Menü

Testbericht Devialet D-Premier im Test: Amplify Your Life

Kaum eine HiFi-Komponente macht aktuell derart Furore wie der schicke französische Digital-Vollverstärker Devialet D-Premier. stereoplay testete das neueste Upgrade und meint: völlig zu Recht.
Devialet D-Premier
vergrößern
© Hersteller / Archiv

Devialet D-Premier

Devialet D-Premier
Gesamtwertung: 89 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +Extravagant gestylt
  • +flexible Konfigurationsmöglichkeiten
  • +sehr einfache Bedienung
  • +sagenhafter Klang

Die Botschaft des 12.000 Euro teuren Devialet D-Premier ist unmissverständlich: Jede noch so kleine Schwingung in der Musik soll bewahrt werden. Doch anders als all diejenigen Amps, die aus der Intention entstanden, den „weltbesten Verstärker“ zu bauen, verdankt der D-Premier seine Existenz keineswegs dieser Zielsetzung. Er geht vielmehr zurück auf eine geniale Schaltungsidee seines Schöpfers, des Telekommunikations- Spezialisten Pierre Emmanuel Calmel. Seine Idee besitzt in der Tat das Potenzial, um damit den besten Verstärker der Welt zu bauen. Alles andere entwickelte man bei Devialet quasi um diesen Kern herum.

Das erledigten die Franzosen derart konsequent, dass der D-Premier als Protagonist einer neuen HiFi-Geräte-Generation durchgeht. Er bietet eine bestechende Mischung aus repräsentativem Design, hoher Leistungsfähigkeit, Hightech-Appeal und einfachster Bedienung sowie hoher Flexibilität, individueller Konfigurierbarkeit und Konnektivität. Damit ist er mindestens ebenso zeitgeistig wie ein hochwertiges Smartphone.

Der schwere Lautstärkesteller arbeitet superpräzise. © Hersteller / Archiv
Der schwere Lautstärkesteller arbeitet superpräzise.

So kann man sich für den Devialet denn auch auf zweierlei Weise erwärmen: Neugierige „Early Adopters“ und Musikgenießer kaufen ihn einfach und haben Spaß – HiFi-Freaks hingegen erfreuen sich einer geballten Technikladung, die so schnell nicht zu toppen ist. In jedem Fall aber dürfen D-Premier- Kunden ein Leben lang dem nächsten, natürlich kostenlosen Software-Update entgegenfiebern. Das verbessert mal die Klangqualität, mal bringt es neue Funktionen mit oder erweitert die Konfigurationsmöglichkeiten.

Kaufberatung: Vier Röhren-Vollverstärker im Test

Die Technik des D-Premier ist jedoch nicht Selbstzweck, sondern in seiner Funktionsweise begründet. So paart sein Herzstück, der Endverstärkerblock, pro Kanal einen analogen Class-A-Verstärker als Spannungs- Steuerstufe mit einem Class-D-Amp als Stromlieferanten. Diese patentierte Parallelschaltung kombiniert das Beste aus mehreren Welten – geringste Verzerrungen, hohe Ausgangsleistung, exzellenten Wirkungsgrad und einen sehr hohen, zudem linearen Dämpfungsfaktor. Dank Schaltverstärker-Unterstützung braucht der Class-A-Amp nur einen Bruchteil des Lautsprecherstroms aufzubringen und arbeitet daher beinahe lastfrei, was seine Eigenschaften nochmals verbessert.

À la carte: Per SD-Karte wird die mittels Webbrowser gewählte Konfiguration ins Gerät übertragen. Auch die Tasten der Funk-Fernbedienung lassen sich unterschiedlichen Funktionen zuweisen. © Hersteller / Archiv
À la carte: Per SD-Karte wird die mittels Webbrowser gewählte Konfiguration ins Gerät übertragen. Auch die Tasten der Funk-Fernbedienung lassen sich unterschiedlichen Funktionen zuweisen.

Um digitale Quellen direkt anschließen zu können, aber auch um einen besonders hohen Störabstand zu erzielen, arbeitet die Vorstufen-Sektion mitsamt Pegelsteller digital. Der Trick dabei: Die D/A-Wandler vor den Endstufen (Burr-Brown PCM 1792) erzeugen über eine gleichfalls patentierte Strom-Spannungs- Konverter-Ausgangsstufe bereits den gesamten nötigen Spannungshub. So lässt sich der Dynamikumfang der DAC-Chips voll ausnutzen, während die Class-A-Amps in sogenannter Einsverstärkung nahezu rauschfrei arbeiten – genial. 

Kaufberatung: Vier Phono-Vorverstärker im Test

French Connection: Ob analoge oder digitale Tonquellen an die RCA-Buchsen andocken, lässt sich per Konfigurator festlegen. Der D-Premier besitzt sogar einen MC/MM-tauglichen Phono-Eingang. Die HDMI-Anschlüsse sind für spätere Erweiterungen vorgesehen. © Hersteller / Archiv
French Connection: Ob analoge oder digitale Tonquellen an die RCA-Buchsen andocken, lässt sich per Konfigurator festlegen. Der D-Premier besitzt sogar einen MC/MM-tauglichen Phono-Eingang. Die HDMI-Anschlüsse sind für spätere Erweiterungen vorgesehen.

Natürlich kann der D-Premier auch analoge Tonquellen wiedergeben. Deren Signale werden von dem wohl besten derzeit erhältlichen A/D-Konverter- Baustein (TI PCM 4220) ins Digitale transferiert. Die Lautstärkeeinstellung sowie die Schneidkennlinien-Entzerrung für den Phono-Eingang übernimmt ein Sharc-Signalprozessor von Analog Devices. Der besitzt noch reichlich Rechenkapazität für spätere Anwendungen, etwa als aktive Frequenzweiche für Bi- oder Tri-Amping-Konfiguration mehrerer D-Premiers.

Hörtest

Im Hörtest faszinierte der Digitalamp durch sein geradezu majestätisches, über jeden Zweifel erhabenes Klangbild. Er gestattete den Tönen eine völlig masselose Entfaltung. Befreit vom üblichen Druck auf den Ohren, durfte man sich vollständig der Musik hingeben – auch bei deftigen Lautstärken.

Das schaffte eine Atmosphäre, in der jegliche Diskussion über Neutralität, Randschärfe oder Räumlichkeit geradezu banal erschien, weil alles im genau richtigen Maß vorhanden war. Mit dem Devialet dürfte sich die Frage „Wie viel Verstärker braucht der Mensch?“ ein für allemal erledigt haben.

High Resolution drahtlos

Mehr lesen

Das nachrüstbare WLAN-Modul macht den D-Premier zum Streaming- Client. Das Devialet-exklusive Verfahren AIR (Asynchronous Intelligent Route) erlaubt volle High-Resolution-Tonübertragung vom Computer. Die für Mac und PC verfügbare AIR-Applikation nutzt dabei die Steuerfunktionen üblicher Player-Software wie iTunes, umgeht jedoch ähnlich Amarra oder Pure Music den klanglichen Flaschenhals USB-Datenausgabe. Stattdessen überträgt AIR nur native Musikdaten- Pakete ohne Taktsignale, die im D-Premier wieder zusammengesetzt und Jitter-befreit über die interne Masterclock neu synchronisiert werden. AIR basiert auf dem WiFi-Standard 802.11n, ist somit kompatibel zu allen gängigen WLAN-Netzwerken.

Fazit
Der smarte D-Premier ist ein in jeder Hinsicht kompromissloses Gesamtkunstwerk. Trotz audiophiler Prägung wendet er sich weniger an HiFi-Aktivisten alter Schule, sondern an betont anspruchsvolle und Technik-affine Kunden, die einfach nur das Beste haben wollen.

 

 
x