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Standbox Dali Epicon 8 im Test

Mit der Epicon 8 hat Dali ein neues Flaggschiff. Der Standlautsprecher spielt zwar nicht an jedem Verstärker, doch im Hörtest überzeugte er mit Kraft und Leichtigkeit.

DALI Epicon 8
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© Hersteller / Archiv

Dali Epicon 8
Gesamtwertung: sehr gut - 86 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +edel aufgebaut
  • +leicht zu betreiben
  • +Transparenz, Tiefbass und Pegelfestigkeit

Diese Stelle war lange bei DALI verwaist: ein richtiges Flaggschiff, groß, prächtig und dank innovativer Technik in der Lage, es auch mit den Dickschiffen der weltweiten Mitbewerber aufzunehmen. Ja, es existiert immer noch die Megaline, der sagenumwobene Linienstrahler mit langen Bändchen. Aber die ist schon recht betagt...

An der Epicon 8 indes ist gar nichts alt. Für die Entwicklung der neuen Serie stellte die mit 14 Mitarbeitern stattlich besetzte Entwicklungsabteilung alles auf den Prüfstein. Das fing an beim Gehäuse, das wie ein Schiffsrumpf hinten zusammenläuft und dessen Bassreflexrohre aus Gründen der besseren Ankopplung direkt hinter den beiden 8-Zoll-Tieftönern sitzen. Der Aufwand, den die DALI-Tischler für ein Epicon-8-Gehäuse treiben, ist bemerkenswert. Die Front ist 33 Millimeter stark. Die geschwungenen Seitenwände bestehen aus sechs aufeinander geleimten MDF-Platten, die durch Erhitzung in die gerundete Form gebracht werden. Diese Seitenteile münden in einen „Kiel“ aus 63 Millimeter starkem MDF, in dem die Bassreflexrohre und die Anschlüsse eingelassen sind. Und das Ganze ist liebevollst verarbeitet und lackiert.

Die starre Kombination aus 29 Millimeter Hochton-Seidenkalotte plus Bändchen-Superhochtöner ist typisch für fast alle DALI-Modelle. Und natürlich erst recht für das Flaggschiff. Das Bändchen spielt ab etwa 10 Kilohertz und sorgt dort für eine erweiterte Abstrahlung.
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Die starre Kombination aus 29 Millimeter Hochton-Seidenkalotte plus Bändchen-Superhochtöner ist typisch für fast alle DALI-Modelle. Und natürlich erst recht für das Flaggschiff. Das Bändchen spielt ab etwa 10 Kilohertz und sorgt dort für eine erweiterte Abstrahlung.

Chassis vom Feinsten

Noch substanziellere Arbeit leisteten die Entwickler bei den Chassis. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass DALI schon immer eine sehr enge Zusammenarbeit mit der dänischen Chassis-Industrie, hier vor allem mit Vifa und Scan Speak, betrieben hat. Einige der Epicon-Entwickler wurden dort sogar abgeworben. Man darf also unterstellen, dass diese Leute ihr Handwerk verstehen. Das ist wichtig, denn DALI hatte sich bei der Forschung zu den neuen Epicon-Chassis nichts Geringeres als die Lösung der magnetischen Verzerrungen der Tief- und Mittelton-Magnete auf die Fahnen geschrieben.

Das scheint tatsächlich gelungen zu sein. Mit Soft Magnetic Construction (SMC) fanden die Dänen ein Gemisch, aus dem sie nun Magnete aufbauen können, die von der Stärke her mit klassischen Eisenmagneten vergleichbar sind. Man kann sie so geschickt aufbauen, dass sie in der Nähe des Luftspalts viel weniger durch die induzierte Schwingspule aufgeladen werden. Gerade bei den Frequenzen, bei denen die Schwingspule große Bewegungen machen muss, also im Tiefmitteltonbereich, können so hässliche Verzerrungen minimiert werden.

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„Wir haben SMC natürlich auch im Hochtonbereich ausprobiert“, erklärte Geschäftsführer Lars Worre, als stereoplay auf DALI-Besuch war und tiefe Einblicke in die Forschungsergebnisse bekam. „Da war SMC kein Vorteil.“ Im Bass und Mittelton umso mehr, zumal es den Dänen gelang, auch die Spulen-Induktivität der neuen Treiber sehr linar zu halten. Die Frequenzweichen können deshalb etwas weniger aufwendig ausfallen und die Verstärker wird es freuen, weil sie nicht gegen stark wechselnde Widerstände anarbeiten müssen. Es ist ja eine der wesentlichen Erkenntnisse unserer Forschungen der letzten Jahre, dass sich der Einfluss einer stark schwankenden Impedanz negativer auf den Verstärker beziehungsweise auf das Klangergebnis niederschlägt als befürchtet.

Doch wie gesagt: Bei der Epicon 8 verläuft alles glatt. Der Frequenzgang reicht bis zur Messgrenze von 40 Kilohertz und die Impedanz verläuft ebenfalls tadellos glatt. Hinzu kommen der ordentliche Wirkungsgrad von 85,5 Dezibel und der maximale, annährend unverzerrte Pegel von 111 Dezibel.

Ebenso charakteristisch wie die Kombination von Hochtöner und Bändchen sind für die DALI-Lautsprecher dieser Tage die Membranen mit rötlich schimmernder Zellulose. Die Dämpfung dieses Stoffs ist weit besser als die von Metall oder Keramik, dafür sind die Membranen nicht ganz so steif. Es ist immer eine philosophische Frage, welcher dieser gegensätzlichen Punkte wichtiger ist.
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Ebenso charakteristisch wie die Kombination von Hochtöner und Bändchen sind für die DALI-Lautsprecher dieser Tage die Membranen mit rötlich schimmernder Zellulose. Die Dämpfung dieses Stoffs ist weit besser als die von Metall oder Keramik, dafür sind die Membranen nicht ganz so steif. Es ist immer eine philosophische Frage, welcher dieser gegensätzlichen Punkte wichtiger ist.

Dali Epicon 8: Hörtest

Über 110 Dezibel klingt nach viel, aber das, was die Epicon 8 letztendlich in den Hörraum blies, war eindeutig sehr viel lauter. Limp Bizkit oder Metallica – die große DALI hämmerte die derben Riffs und grollenden Bässe so unbekümmert und unverzerrt aus den Chassis, dass es allen Anwesenden ein fast debiles Grinsen ins Gesicht zauberte. Man hört HiFi nur selten so laut. Aber wenn es die Box schon einmal hergibt...

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Aber der Reihe nach. Wir haben uns natürlich – wie es sich gehört – von leise nach laut hochgehört. Die ersten Versuche liefen wie üblich an einer Röhre (Ayon Spirit III ), was aber klanglich nicht überzeugen konnte. Die Epicon 8 ist zwar nicht schwer zu betreiben, aber 30 Watt reichen ihr dann doch nicht. 

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Sehr überzeugend hingegen geriet der Auftritt am Ayre AX-5. Der Raum öffnete sich, alles hatte eine wunderbare Struktur und Leichtigkeit. An der Referenzkette mit Pass-Vorstufe XP 30 und den Ayre Monos AX-R aber schien alles noch ein bisschen offener und feiner zu sein. Überhaupt: Die Leichtigkeit, mit der die DALI die feinen Perkussions-Verästelungen in Monti Alexanders „Hurricane Come And Gone“ darstellte, die Kraft mit der sie das Grollen des Hurrikans (dargestellt durch den derb bearbeiteten Flügel) herüberbrachte, war atemberaubend. Ein Vergleich mit der stereoplay-Arbeits-Referenz B&W Diamond 802 unterstrich die hohen Ambitionen der Epicon. Obwohl in der holografischen Abbildung und in der Präzision der einzelnen Schallereignisse nicht ganz so stark und prägnant wie die B&W, zeigte die DALI noch mehr Klangfarben, hatte mehr Kraft im Tiefbass und spielte noch um einiges lauter.

Die Bassreflexrohre der Epicon 8 sitzen direkt hinter den 8-Zoll-Bässen, was sich nur bei einer tiefen Abkopplung (hier 200 Hz) empfiehlt, weil sonst zu viele Mitten über das Rohr nach außen gelangen. Ob die kurze Distanz von Bass zu Rohr tatsächlich zu einer besseren Ankopplung führt, sei dahingestellt.
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Die Bassreflexrohre der Epicon 8 sitzen direkt hinter den 8-Zoll-Bässen, was sich nur bei einer tiefen Abkopplung (hier 200 Hz) empfiehlt, weil sonst zu viele Mitten über das Rohr nach außen gelangen. Ob die kurze Distanz von Bass zu Rohr tatsächlich zu einer besseren Ankopplung führt, sei dahingestellt.

Fazit

Ob hart oder zart, ob laut oder leise: Die Epicon 8 kann fast alles. Sie ist in ihrer Klasse nicht nur einer der universellsten, sondern auch einer der „preiswertesten“ Lautsprecher. Ein Flaggschiff, wie man es sich nur wünschen kann.

 
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