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Testbericht CD-Receiver-System Revox M100

Der Bauhaus-Receiver: Das mitwachsende CD-Receiver-System M 100 (ab 4500 Euro) ist quasi die Quintessenz des modernen Revox: beliebig vielseitig und trotzdem ganz schön audiophil.

Revox M100 Basic
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Das war ja wirklich putzig, was Revox-Geschäfts­führer Markus Halbig und der mitgereiste Entwicklungsleiter Wolfgang Kelpin bei ihrem Besuch in der Redaktion da auspackten. Der kleine CD/DVD-Receiver M 100 mit seinen Kantenlängen von gerade einmal 18 x 37 x 34 Zentimetern wirkte neben den Vor-/End­stufen-Kombinationen dieser Ausgabe wie Spielzeug.

Unterschätzen Sie mir die M 100 nicht“, sagte Kelpin, als er unsere Blicke sah. „Wir haben hocheffiziente PWM-Endstufen eingebaut; die treiben selbst anspruchsvollste Lautsprecher.“

Am Basis-System M 100  hat im Testaufbau schon  das Multimedia-Modul  (plus 1500 Euro) angedockt. Erweitern kann man in jede Himmelsrichtung. Auch diese Option macht das Revox-System so aufregend.
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Am Basis-System M 100 hat im Testaufbau schon das Multimedia-Modul (plus 1500 Euro) angedockt. Erweitern kann man in jede Himmelsrichtung. Auch diese Option macht das Revox-System so aufregend.

Tatsächlich sind die von Revox selbst entwickelten Leistungsstufen nicht ohne. Dank ihres adaptiven Softclippings, das ebenfalls viele NAD-Verstärker zu Mehrleistung ­beflügelt, kommen sie auf über 200 Watt pro Seite.

Weil die eingebaute Regelschleife auch die Ausgangsfilter mit einbezieht, leiden diese Digital-Endstufen nicht unter dem Dilemma vieler ihrer Mitbewerber: Bei ihnen sind Klang und Leistung weitgehend unabhängig von der Impedanz der angeschlossenen Lautsprecher.

Die Entwicklung dieser ­anspruchsvollen Projekte legt Revox seit 1997 in die Hand von Jürgen Lindemann, der davor mit seinem Bruder Norbert unter dem Lindemann-Label etliche sehr feine High-End-Komponenten entwarf. Das ­Gespür für das klanglich Hochwertige ist hier in jedem Fall vorhanden.

Zurück zur kleinen M 100. Das Designkonzept war schon zur IFA 2008 fertig, doch die Geräte kamen erst im Dezember 2010 in den Handel. Man wollte sich die Zeit lassen, sagt Halbig: „Es musste einfach richtig gut werden. Ein Gerät, das geeignet ist, an die große Revox-Tradition anzuknüpfen.“

Aber auch das muss man ­sehen: Revox hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Aus dem Hersteller feinster HiFi- und Studiotechnik wurde ein Anbieter anspruchsvoller Unterhaltungselektronik für das ganze Haus; die enge Kooperation mit dem Heim-Steuerungs-Profi Gira hat bei Revox noch einmal mehr die Sinne für Anwendungen und Einbindungen in Haus-Systeme geschärft. Eine Anlage, die Revox-Tradition und -Moderne bedient, musste zwangsweise sehr edel und extrem vielseitig werden.

Die Revox G Prestige  ist eine schlicht-edle Dreiwege-Bassreflexbox mit vier 4-Zoll-Tieftönern, einem 4-Zoll-Mitteltöner und einer mit 30 Millimetern äußerst großen Hochtonkalotte.
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Die Revox G Prestige ist eine schlicht-edle Dreiwege-Bassreflexbox mit vier 4-Zoll-Tieftönern, einem 4-Zoll-Mitteltöner und einer mit 30 Millimetern äußerst großen Hochtonkalotte.

Die Planungen mündeten letztlich in eine Kombination kleiner Hightech-Kästchen, die in drei Millimeter starkes Aluminium gewandet sind. Schon das Anfassen vermittelt Ver­trauen. Die Module bilden ein intelligent verbundenes Bau­kasten-Konzept, das mit den Ansprüchen oder mit der Wohnung mitwächst. Neben dem hier ­getesteten Basismodell M100 gibt es das Tuner-, das Multiroom-, das Server- und das Multi-Zones-Modul (siehe Bildergalerie).

Im Basis-Modul steckt ein erstaunlich rauscharmer und klangstarker UKW-Tuner sowie ein DVD-Laufwerk. „Nach langer hausinterner Diskussion“ so Halbig, entschloss man sich, auch die Video-Signale auszugeben. Selbst wenn dieser Punkt nicht ganz oben im Pflichtenheft stand: Das Bild des M 100 war quasi rauschfrei, farbstark und damit besser als das der meisten Oberklasse-Player aus der Rang & Namen-Liste von stereoplay.

Ein Blu-ray-Laufwerk wäre natürlich die Krönung gewesen. Doch das, so Kelpin, hätte beim besten Willen nicht mehr in das kleine Gehäuse gepasst. Will der geneigte Kunde unbedingt Blu-ray-Filme sehen, verweist Halbig auf den hauseigenen Server M 117, der bald kommt: „Der beherrscht sämtliche Formate und kann alle Filme und CDs archivieren.“

Die Grundbedienung des kleinen M 100 ist kinderleicht. Das nicht mehr ganz modern anmutende Display führt den Nutzer zu jedem wichtigen ­Programmpunkt. Nach einer gewissen Zeit der Inaktivität erlischt es, um – sobald man sich mit der Hand nähert – wieder anzugehen. Sehr nett. Wie der Umstand, dass man sogar die Sensibilität (ab welchem Abstand reagiert das Display?) einstellen kann. Das Setup für solche tiefergehenden Einstellungen öffnet sich nach länge­rem Druck auf die „Timer“-Taste.

Hiermit bekommt man auch Zugriff auf den eingebauten DSP, der eine Grenzflächen-Entzerrung und eine Frequenzgang-Linearisierung von Revox-Lautsprechern erlaubt; Fremdlautsprecher lässt man diesbezüglich bewusst außen vor. Man gibt über einen Code das vorab geladene Modell ein, und schon bügelt der M 100 auch kleinere Frequenzgang-Abweichungen aus. Beim Testmodell mit der hauseigenen G Prestige hat das jedenfalls bestens geklappt.

Bewertung: Revox M 100 Basic
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© stereoplay
Bewertung: Revox M 100 Basic

Der DSP ­begrenzt auf Wunsch auch die Hauptlautsprecher im Bass, wenn man einen zusätzlichen Subwoofer anschließen will. Hier aber liegt die Übergangsfrequenz fix bei 100 Hertz.

Zum Beipack des M 100 gehört eine sehr flache Fernbedienung, die aber wohl meistens im Karton verbleiben wird. ­Revox hat nämlich unlängst eine App für iPad, iPod oder iPhone entwickelt. Sie zaubert genau das M-100-Display auf die Apple-Geräte. Das ist natürlich eine sehr viel smartere Lösung.

Im Hörtest lief die M 100 zuerst an den Arbeitsreferenzen B&W 802 Diamond. Vom Charakter her eher zurückhaltend und fast röhrenähnlich warm, entfaltete sie dennoch das volle Klangpanorama und die Impulsivität von Monty Alexanders perkussivem Feuerwerk „Hurricane Come And Gone“. Das tönte jedenfalls viel besser, als wir es von den Würfelchen ­erwartet hätten.

Bewertung: Revox G Prestige
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© stereoplay
Bewertung: Revox G Prestige

Aber was heißt das? Wo steht die M 100 in der Rangliste? Ein Vergleich mit Full-Size-Komponenten ist zwar gemein, hilft jedoch bei der Standortbestimmung. Die Kombination aus Vincent SV 234 plus CD 4 S hatte zwar noch ein bisschen mehr Dampf und Nachdruck, doch harmonischer und letztendlich in den Höhen feiner agierte die Revox.

Wie war das noch mit der möglichen Anpassung von Revox-Boxen? Genau. Halbig und Kelpin hatten als M-100-Ergänzung die Re:sound G Prestige (3000 Euro) mitgebracht. Die schlanke Standbox schlug sich hervorragend und klang nach viel mehr Volumen, als sie tatsächlich einnimmt. Im Grundcharakter ähnelte sie der hervorragenden Dynaudio Excite X 32. Stimmen – etwa die von Livingston Taylor – zelebrierte sie ähnlich sonor-packend und fein auflösend.

Und an der M 100 wurde sie noch besser. Die trickreiche Entzerrung brachte zwar nicht mehr Pegelfestigkeit (die G ­Prestige kam eher ans Limit als die Endstufen der M 100), aber dafür noch einmal mehr Souve­ränität und Homogenität.

Für den M-100-Kunden also lohnt es sich sehr wohl, auf aktuelle (weil im DSP vorentzerrte) Revox-Lautsprecher zurückzugreifen. Ganz schön pfiffig sind sie, diese Schwarzwälder. Und in der Lage, ein ebenso groß­artiges wie bezauberndes ­Musiksystem zu produzieren.

Markus Halbig
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Markus Halbig, Geschäftsführer Revox

Markus Halbig (­Geschäftsführer, links) und Entwicklungsleiter Wolfgang Kelpin ziehen schon seit langem die Strippen beim Edelhersteller Revox und entwarfen auch gemeinsam das M-100-Konzept.

stereoplay: Herr Halbig, bei Revox schwingt immer noch das Schweizer Element wie ein Mythos mit. Wie schweizerisch ist Revox überhaupt noch ­heutzutage?

Markus Halbig: Willy Studer hat Revox Ende 1970 verkauft. Einige
der neuen Besitzer sind zwar Schweizer, aber keineswegs alle. Die Schweiz ist noch ideelles Mutterland, aber es gibt dort keine Produktionsstätten mehr. Die liegen heute alle im Schwarzwald.

stereoplay: Sie selbst unterstreichen immer das „Made in Ger­many“. Ist das in der globalisierten Welt von heute überhaupt durchzuhalten?

Markus Halbig: Aber ja. Unsere Zulieferer sitzen sogar fast alle rund um uns herum im Schwarzwald. Wir können zwar unmöglich alles selber machen, achten aber strengstens darauf, dass möglichst viele Bauteile aus Deutschland oder wenigstens aus Europa kommen.

stereoplay: Ein großer Teil des Mythos Revox basiert auf den vielen Topgeräten der 70er und 80er Jahre. Können Sie die noch alle reparieren?

Markus Halbig: Ja, bis auf kleinste Ausnahmen. Nur bei den Tonbändern beziehungs­weise deren Tonköpfen wird es schwieriger. Noch haben wír genug. Aber wenn die weg sind, ist es vorbei. Weltweit gibt es niemanden, der sie noch fertigen kann.

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