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Testbericht D/A-Wandler Naim Audio DAC

Innovationen bei D/A-Wandlern dienen nur selten dem guten Klang. Doch mit dem neuen DAC (2600 Euro) bringt Naim nun ein wirklich bahnbrechendes Konzept.

Naim Audio DAC

Hersteller
Naim Audio
UVP
3000.00 €
Wertung
66.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Tester
stereoplay

Der britische HiFi-Nonkonformist Naim gilt schon immer als eiserner Verfechter des integrierten CD-Spielers. Nicht ohne Grund: Im Gegensatz zu separaten Laufwerk-Wandler-Kombis erlauben es integrierte CD-Spieler, den Systemzeitgeber für alle beteiligten Komponenten, die Zeitbasis, direkt beim D/A-Wandler zu platzieren: Das ergibt geringstmöglichsten Jitter – beste Vorrausetzungen also für optimalen Klang.  

Das Anwählen der digitalen Eingangsquelle geschieht über frontseitige Drucktasten. Stecken dagegen Speichermedien im USB-Eingang, dienen sie als Navigationstasten zur Titelsuche.

Sind Laufwerk und Wandler jedoch getrennt, muss sich der D/A-Wandler-Baustein für konstanten Daten-Nachschub wohl oder übel in den Systemtakt des Laufwerks einklinken. Das geschieht normalerweise durch eine elektronische, phasenstarre Regelschliefe, die PLL. Die wertet den digitalen Signalstrom kommend vom S/P-DIF-Eingang aus und führt den Wandler-Takt entsprechend den Vorgaben vom Laufwerk nach. 

Um Schwankungen im Datenstrom des Laufwerks auszugleichen, muss die PLL einen gewissen Fangbereich besitzen. Es liegt auf der Hand, dass allfälligem Jitter samt den einhergehenden Klangbeeinträchtigungen auf diese Weise Tür und Tor geöffnet sind. Daher git: Je kleiner der Fangbereich der PLL, desto besser der Klang. Ein Problem gibt es dabei. Fällt der Fangbereich zu klein aus, kommt es bei instabileren Quellen schnell zu Aussetzern, weil der Datenstrom abreißt.

Die S/P-DIF-Schnittstelle erfordert also einen Kompromiss, wobei der D/A-Wandler stets an einer langen Leine hängt. Obendrein lässt dich das Taktsignal aus dem S/P-DIF- Datenstrom niemals ganz ohne Jitterfehler gewinnen, da Synchronimpulse und Audidaten in einem einzigen Signal verschachtelt sind.  

iPod, Computer & Co trugen jedoch entscheidend dazu bei, dass externe D/A-Wandler für HiFi-Fans in letzter Zeit zunehmend attraktiver werden. Dem wollte sich auch Naim nicht verschließen, und so bieten die Briten mit dem 2600 Euro teuren DAC nun erstmals in ihrer Firmengeschichte einen separaten D/A-Wandler an.

DAC-Technik: 10 Festfrequenzen contra Taktjitter

Der DAC löst die durch die S/P-DIF-Schnittstelle bedingten Jitter-Probleme auf ebenso eigenständige wie gründliche Weise: Bei ihm fließen die von der Quelle gelieferten Digitalsignale zunächst mal so wie sie kommen in einen riesigen Datenspeicher (RAM). Ein leistungsfähiger SHARC-Signalprozessor ermittelt dabei aus Füllstand pro Zeitspanne den durchschnittlichen Datenfluß Anschließend wählt er diejenige von insgesamt 10 zur Verfügung stehenden Auslese-Taktraten aus, die diesem Wert am nächsten kommt.

Als Analogausgang dient dem DAC wahlweise ein Cinch-Terminal oder eine DIN-Buchse. Praktisch ist auch der Ground-Lift-Schalter, der Schutzleiter und Schaltungsmasse trennt.

Daher kann der DAC anstelle einer ständig nachregelnden PLL einen extem jitterarmen Festfrequenz-Oszillator einsetzen, der zudem direkt bei den D/A-Wandlerbausteinen platziert ist. Lediglich bei sehr instabilen Eingangsignalen hilft ein spezieller, asysnchroner Samplerate-Konverter genannter Baustein aus.

Noch ein weiterer Trick soll dabei dem Naim DAC zu bestem Klang verhelfen: Obwohl er als Oversampler arbeitet, packt er nicht wie üblich zwischen zwei Original-Samples  3 interpolierte, sondern 15 Nullspannungswerte. Diese „Zero-Stuffing“ genannte Methode produziert präzise Kurvenzüge bestehend aus unzähligen Nadelimpulsen, wobei sich die extrem hohe Abtastfrequenz mit einem relativ einfachen, klanglich aber umso besseren Analogfilter entfernen lässt. 

Wie sehr Naim vom Anti-Jitter-Konzept des DAC überzeugt ist, zeigt die Tatsache, dass  er neben den vier koaxialen S/P-DIF-Eingängen auch vier optische Toslink-Einfahrten mitbringt. Entgegen der landläufigen Auffassung gestehen die Engländer denen sogar Vorteile zu: Auf optischem Wege schleichen sich keine hochfrequenten Störsignale ein, die den Klang trüben könnten.

iPod-Besitzer freuen sich  über den USB-Eingang beim DAC, der dank Apple-Schnittstelle sogar digital mit dem Taschenspieler anbändelt. Als USB-Host musiziert der DAC jedoch auch direkt mit USB-Sticks oder Speicherkarten – jedoch nur in vom iPod unterstützten Datenformaten. Weil  der DAC kein Display mitbringt, macht das Navigieren auf externen USB-Medien allerdings keine rechte Freude.

Der Naim DAC überzeugt durch perfektes Timing

1) Die Ausgangsstufe ist mit diskreten Halbleitern bestückt. 2) Mit Hilfe zweier Schwingquarze und einigen elektronischen Schaltern erzeugt der DAC zehn feste Taktfrequenzen. 3) Die eingehenden Digitaldaten werden zunächst unbearbeitet in einem großen RAM-Puffer zwischengespeichert.

Beim Hörtest brauchte es keine Gold-Ohren, um zu hören, dass der DAC neue Klangdimensionen erschließt. Während andere D/A-Wandler beispielsweise HiHat-Becken „Zig Zig“ aufeinandersausen lassen, macht der Naim ein körperhaftes „Tschök Tschök“. Seine sagenhaft substanzielle Spielweise wurzelt dabei in beispielhafter Konturenschärfe. Hier liegt auch die eigentliche Kraftquelle für seine vollen, plastischen Klangfarben, denn durch seine Punktgenauigkeit kann er vollkommen auf klangkosmetische Klimmzüge in Sachen Amplitudenfrequenzgang verzichten.Aufgrund seiner Authentizität versagen bei ihm auch klassische Klangattribute wie hell oder dunkel – er klingt einfach „absolut richtig“.

So spielt beispielsweise der USB-Wandler -Crack Ayre QB 9 (Test: 2/10) zwar noch  einen Hauch luftiger, jedoch keineswegs detailreicher als der Naim, der zudem mehr Bodenständigkeit und Punch vermittelt. Noch mehr davon gibt‘s beim Anschluss des Netzteils XPS – obwohl die autarke Stromversorgung im DAC keineswegs spärlich ausgfiel. Aber schon in den ersten Takten von „Budda Wears Headphones“ von DJ Nartak‘s genialer „Klassikradio Nightflight 3“-CD-Compilation erklangen die schweren Klavieranschläge mit spürbar mehr Power und Massivität. Gleichwohl wurde das Klangbild keinesfalls dicklicher. Eher im Gegnteil: Straffer, schlanker und noch mehr auf den Punkt, obwohl sich die akustischen Räume noch offener darstellten. Der Anschluss des externen Kraftwerks brachte  ausschließlich  Vorteile – allerdings müssen die Lautsprecher das Mehr an Basskraft auch wirklich rüberbringen können.

Wie gut das Anti-Jitter-Konzept aufgeht, beweist ein Test: Versorgt vom Low-Budget-CD-Spieler Onkyo DX-7355 lässt das ungleiche Naim-Onkyo-Gespann einem gestandenen, integrierten CD-Player keine Chance. Es spielt randschärfer,  weniger nervös, kraftvoller mit mehr Ton und Fülle. Keine Frage: Neue Referenz.

Alle Daten und Testergebnisse zum Naim Audio DAC

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