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Testbericht Die Spaß-Box: Pro-Ject Stream Box DS

Optisch kommt die Stream Box DS (735 Euro) ganz schlicht daher. Klanglich jedoch trumpft sie mit ansteckender Spielfreude auf.

Pro-Ject Stream Box DS

Hersteller
Pro-Ject
UVP
735.00 €
Wertung
61.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Auszeichnung
stereoplay Highlight: Pro-Ject Stream Box DS
Tester
stereoplay

Pro-Ject Stream Box DS
  • +unterstützt viele Formate
  • -blasser Sound

Die Analog-Bastion Pro-Ject bringt einen Netzwerk-Player auf den Markt? Bei genauerer Betrachtung ist dies nicht so verwunderlich, wie es zuerst scheint. Schließlich hat Heinz Lichtenegger in den letzten Jahren mit der Box-Serie eine beachtliche Elektronik-Flotte vom Stapel gelassen. Mit dabei waren CD-Player wie der CD Box SE, dem stereoplay in Ausgabe 10/10 ein Highlight verlieh. Nicht zuletzt, weil ­dessen Laufwerk vom anerkannten Wiener Spezialisten Stream­Unlimited kam.

Da bezahlbare Netzwerk-Player eher selten sind, lag es nahe, dass Lichtenegger seine guten Kontakte nutzte, um einen Player um eine Applikation von StreamUnlimited zu bauen. Das Ergebnis ist die Stream Box DS, die für 735 Euro den Besitzer wechselt.

Hauptbestandteil ist das ­Client-Modul Stream 700. Auf der Basis des BridgeCo-Chips DM 860 verarbeitet es hochauflösende 24/192-Daten, die per Ethernet-Kabel wie auch kabellos über die WiFi-Schnittstelle ankommen können. Zudem ­bietet die Stream Box DS die Möglichkeit, iPod und Co. über die USB-Ports auf Front und Rückseite digital abzuspielen. Selbst externe Festplatten oder Speichersticks werden erkannt, müssen aber dafür als FAT16 oder FAT32 formatiert sein.

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Als Datenformate akzeptiert die Stream Box DS LPCM, WAV, FLAC, AIFF, AAC und natürlich MP3. Netterweise versteht sie seit einem Software-Update auch exotischere ­Datenraten wie etwa 24/174 und unkomprimierte Linn-FLAC192-Dateien, die eine Bitrate von 9000 kBit besitzen. Auch die Cover-Art von AIFF- oder AAC-Tracks erscheint nun auf dem großzügigen 3,5-Zoll-Display. Man muss dazusagen, dass die Covers nur bei den ­Titeln angezeigt werden, nicht bei den Alben.

Steuern muss man die Stream Box DS über die mitgelieferte Fernbedienung, da es an der Front keine Tasten gibt. Alternativ bieten sich entsprechende Apps für iPod touch, iPhone oder iPad an. Solche Programme ermöglichen ebenso die Darstellung von Covers, ein bequemes Stöbern in den Musik-Ordnern und das Zusammenstellen von Titellisten.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Bei der Stream Box DS hat dies aber einen Nachteil. Da Apps den Streamer Titel für ­Titel einzeln laden lassen, ist mit ihnen keine pausenfreie (Gapless-)Wiedergabe möglich. Durchgängige Wiedergabe ohne störende Lücken innerhalb ­zusammenhängender Musikstücke, die in Tracks unterteilt sind – etwa bei Mix-CDs oder klassischen Werken –, geht ­daher nur, wenn die entsprechenden Alben über die Fernbedienung und damit über
die interne Datenverwaltung aufgerufen werden.

Da freut es, dass die Navigation in den Ordnern recht schnell geht und die Darstellung sehr logisch ist. Obendrein sieht man die Ordnerstruktur von extern an den USB-Buchsen angeschlossenen Geräten und kann diese über die Stream Box DS steuern. Weniger gut: In keiner Betriebsart hat der User die ­Option, innerhalb eines Titels vor- oder zurückzuspulen. 

Pro-ject Stream Box DS

Tastenlos

Die Front der Pro-Ject Stream Box DS zieren nebst Display nur eine Standby-Taste und ein USB-Eingang.

Derartiger Komfort spielte im Hörraum aber keine Rolle. Dort zählten nur die klanglichen Eigenschaften des Kistchens aus Österreich. Und die waren sogleich offensichtlich. Denn die Stream Box DS fesselte schon bei den ersten Takten mit ihrer lebendigen und ausdrucksvollen Spielweise. So hatten die Tester etwa den Gitarren-Lick in Donald FagensBrite Nitegown“ („Morph The Cat“, Warner) nur ganz selten von einem Player – selbst über ­diese Preisklasse hinaus – so präsent wahrgenommen. Dabei kam der Rhythmus vom Schlagzeug ­äußerst mitreißend, und die Keyboard-Akkorde standen so wundervoll plastisch im Raum, dass die Hörer unwillkürlich begannen, in ihren Sesseln zu wippen.

Kaufberatung: Vier Verstärker im Test

Solch eine Spielfreude konnte selbst ein gestandener Netzwerk-Player wie der Musical Fidelity M1 Clic (1600 Euro, Test in Ausgabe 4/11) nicht vermitteln. Obwohl er wahrlich kein Kind von Traurigkeit ist, wirkte er im Vergleich fast schon träge und mollig, während sich der Pro-Ject viel agiler, impulsiver präsentierte. Ein weiteres Beispiel hierfür war etwa das Stück „Finish Line“ von Lou Reed („Set The ­Twilight Reeling“, Warner). Hier verschliff der M1 Clic die Gitarrenriffs und weichte die Schläge der Bass-Drum etwas auf. Die Box dagegen verlieh der Performance nicht nur mehr Drive. Die Zuhörer gewannen auch das Gefühl, dass die Musiker genauer im Takt spielten und Reeds Stimme markanter rüberkam.

Dafür deckte der Musical Fidelity die Achillesferse der Stream Box DS auf. Denn sie spielte nicht nur etwas zu schlank im Bass, sondern malte auch mit nachvollziehbar blasseren Farben. Zudem gab sie große Orchester etwas beengter und in Forte-Passagen dezent gepresster wieder. Da behielt der Musical Fidelity ­beherzter den Überblick und stellte üppige Besetzungen in größere Aufnahmeräume.

Bei längerem Zuhören aber zeigte die Stream Box DS eine so ansteckende Spielfreude, dass man ihre kleinen Schwächen schnell verzieh. Gegen­über dem deutlich teureren M1 Clic erreichte die Pro-Ject zwar keinen Punktegleichstand, aber sie fand mit ihrer lebendigen Musikalität einen Weg direkt in die Herzen der Tester.

HiFi-Fans, die eine homogene Kette besitzen und Musikspaß als wichtigstes Kaufkri­terium nennen, sollten dieses neue stereoplay Highlight nachdrücklich in Erwägung ziehen.

Alle Daten und Testergebnisse zum Pro-Ject Stream Box DS

 
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