Raumgefühl, verliert dafür aber an Fokussierung.


Bild vergrößern 916 1000 http://img4.magnus.de/image-r916x1000-C-ca294284-25124352.jpg Flower Power: Der „Long Linear Drive“-Tieftöner bezieht seine Magnetkraft aus sechs wie Blütenblätter angeordneten Neodym-Scheiben. Eine kurze Spule in einem relativ langen Magnetfeld soll großen, linearen Hub gewährleisten. © H. Härle
© H. Härle

Flower Power: Der „Long Linear Drive“-Tieftöner bezieht seine Magnetkraft aus sechs wie Blütenblätter angeordneten Neodym-Scheiben. Eine kurze Spule in einem relativ langen Magnetfeld soll großen, linearen Hub gewährleisten.

Kieler Koax 

Ein Stockwerk tiefer spielt die andere Hälfte des Tweeter-Tandems: ein neues, höher belastbares JET-Bändchen, seinerseits Teil des Mittelhochton-Koaxial-Treibers „X-JET“. Gegenüber der Urversion hat Elac das elektrodynamische Kunstwerk deutlich überarbeitet. Für die notwendige Kombination aus Festigkeit und Resonanzarmut soll nun ein Sandwich aus Bienenwaben-Träger und versteifend geprägter Alu-Membran sorgen, das nicht flächig, sondern nur punktuell an den richtigen Stellen verklebt ist. Zusammen mit der fast acht Zentimeter großen Schwing­spule und einem kräftigen Antrieb entsteht so ein hochbelastbarer, klirrarmer Ring-Mitteltöner, der sich auch bei den AUDIO-Messungen mustergültig verhielt.


Bild vergrößern 665 1000 http://img1.magnus.de/image-r665x1000-C-d01df59c-25124355.jpg Griffiges Konzept: Ein sehr hochwertiger, satt rastender Schalter bringt den 4Pi ins Spiel; ein weiterer dosiert den Pegel im Mitteltonbereich. © H. Härle
© H. Härle

Griffiges Konzept: Ein sehr hochwertiger, satt rastender Schalter bringt den 4Pi ins Spiel; ein weiterer dosiert den Pegel im Mitteltonbereich.

Den Bass übernehmen drei parallele Tieftöner mit der Elac-typischen Sandwich-Membran aus Papier und geprägtem Aluminium. Der oberste im Trio schließt zugleich die Lücke zum Koax, der bei etwa 550 Hertz zu arbeiten beginnt. Unterm Strich ist die 609 eine 4,5-Wege-Box, deren unterster Frequenzbereich sich über die WBT-Bi-Wiring-Terminals separat antreiben lässt.

Neben der korrekten Aufstellung und der Auswahl des richtigen Verstärkers (der ordentlich Leistung haben und nicht zu dunkel timbriert sein sollte) bietet die Kielerin drei Anpassungsmöglichkeiten, um den Klang auf den Raum und die Vorlieben ihres Besitzers zu optimieren. Neben dem bereits erwähnten Schalter für die 4Pi-Trennfrequenz lässt sich der Beitrag des Mitteltöners um je ein Dezibel anheben oder senken. Dies bedeutet keine Wesensveränderung der Box, sondern lediglich eine subtile und auch in den Übergängen zu den jeweils benachbarten Tönern sauber angepasste Trimmung.


Bild vergrößern 937 624 http://img2.magnus.de/image-r937x623-C-50cfa4a4-25124358.jpg Wohlklingender Notschalter: Ein feines Gitter schützt die umlaufende Alu-Membran des 4Pi-Hochtöners. © H. Härle
© H. Härle

Wohlklingender Notschalter: Ein feines Gitter schützt die umlaufende Alu-Membran des 4Pi-Hochtöners.

Auch der Bassbereich lässt sich variieren: Das mächtige, intern matrixversteifte Gehäuse aus Alu-Profilen und dickem MDF öffnet sich über zwei unterschiedlich dimensionierte Reflexrohre nach außen. Das untere, im Sockel integrierte bleibt immer offen, aber das  Rohr am Boxenheck lässt sich verschließen. Dadurch verändert sich die Bassabstimmung, wird etwas tiefer auf Kosten einiger Dezibel im Oberbass.

Getestet wurde die Elac-Box mit geschlossenem Heckrohr, neutraler Mitteltonstellung und abgeschaltetem Rundum-Strahler, also ausschließlich direkt abgegebenem Hochton. Insbesondere letzteres soll aber keine verbindliche Empfehlung für zuhause sein – es sei denn, Sie wollen die Elac in einem extrem stark bedämpften, nahezu schalltoten Wohnzimmer aufstellen.





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