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Testbericht

CD-Player Lyric CD-100

Testergebnis
110.0 Punkte
1300 EUR
Testverfahren: 1.0

AUDIO


Bernhard Rietschel

10. Februar 2010

CD-Player mit Röhren-Ausgangsstufe gelten als Geheimtipp für Hörer, die nach analoger Wärme streben und denen Digitalklänge zunächst einmal verdächtig vorkommen. Der Lyric offierert dieses seltene Feature zu einem günstigen Preis - geht die Rechnung auf?

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Elektronenröhren sind Luxusbauteile, die nicht nur in der Herstellung viel Zeit und Material kosten, sondern die auch schaltungstechnisch einen ganz anderen Aufwand erfordern und damit den Mehraufwand potenzieren. Ob und wie sich die Investition in diese Technik lohnt, lässt sich beim Lyric besonders anschaulich untersuchen. Der Player besitzt nämlich neben einem symmetrischen XLR- auch gleich zwei Cinch-Ausgangspaare, am Testgerät lediglich mit „1" und „2" bezeichnet. Wer nicht den dickwandigen Stahlblechdeckel abschraubt und hinter die Kulissen schaut, könnte meinen, dass es sich lediglich um zwei parallele Ausgänge handelt, wie sie bei zahlreichen vornehmen Playern einfach aus Komfortgründen üblich sind.

Tatsächlich führt jedoch nur Ausgang Nummer 1 das Röhren-gestärkte Signal. Ausgang 2 greift die Musik direkt auf der Wandlerplatine ab, wo die beiden Stereokanäle nach dem eigentlichen DAC nur noch jeweils einen einzigen, hochwertigen Doppel-Op-Amp durchlaufen. Der Schaltplan verrät, dass die Platine mit der Röhren-Ausgangsstufe mit diesem Ausgang parallel liegt. Man spart beim Wechsel von 2 auf 1 also keine Halbleiter, sondern gibt Röhren dazu.


Bild vergrößern 937 731 http://img1.magnus.de/image-r937x731-C-4c7eeafc-12487965.jpg Wenig Show, viel Material: Gleich drei Doppeltrioden 12AX7 ergeben eine vollwertige symmetrische Ausgangsstufe mit perfektem Klirrverhalten – diskret „liegend“ eingebaut.

Wenig Show, viel Material: Gleich drei Doppeltrioden 12AX7 ergeben eine vollwertige symmetrische Ausgangsstufe mit perfektem Klirrverhalten – diskret „liegend“ eingebaut.

Bevor jetzt jemand einwendet, dass die Röhren-Option damit ja eine Verlängerung des Signalwegs bedeute und dem reinen Klang allenfalls schaden könne, sollte bedenken, dass auch OPs  keine unfehlbaren, von der Umgebung völlig unbeirrt arbeitenden Bauteile sind. Die Performance dieser prinzipbedingt stark gegengekoppelten Verstärker, insbesondere ihr Klirrverhalten, ist nicht in Stein gemeißelt, sondern variiert stark je nach angeschlossener Last. Im Zusammenspiel mit der perfekt darauf abgestimmten, als Phasensplitter geschalteten ersten Doppeltriode der Lyric-Ausgangsstufe verhalten sich die OPs komplett anders wie an der unberechenbaren Kombination aus einem nicht näher definierten Stück Kabel und irgendeinem Vorstufen-Eingang.

Ein simpler Vergleich zwischen den beiden Ausgängen beendet ohnehin jede Diskussion. Da die Bedienungsanleitung am eilig eingeflogenen Testgerät noch fehlte und kein Werkzeug im Hörraum lag, musste der Autor den ersten Hörtest gewissermaßen im Blindflug absolvieren und entschied sich, wie auch sämtliche anwesenden Kollegen, ohne das geringste Zögern für den Einser-Ausgang. Der Lyric klang über ihn auffallend präsent, kraftvoll und nach „großem" HiFi, während der Zweier-Output blasser und diffuser wirkte.

Leicht fahl und unentschlossen wirkten auch die Transistorplayer, die zum Vergleich gegen den CD-100 antreten mussten – innerhalb der Preisklasse des CD-100 war „mussten" tatsächlich die richtige Beschreibung: nach dem lustvoll lebendigen, rhythmisch sehr engagiert und straff musizierenden Lyric hatte man wirklich ein wenig das Gefühl, die Gegenspieler stünden gegen ihren Willen im AUDIO-Hörraum, wo sie nun von fiesen Testern in weißen Kitteln zum Spielen gezwungen wurden.

Im direkten Vergleich mit dem teureren, ebenfalls röhrenbestückten Raysonic CD-137 aus dem letzten Heft – und nur dann – ließ sich ein letzter Rest von Rauhigkeit im Hochton ausmachen. Aber das ist ein kleiner, unbedeutender Kritikpunkt, der einem klanglich so riesigen Player überhaupt nicht kratzt. Wenn gute Musik im Player rotiert und nicht klinisch totes Hörtest-Gesäusel, hat man sowieso keine Gelegenheit, den entfernten Obertonbereich auf eventuelle Klirr-Spuren zu durchleuchten. Die einzige wichtige Frage ist dann: Berührt die Musik die Seele, und wenn ja, wie stark? Für den CD-100 kann man das nur mit „sehr stark" beantworten.


Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Abmessung (B x H x T)HöheTiefe 43,0 x 8,0 x 35,0 cm
Gewicht 5,0 kg
Formate  
Wiedergabe MP3 nein
HDCD-Wiedergabe ja
Features
Fernbedienung/lernfähigmit Display ja/nein/FB ohne Display
Lautstärkeregelung nein
CD-Text-Anzeige nein
Röhrenausgangsstufen ja
Titelübersicht nein
ID3-Tag-Anzeige nein
Wiederholung Titel, CD, A-B
Auto-Space nein
Lautsprechergröße einstellbar SACD
Pegelsetup SACD
Laufzeitkorrektur SACD
Einbau-Mehrkanal-Decoder SACD
Anschlüsse
Digital-Ausgänge i-Link 0
Cinch-Audio (Stereo) 1
5.1-Ausgang (Cinch)
5.1-Ausgang (XLR) vorhanden
Digitalausgang ST
Digitaleingänge nein
Kopfhörer-Ausgang/regelbar nein/nein
Messwerte  
Ausgangsspannung CD (0 dB FS) 0 V
Ausgangswiderstand 0 Ohm
Störabstand (A-bewertet) CD 0 dB
Störabstand (A-bewertet) SACD 0 dB
Fehlerkorrektur Infoschicht CD 0 mm
Fehlerkorrektur Oberfläche CD 0 mm
Jitter CD 0 Picosekunden
Leistungsaufnahme Standby/Betrieb 0/0 W
Bewertung  
ja Vitaler, musikalisch anrührender Klang, präsent-griffige Abbildung.
nein
Klang CD 110
Klang SACD ungenügend
Ausstattung sehr gut
Bedienung sehr gut
Verarbeitung sehr gut
Klangurteil überragend 110
getestet in 12/09
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