
Dynavox Impulse V
Keine Frage – die Dynavox Impulse V (1600 euro pro Paar) ist riesig. So riesig wie der Spaß, den sie vor allem Röhrenfans bringt: Kein 1600-Euro-Lautsprecher – und auch nur wenige teurere – kann aus einer Handvoll Röhrenwatt so viel Dynamik erzeugen wie die Dynavox Impulse V.
Wenn AUDIO günstige Röhrenverstärker testet, sind die Tester stets hin- und hergerissen: Nahezu göttlich erhabener, den Transistor-Kollegen allemal weit überlegener Klang liegt im gleichen Gerät oft nur eine Fußbreit neben hohl hallenden, von Hochton-Klirrschwaden vernebelten Abgründen. Zwischen Höhenflug und Absturz entscheidet praktisch ausschließlich der Lautsprecher, weshalb AUDIO solche Tests stets mit entsprechenden Empfehlungen garniert. Gezielt auf die Ansprüche von Röhrenamps optimierte Boxen gibt es jedoch kaum, und in erschwinglichen Preisklassen eigentlich gar nicht. Bis jetzt jedenfalls.
Der Eminence Beta 12LTA (links) verträgt dank 50mm-Schwingspule und belüftetem Magnetsystem problemlos über 200 Watt. Der Kompressionstreiber Selenium D220 (rechts) mit Titanmembran und Einzoll-Mündung arbeitet auf ein Exponentialhorn.
Anpassungsfähig: Die großzügig bestückte Weiche besitzt Pegelschalter für „Bass“ (tatsächlich wirkt dieser in den Mitten) und „Treble“. Die soliden Terminals reichen von der Alublende bis direkt auf die Leiterplatte.
Genau auf den Hörer richten, und wandnah stellen. Hörabstand ruhig etwas größer, ab 2,5 Meter.
Der Frequenzgang zeigt einen merklichen Hochtonabfall und horntypische Richtwirkung. Der Bass ist für wandnahe Aufstellung abgestimmt.
Die Impulse V ist zugleich klirrarm und belastbar. Hieraus resultiert ein unverzerrter Maximalpegel von über 111dB – in der Praxis eher noch einige dB mehr.
Jeder Schlagzeug-Akzent – fein glänzende Becken, pochende Bassdrum und eine explosive Snare – bekam eigenen Erlebniswert, der sich nahezu beliebig steigern ließ: Mit jedem Dreh am Volume-Knopf wurde der Hör- noch mehr zum Proberaum, schienen Drumkit, Bass- und Gitarrenverstärker wahrhaftiger zu pulsieren, zu vibrieren, den Raum mit ihrer spezifischen Energie zu fluten. Grenzen? Selbst mit dem Ti-60 (und erst recht mit dem etwas teureren T.A.C. K35, der sich für einen zukünftigen Test warmlief) nicht wirklich. Für normale Wohnungen steckt schon in dieser Kombi weit mehr Dynamik, als man je brauchen dürfte.
Berechtigte Einwände hatten nur die Klassikhörer in der Redaktion: Der Mittelton war nicht hundertprozentig neutral und ließ vor allem Stimmen mitunter etwas eingeschlossen erscheinen. Auch gibt es Boxen – widerum primär aus Sicht der Klassiker –, die bei ähnlichem Wirkungsgrad konturenschärfer abbilden als die in großem Maßstab, aber leicht diffus zeichnende Dynavox. Andererseits profitierte auch Klassik vom weiten, mühelosen Dynamikspielraum – dem Markenzeichen dieser bemerkenswerten Box.
Fazit
Wer einen wandnahen Platz für die Dynavox Impulse V findet, kommt mit einem preiswerten Röhrenamp und einer guten Quelle (wir haben den Linn Sneaky verwendet) zu einer Kette, die in Größenmaßstab und Dynamik mühelos mit mehrfach teureren Anlagen mithält. Geben Sie der Riesenbox eine Chance – eine Rock- oder Funkplatte später werden Sie eventuelle Einrichtungs-Bedenken vergessen haben.
Technische Daten und Testergebnisse
| Allgemeine Daten | |
|---|---|
| Abmessung (B x H x T) | 36,5 x 144,5 x 29,5 cm |
| Gewicht | 45,0 |
| Oberflächen | Folie und Lack |
| Farbe | Kirsche, Buche hell; jeweils mit Hochglanzfront schwarz |
| Technische Merkmale | |
| Bassprinzip | Wege Bassreflex |
| Anzahl der Wege | 2 |
| Arbeitsprinzip Vollaktiv | passiv |
| Ausstattung | |
| Anschluesse | single Wiring |
| Anschlüsse XLR | |
| Raumanpassung | Pegelschalter Mitten/Höhen |
| Surround-Ergänz. | |
| Cinch | |
| Labor-Merkmale | |
| Maximale Lautstärke oberer Wert | 112 dB |
| untere Grenzfrequenz (-3dB) | 60 Hz |
| Untere Grenzfrequenz (-6 dB) | 50 Hz |
| Nennimpedanz (Audio) | 8 Ohm |
| Bewertung | |
| Wirkungsgradstark und hoch–ohmig, für Röhren optimiert, enorme Dynamik. | |
| Stimmen können etwas verschnupft wirken. | |
| Bassqualität | 85 |
| Basstiefe (Bassfundament) | 80 |
| Detailtreue (Präzision) | 90 |
| Feindynamik | 95 |
| Maximalpegel (Lebendigkeit) | 95 |
| Neutralität | 65 |
| Ortbarkeit | 75 |
| Räumlichkeit (Luftigkeit) | 85 |
| Verarbeitung | sehr gut |
| Klangurteil | sehr gut 83 |
| getestet in Ausgabe: | 11/11 |
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