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Praxistest Drahtloses HiFi-Musiksystem: Canton Your Duo

Das kabellose Musik-System „Your World” von Canton (500 Euro) wird durch eine kleine, unscheinbare Schnittstelle zum vielseitig einsetzbaren Multi-Room-Paket. Der Fantasie sind nun keine Grenzen mehr gesetzt, sich seine eigene Klang-Welt zu erschaffen.
Canton Kabellos
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© Archiv

Canton Your Duo
Klangurteil: 74 Punkte
Preis/Leistung: Sehr gut
  • +Druckvolle Basswiedergabe
  • +homogener Klang
  • +Anbindung von analogen Signalen über Dongle

Wer früher, in den 80er oder auch 90er Jahren, möglichst viele Räume in seinem Zuhause aus einer Quelle mit Musik beschallen wollte, musste dazu nicht nur ziemlich tief in die Tasche, sondern auch noch furchtbar in die Architektur eingreifen, kilometerlange Strippen ziehen und monströse Racks voller blinkender Elektronik mit dem Charme einer Serverfarm erdulden. Und wehe, auch nur ein Detail des komplizierten Aufbaus wurde verändert – dann blieb die Musik stunden-, ja tagelang stumm, bis der Fehler endlich gefunden war.

Glücklicherweise haben wir das hinter uns und es gibt sehr viel einfachere Möglichkeiten, sein trautes Heim mit Musik zu beschallen. Pünktlich zur IFA in Berlin präsentierte Canton ein neues modulares Funklautsprecher-System namens „Your World”.

Praxis: Raumeinmessung selbst gemacht

Die einzelnen Komponenten der Produktlinie sind frei untereinander kombinierbar und über eine robuste Digital-Übertragung miteinander verbunden. So kann sich jeder – so die Idee dahinter – sein persönliches Multi-Room-Set zusammenstellen. Lästiger Kabel-Salat, mehrtägige Installationen und verschandelte Wohnräume gehören damit der Vergangenheit an.

Canton Your Duo © Archiv
Canton Your Duo

Der Clou: In einem „Your World” -System können mehrere Sender und Empfänger gleichzeitig arbeiten. Sie lassen sich unabhängig betreiben oder zu Gruppen zusammenschalten. Perfekt also einerseits für die Party, wenn in jedem Raum der selbe Song laufen soll, aber andererseits auch für die individuelle Musikversorgung einzelner Räume.

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Als Sender stehen „Your Stick” und „Your Dock” zur Verfügung, wobei die Namensgebung schon den Hinweis auf das Einsatzgebiet gibt. Im Normalfall wird der USB-Stick als Dongle am PC angeschlossen und am Dock ein iPod/iPhone seinen Platz finden. Das funktioniert auch wunderbar und ohne Probleme. Aber das eigentliche Potenzial steckt im zusätzlichen Mini-Klinken-Eingang der beiden Sender: analoge Signale wie etwa von einem Mp3-Player oder einer Stereo-Anlage werden digitalisert und finden so ihren Weg per Funk zum Empfänger.

Liegt übrigens ein Signal am analogen Eingang an, hat es Vorrang und das USB- bzw. iPod-Signal wird kurzerhand ignoriert. Das Dock verfügt über ein eigenes Netzteil; der Dongle benötigt einen USB-Steckplatz, der ihn mit den 5V Betriebsspannung versorgt. Glücklicherweise herrscht an USB-Schnittstellen kein Mangel.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Bei vielen AV-Receivern, Fernsehern und Media-Servern gehören sie mittlerweile zur Basis-Ausstattung. Einfach dort den Stick einstecken, mit einem Klinke-auf-Cinch-Kabel an die Analog-Ausgänge der gewünschten Quelle anschließen und schon findet das Signal seinen Weg zu den Canton-Empfängern. Ohne USB-Buchse in Reichweite kann man das ganze natürlich auch mit dem Dock bewerkstelligen.

Man merkt bereits: der Phantasie sind, was die Kombinationsmöglichkeiten angeht, kaum Grenzen gesetzt. Das bringt auch eine gewisse Experimentierfreude mit sich, da man ständig auf neue Ideen kommt, wie man die „Your Duo”-Boxen noch mit Musik füttern könnte.

Canton Your Dock © Archiv
Canton Your Dock

Hat man ein Startpaket mit nur einem Sender gekauft, kann man weitere Docks oder Sticks natürlich jederzeit nachkaufen – 149 beziehungsweise 100 Euro kostet es, wenn ein weiterer Sender „yours“ werden soll. Als potenzielle Empfänger stehen zur Zeit nur unsere Testkandidaten „Your Duo” zur Verfügung: Ein vollaktives und äußerst elegantes Boxenpaar, das mit einer Leistung von jeweils 50 Watt, verteilt auf eine Bass- und eine Hochton­endstufe pro Box, auch über die nötige Power verfügt, um mal richtig Gas zu geben.

Praxis: Musikarchiv anlegen und ordnen

Anfang kommenden Jahres folgen mit „Your Solo” eine One-Box-Lösung und mit „Your Sub” noch ein Subwoofer, beide natürlich wieder per Funk erreichbar. Was die „Your World” -Idee erweitert und somit noch interessanter macht. Die Duo-Boxen sind sehr gut verarbeitet und man merkt ihnen die bewährte Canton-Qualität an. Die Lackierung, wahlweise in schwarz oder weiß erhältlich, ist perfekt ausgeführt und gibt den Lautsprechern einen stimmigen Look.

Frequenzgang: Der Verlauf des Frequenzgangs ist fast kerzengerade. Eine minimale Anhebung bei etwa 150 Hz und bei 16 kHz ist zu erkennen. © AUDIO
Frequenzgang: Der Verlauf des Frequenzgangs ist fast kerzengerade. Eine minimale Anhebung bei etwa 150 Hz und bei 16 kHz ist zu erkennen.

Das Funk-System arbeitet übrigens im 2,8GHz-Band – also da, wo auch WLAN oder etwa Bluetooth funken. Es verwendet jedoch eine proprietäre Übertragungsart, die zumindest dem verbreiteten Standard-Bluetooth in Bandbreite und damit Klangqualität deutlich überlegen ist.

Ein Setup ist nicht notwendig – es sei denn, man empfindet das Einstecken des Netzkabels und das Drücken zweier Knöpfchen bereits als Set­up. Noch einfacher geht es wirklich nicht: Boxen in die Steckdose einstöpseln, Empfänger mit dem Sender paaren und  schon kann es losgehen.

Praxis: Alles über D/A Wandler

Egal ob in der Küche, im Schlafzimmer oder im Keller – üppige 20 Meter kann der Signalweg betragen. Wer über ein riesiges Haus oder extrem funk-unfreundliche Architektur verfügt (etwa feuchte Stahlbeton-Bunkerwände), soll nicht aus der „Your World“ ausgeschlossen bleiben: Canton plant bereits spezielle, entsprechend potentere Funk-Repeater, die natürlich wiederum spannende Zusatzfunktionen mitbringen werden. Insgesamt lassen sich bis zu drei Sender in ein gemeinsames System einbinden.

Klirr-Analyse: Der Klirrverlauf ist bis 90 dB sehr gut. Ein intelligenter Limiter begrenzt bei darüber liegenden Pegeln zunächst selektiv den Bass. © AUDIO
Klirr-Analyse: Der Klirrverlauf ist bis 90 dB sehr gut. Ein intelligenter Limiter begrenzt bei darüber liegenden Pegeln zunächst selektiv den Bass.

Über die mitgelieferte Fernbedienung wählt man einfach aus, was man womit koppeln will. Um den Überblick zu behalten hat Canton die drei zu Verfügung stehenden Funk-Kanäle mit unterschiedlichen Farben versehen. An einer Anzeige, sowohl am Dock/Stick als auch an den Boxen, wird dann der Kanal in der entsprechenden Farbe dargestellt.

Vertrauensfrage

Schaut man sich die zierlich anmutenden Boxen-Gehäuse an, fragt man sich zwangläufig ob die Lautsprecher überhaupt Tief genung herunter kommen können. Als ob sich die kleinen Cantons zunächst das Vertrauen des Test-Hörers verdienen müssten, sucht man dann natürlich einen extra basslastigen Einstiegs-Song heraus. Aber wie es bei solchen Vorurteilen meistens der Fall ist, bewiesen sie bei ihrer Feuertaufe das Gegenteil. Sie machten etwa bei „Groove Me” von King Floyd  (What our Love needs) erstaunlicher-, aber glücklicherweise ordentlich Druck. Und das nicht etwa, schwammig oder wummerig, sondern richtig tight.

Was sich aber noch viel deutlicher bemerkbar machte: Der Klang der Boxen machte einfach Spaß! Einerseits neutral und ausgewogen, tönten sie dennoch auf eine lebendige Art und Weise, was zum spontanen Fuß-Wackeln verleiten wollte. Etwa beim 70s-Klassiker „Long Train Running” von den Doobie Brothers (The Captain and Me) oder beim „Voodoo Child” -Cover von Angelique Kidjo (Oremi) wurde dies besonders deutlich.

Aber nicht, dass fälschlicher Weise der Eindruck entsteht, die Cantons seien keine Allrounder. Denn auch bei Jazz, Folk oder sogar Klassik fühlten sie sich wohl.

Bei Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 2 in F-Dur bestätigte der ausgewogene Klang der mit dem dynamischen Spiel den Allround-Charakter der kleinen Cantons. Ein äußerst homogenes Klangbild stellte sich zudem auch beim Jazz-Klassiker von Miles DavisMiles Runs the Voodoo Down” („Bitches Brew”) ein. Sämtliche Instrumente klangen angenehm entspannt, ohne dabei unpräzise zu wirken.

Fazit

Your World von Canton ist eine spannende Sache: Unkompliziert in der Handhabung, kann ich mir gut vorstellen, ein ganzes Haus damit zu füllen. Dabei sind bei der Einbindung von anderen HiFi-Geräten keine Grenzen gesetzt, was die Sache richtig interessant macht. In diesem Preisbereich gibt es zwar viele Mitbewerber, doch die Canton Your Duo sind jeden Cent wert. Sie machen nämlich das, was viele ihrer Mitstreiter nicht können – richtig gut klingen.

 
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