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Testbericht Clearaudio Concept

Der Clearaudio Concept lockt mit leichter Bedienung, schickem Design und Magnetlager-Tonarm. Genug, um damit Digital-Jünger zu bekehren?

Clearaudio Concept

Hersteller
Clearaudio
UVP
1000.00 €
Wertung
85.0 Punkte
Testverfahren
1.0

Magie scheint die Schallplatte zu schützen und wie den Highlander Connor MacLeod unsterblich zu machen. In Fachzeitschriften und Foren lebhaft geführte Diskussionen über das Für und Wider der schwarzen Scheibe halten sie genauso am Leben wie mancher Hersteller von Plattenspielern, der ihr mit Detailverbesserungen das letzte Quentchen Klang entlocken möchte. Das weckt Neugier selbst bei Musikfreunden, die sich im Zuge der digitalen Revolution schon vor Jahren endgültig von den analogen Formaten verabschiedet hatten. Dessen ungeachtet erinnert sich der eine oder andere nun daran, dass auch im eigenen Keller noch vinyle Schätze schlummern.

Nur: Ist der Umgang mit Plattenspielern nicht immer irgendwie umständlich gewesen? Hatte man nicht deshalb erst CD-Playern und schließlich Festplatten-Vertretern den Vorzug gegeben, weil sie wesentlich besseren Bedienkomfort bieten? Was aber, wenn es einen einfach zu beherrschenden Analog-Dreher gäbe, mit dem sich die Rillenträger genussvoll und leicht zu Ohren führen ließen?

Die Idee, einen spielbereiten, fertig montierten und justierten Plattenspieler zu offerieren, ist nicht neu. Doch der Clear­audio Concept gefällt schon durch das elegante Design eines in die ­Moderne transportierten, klassisch integrierten Spielers. Fans, die auf die optischen Reize eines HiFi-Gerätes ebenso viel Wert legen wie auf dessen klangliche Fähigkeiten, wird es freuen, dass die Erlanger den Concept mit einer satinierten Außenhaut umgeben. Auch bei intensiver Nutzung bleiben keine hässlichen Fingerabdrücke zurück. Schlimmer als solche Gebrauchsspuren wären allerdings Resonanz-Rückstände im Klangbild, die von einem unruhig laufenden Antriebsmotor oder Lagerreibung herrühren. Um diesem Übel beizukommen, kleidet Clearaudio den aus mitteldichter Holzfaser bestehenden Kern des Chassis in einen Mantel aus Kunststoff. Durch die unterschiedliche Dichte der Werkstoffe sollen Schallwellen beim Übertritt von einem Material in das andere gebrochen werden, dadurch an Energie verlieren und rasch auslaufen. 

Weitere technische Kabinettstückchen wie das ausgelagerte, spannungsstabilisierte Netzteil, der von der Zarge entkoppelte Gleichstrom-Motor oder der über einen geschliffenen Flachriemen angetriebene Plattenteller aus Polyoximethylen (POM), sollen dem Neuling zu sauberem Klang verhelfen. Um dieses Ziel mit allen Mitteln zu erreichen, verrichtet auch im Concept – wie in anderen Spielern der Marke – ein Magnet-Lager seine Dienste. Allerdings nicht, wie man jetzt vermuten könnte, als Plattenteller-Drehpunkt. Hier kommt, im Gegensatz zum Avantgarde oder Performance aus gleichem Hause, ein Lager aus poliertem und gehärtetem Stahl zum Einsatz, das auf einem Teflonspiegel läuft und auf diese Weise Reibung reduzieren soll.

Anziehend: Der Tonarm des Concept besitzt ein Magnetlager. Das ist nicht nur reibungsfrei, sondern auch sehr robust.

Das Magnet-Lager ist stattdessen beim Concept im Tonarm zu finden. Es besteht im Wesentlichen aus zwei fingernagel-großen, sich gegenseitig anziehenden Neodym-Dauermagneten. Dazu hält ein am Tonarm befestiger Faden die beiden Magnete auf wenige Millimeter Abstand, wobei der obere Magnet Bestandteil der Tonarmführung und der untere in den Tonarm eingelassen ist. Das macht das Lager verschleiß- und wartungsarm; eine Feststellung übrigens, die sich für das wertig verarbeitete Gerät insgesamt treffen lässt.

In der Bedienung unterscheidet sich der magnetgelagerte Arm nicht von herkömmlichen Tonarmen. Der Concept ist ein manueller Spieler, verlangt vom Besitzer also, dass er den Arm zu Beginn der Hörsitzung zur Platte und abschließend zur Auflage zurück führt. Mit Hilfe des Tonarm-Lifts und der präzisen Arm-Mechanik funktioniert das tadellos, die angepeilten Stellen auf der Platte lassen sich sehr gut treffen. Das vordere Ende des Arms besetzt ein Abkömmling der Clearaudio-Classic-Tonabnehmer-Reihe, den die Erlanger anbringen und justieren. AUDIO hat die werkseitigen Einstellungen überprüft – Überhang und Auflage­kraft stimmten exakt.

Als Komplettpaket ersonnen, ist der Concept kein Dreher für Tüftler. Vielleicht setzt sich im Laufe der Zeit aber der Spieltrieb durch, und man möchte mit anderen Tonabnehmern experimentieren. Dieser Absicht steht nichts im Weg, da die wichtigen Parameter Armhöhe, Auflage- und Anti-Skating-Kraft alle einstellbar sind. Einen kleinen Wermutstropfen für Wechselwillige gibt es jedoch: Der Drehknopf zur Einstellung des Anti-Skatings ist in die Bodenplatte eingelassen. Um daran zu kommen, muss man das Gerät erst anheben. Dabei wäre es hilfreich, würde Clearaudio die Austausch- und Einstellprozedur in der Anleitung detailliert beschreiben.

Etwas anderes fiel den Testern erst beim Auflegen verschiedenster Schallplatten auf: Durch die ungewöhnliche Konstruktion wirkt das Lager des Tonarms auch als Feder. In Folge variiert die effektive Auflagekraft mit der Plattendicke: Bei hochwertigen, dicken 180-Gramm-Scheiben lag sie rund 0,2 Gramm höher als bei knapp einen Millimeter dünneren Standard-LPs.

Die Referenz-Kette mit Vorstufe Accuphase C-2810, Endverstärker Ayre V-5 XE und den Lautsprechern KEF Refe­rence 207/2 wartete bereits auf den Auftritt des Concept. Brian Mays akzentuiertes Gitarren-Intermezzo in „Innuendo" („Innuendo“, EMI) bildete der Clearaudio schon mit Original-Tonabnehmer sehr sauber, warm und ausgewogen ab. Die im oberen Mittelton- und Präsenzbereich eher weiche und runde Abstimmung ist angesichts der angepeilten Klientel kein Fehler: Gerade jene Pop- und Rockplatten aus den 80er-Jahren, die in den Sammlungen vieler Wieder-Einsteiger ihrer Neu-Erforschung harren, zeichneten sich oft durch ein leicht anämisches, bassarmes, obenrum schrilles Klangbild aus. Das hat nichts mit der Press­qualität zu tun. So wurde damals produziert, passend zu den neonfarbigen Grafikorgien auf vielen Covers. Mit einem hochauflösenden Spieler bereitet das Wiederhören solcher Discs (deren CD-Versio­nen auch nicht besser sind) nur eingeschränkt Vergnügen. Der gutmütige Concept schaffte es dagegen, die Aufmerksamkeit wieder auf die Musik zu lenken.

Wer noch tiefere Einblicke will, kann immer noch aufrüsten. Das mit überzeugenden Bass- und Mittelton-Fähigkei­ten gesegnete Goldring MM2500, dank des nur kurz zurückliegenden Tests in AUDIO 3/09 schnell zur Hand, half dem Concept, ohne Gefährdung der warmen Balance noch transparenter zu spielen. Er blühte deutlich auf und rückte jetzt näher an den – ebenfalls mit dem Goldring-Abtaster bestückten – Transrotor Avorio heran, der noch im Hörraum weilte. Paul Hardcastles famos produzierte Songs „Don‘t Waste My Time" oder „19" („Paul Hardcastle“, Chrysalis) strotzten vor Kraft, die Gitarren-Riffs in Morgenrots „Johnny‘s Traum" („Morgenrot“, CBS) fegten ebenso orkanartig durch den Hörraum wie bei Manfred Manns „For You" („Chance“, Bronze) und bescherten dem Publikum wunderbare Wiederhörensfreuden. Schade eigentlich, dass der Concept nicht auch noch über eine Wiederhol-Funktion verfügt – die hätte man brauchen können.

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