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Testbericht Denon AVR-3313 im Test

Mit dem neuen AVR-3313 führt Denon die Gapless-Wiedergabe von Musik-Streams ein. Durch sein geradliniges Konzept kann er die Kluft zwischen klassischen Stereo-Verstärkern und hochkomplexen AV-Zentralen schließen.

Denon AVR-3313 AV-Receiver
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© Archiv, S. Schickedanz

AV-Receiver mit klassischen Stereo-Genen - Denon AVR-3313 1300 €
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AV-Receiver mit klassischen Stereo-Genen - Denon AVR-3313 1300 €

Die Aufrüstung von AV-Receivern zu hyperaktiven, mehrzonentauglichen, vernetzten Kommandozentralen spaltete die unterschiedlichen Anwender- und Altersgruppen und irritierte die angestammte HiFi-Klientel. Letztlich schien der technische Overkill nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Unter dem direkt an den Eingängen sitzenden HDMI-Board residieren noch zwei weitere Platinen für Analog-Video und die tiefergelegte Audio-Sektion.
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Unter dem direkt an den Eingängen sitzenden HDMI-Board residieren noch zwei weitere Platinen für Analog-Video und die tiefergelegte Audio-Sektion.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Denon begann mit der Abrüstung ihrer Receiver und riskierte damit die eine oder andere Breitseite durch die Konkurrenz im Ringen um die beste Ausstattungsbewertung. Andererseits sorgten sie für mehr Transparenz in Sachen Bedienung: Die schwer durchschaubaren, schmucklosen "MS-DOS"-Menüs wandelten sich in fröhliche Apple-Ableger. Doch erst jetzt ist der schwierige Prozess der Öffnung zu neuen Anwendergruppen vollzogen. Während die anderen Hersteller gerade den Krieg der Knöpfe beenden, hat Denon, unterstützt durch Verbraucherbefragungen, seine AV-Receiver von eher benutzerunfreundlichen Boliden vollends zu spaßbetonten Entertainern umgerüstet.

Denon AVR-3313: Optik

Doppelte HDMI-Ausgänge waren gestern. Mit Triple-Output erfüllt Denon anno 2012 auch die geheimen Wünsche der Oberschicht mit drei Bildgebern.
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© Archiv, S. Schickedanz
Doppelte HDMI-Ausgänge waren gestern. Mit Triple-Output erfüllt Denon anno 2012 auch die geheimen Wünsche der Oberschicht mit drei Bildgebern.

Der neue AVR-3313 kommt samt seiner neu organisierten Fernbedienung aufgeräumt und klar gezeichnet daher. Bei geschlossener Frontklappe sieht man gerade mal zwei stattliche Drehknöpfe und einen dezenten Netzschalter – so einen schlichten und schicken Receiver hat Denon seit den 70er-Jahren nicht mehr aufgelegt. Fast könnte man meinen, die Stereo-High-Ender von Accuphase hätten sich doch noch entschlossen, einen Surround-Receiver zu bauen – lediglich das etwas zu simpel wirkende Abdeckblech des AVR-3313 mag nicht so recht ins Bild passen.

Denon AVR-3313: Lückenlose Wiedergabe

Dieses Gerät hat fraglos das Potenzial, die Kluft zwischen klangverliebten HiFi-Puristen und technikbegeisterten Heimkino-Freaks zu schließen. Doch damit nicht genug: Der integrierte Streamer soll darüberhinaus sogar die lästigen Lücken zwischen den einzelnen Titeln eines Albums schließen und damit die Abspaltung jener verhindern, die sich massiv an Unterbrechungen etwa in Live-Aufnahmen oder Dance-Mixes stören.

Das Tastenfeld verschwindet hinter einer Klappe. Das Display dürfte die Lautstärke allerdings gerne auch nach dem Regeln groß anzeigen.
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© Archiv, S. Schickedanz, Steve Faber – Shutterstock.com
Das Tastenfeld verschwindet hinter einer Klappe. Das Display dürfte die Lautstärke allerdings gerne auch nach dem Regeln groß anzeigen.

Das sind verlockende Aussichten, die Lust auf den neuen Denon machen. Doch dann kommt die erste Ernüchterung: Auf der Gapless-Teststrecke (bestehend aus dem zehnteiligen Stück "Walk Like A Worm" aus dem Album "Rocket In The Pocket" von Console) legt der Japaner mehr Pausen ein als ein treuer Gewerkschaftler am Arbeitsplatz. Eine Anfrage beim Hersteller brachte Klarheit – und Erleichterung: Spätestens im Herbst wird ein kostenloses Firmware-Update das Problem beheben. Ansonsten bereitete das Gerät die reine Freude. Schon Inbetriebnahme und Grundeinstellung gelingen jetzt ähnlich einfach wie mit einem Bose-Lifestyle-System. Das neu gestaltete, halbtransparente GUI führt den Benutzer auf dem angeschlossenen Bildschirm sogar durch die Anschlüsse für Lautsprecher und Quellen.

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© Hersteller/Archiv

Denon AVR-3313: Bildverarbeitung

Dabei sollte die überall sichtbare Simplizität nicht darüber hinwegtäuschen, dass der AVR-3313 nicht nur deutlich mehr Audio-Anschlussmöglichkeiten als seine in dieser Hinsicht fast schon spartanischen kleinen Brüder bereithält. Gerade im Video-Bereich markiert er einen großen Fortschritt zum Vorgänger AVR-3312 – zumindest für alle, die Angst haben, den letzten Trend zu verpassen: Der Denon beherrscht nicht nur das Durchschleifen von UltraHD-Video. Seine Bildverarbeitung mit den hintereinandergeschalteten Analog-Devices-Prozessoren ADV 7850 und ADV 8003-2 kann sogar Analog-Videos hochskalieren – bis zu einer Auflösung von 4.096 × 2.160 Bildpunkten (gemeinhin als 4k bezeichnet). Zwar gibt es derzeit praktisch noch keine passenden Bildausgabegeräte, aber gut zu wissen, dass man für den Ernstfall bestens gewappnet ist. Wer seinem App-Trieb nachgehen möchte, findet schnell Gefallen an der neuen Remote- Software. 

Denon AVR-3313: Klang

Besitzer des im Herbst kommenden Denon-Blu-ray-Players DBT-3313UD dürfen sich zudem über Denon Link HD freuen, das für die von HDMI ausgelagerte Taktübertragung künftig ein Koaxial-Kabel statt der für Denon Link eingesetzten CAT-Leitung verwendet. Der Aufwand verspricht besseren Klang durch deutlich verringerten Jitter. Weil solche Taktschwankungen gleich nach Datenfehlern das größte Übel für die digitale Übertragung von Audio-Signalen bedeuten, gingen die Entwickler noch weiter: Für sämtliche Digital-Eingänge sorgt der neu programmierte Clock Jitter Reducer durch Optimierung aller drei Taktsignale (Master Clock, Bit Clock und Word Clock) für besseren Ton. Er greift am Eingangs-Interface für HDMI und S/ PDIF den Takt ab und synchronisiert den Datenfluss zwischen dem DSP und dem D/A-Wandler.

Im Hörtest wusste der Rechenkünstler sich sogar analog angesteuert sehr ansprechend in Szene zu setzen. Die Wiedergabe wirkte rund und homogen; Transparenz traf auf ordentlich knackige Bässe. Dazu kam eine große, recht stabile Abbildung. Dennoch ließ sich das Vergnügen noch in zwei Stufen steigern. Nach dem Auflegen von Surround-DVDs wähnten sich die Zuhörer, wie bei dieser Spielart üblich, mitten im Geschehen. Die gesamte Performance erschien allerdings noch stimmiger, fließender und irgendwie müheloser. 

Wer über den Denon Konzerte hören will, dürfte sich über tiefreichende, konturierte sowie antrittsstarke Bässe freuen, die gerade auch Drumbeats zu sattem Punch verhelfen. Ebenfalls überzeugend: die stabile, weiträumige und differenziert-feinperlige Wiedergabe. Seinen Höhepunkt erreichte der Auftritt jedoch erst mit HD-Ton, der den Fluss, die Farbenpracht und die Intensität der Musik nochmals steigerte. Hier wirkte alles schön smooth und geordnet – ganz wie das Design dieses AV-Highlights.

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© Hersteller/Archiv

Denon AVR-3313: Messlabor

Der Denon ist recht kräftig: In Stereo stemmt er 2 x 151 / 217 Watt Sinus an 8 respektive 4 Ohm. In Surround sind es 5 x 105 / 128 Watt Sinus. Sein Stabilitätswürfel fällt für einen erschwinglichen Receiver gut aus, er lässt erst unterhalb von 3 Ohm minimale Reaktionen auf Phasendrehungen erkennen. Die Klirrdiagramme zeigen eine ausgewogene Verteilung mit dominantem harmlosen K2, während inzwischen bei vielen AV-Receivern Klirr ungeradzahliger Ordnung dominiert. Seine AUDIO-Kennzahl liegt bei 67.

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© Archiv, S. Schickedanz

Fazit

Als Redakteure befürchteten, die Anhäufung mehr oder weniger nützlicher Features in AV-Receivern müsse unweigerlich zum Bedienkollaps führen, begann Denon mit der technischen Abrüstung – zum Glück: Man hätte vor drei Jahren nicht zu träumen gewagt, einmal einen so straighten AV-Receiver zu sehen.

App: Remote 3.0

Die neue Denon Remote App 3.0 für Apple iOS und Google Android überzeugt durch intuitive Bedienung. Sie erleichtert insbesondere die Nutzung von Netzwerk-Features wie Internet-Radio oder Streaming – wozu nach dem für Herbst dieses Jahres angekündigten Update WAV oder FLAC bis 192 kHz sowie Apple Lossless und Gapless-Wiedergabe zählen. Schließlich lag das Hauptaugenmerk bei der Weiterentwicklung auf diesen Services. Nun profitiert der Benutzer beim Durchsuchen großer digitaler Musikarchive – etwa auf einem NAS – von Miniaturansichten der Cover und Bibliotheken. Auch die Erstellung von Wiedergabelisten vereinfacht den Umgang mit großen Musiksammlungen. Einziges Manko: Schneller Vorlauf ist nicht möglich.

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