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Testbericht Blumenhofer Fun 17 im Test

Tom Blumenhofer, Erschaffer höchst ambitionierter und teurer bis teuerster Hornsysteme, versucht sich nun auch im moderaten Preisbereich. Das Ergebnis ist die Fun 17, eine schlanke Standbox mit eigenwilligem Basshorn.
Blumenhofer Fun 17
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© Hersrteller / Archiv

Blumenhofer Fun 17

Blumenhofer Fun 17
Gesamtwertung: gut - sehr gut, 74 Punkte
Preis/Leistung: gut - sehr gut
  • +dynamischer und räumlicher Klang
  • +starke Bässe
  • +Top Verarbeitung
  • +überzeugt auch an kleinen Röhren
  • -schwächelt bei hohen Lautstärken

Normalerweise macht er es wie fast alle anderen Hornanbieter: Im Mittel- und Hochtonbereich seiner Schallwandler (zum Beispiel bei allen Genuin-Modellen) verwendet Tom Blumenhofer Hörner, die Bässe dagegen werden von Bassreflex-Konstruktionen unterstützt. Die Erklärung liegt auf der Hand: Basshörner werden, wenn sie wirklich Tiefbass abgeben wollen, viel zu groß und damit auch viel zu teuer.

Blumenhofer Fun 17: Bass mit Kurzhorn

Doch Blumenhofer, der auch viel mit Beschallung zu tun hat und daher um die Vorzüge von Basshörnern weiß, suchte nach einem Weg, ebenso im Bass den Horngedanken günstiger und vor allem kleiner umzusetzen. Als Lösung fand er ein simples Kurzhorn, das er Viertelwellenhorn nennt.

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Nur ein querlaufendes Brett hinter dem Bass ergibt zusammen mit dem Gehäuse ein sich linear vergrößerndes Horn mit der Austrittsöffnung nach unten; der Tieftöner arbeitet nicht auf eine Druckkammer, sondern strahlt direkt in das Horn.

So simpel und doch so trickreich – denn mit der Öffnung nach unten hält Blumenhofer auch jene Mitteltonanteile, die durch die Hornbedämpfung nicht eliminiert werden und gemeinhin lästig tröten, im Zaum. Vor allem: Man sieht die vergleichsweise große Öffnung nicht. Aber ist diese Bauform überhaupt ein Basshorn? Der Impedanzverlauf weist die Fun 17 eher als eine Bassreflex-Konstruktion aus, der Umstand, dass sie den saubersten Bass mit viel Abstand zu Seiten- und Rückwand produziert, ebenfalls. Der recht hohe Wirkungsgrad und der mit 105 Dezibel passable Maximalpegel sprechen hingegen eher für die Horn-Theorie. 

Das simpelste aller Hörner: Die Fun 17 wird im Bass von einem nur einmal gefalteten Trichter unterstützt. Das Gehäuse ist wie bei allen Modellen der Fun-Serie aus MDF aufgebaut. Der breite Fuß bringt mehr Standfestigkeit. © Hersteller / Archiv
Das simpelste aller Hörner: Die Fun 17 wird im Bass von einem nur einmal gefalteten Trichter unterstützt. Das Gehäuse ist wie bei allen Modellen der Fun-Serie aus MDF aufgebaut. Der breite Fuß bringt mehr Standfestigkeit.

Blumenhofer Fun 17: Aufbau

Belassen wir es mal bei der offiziellen Version. Von der Bestückung her – im Bass ein Horn, im Hochton eine klassische 19-Millimeter Seidenkalotte – ist die Fun 17 jedenfalls ein Gegenentwurf zu den größeren Modellen der Marke, bei denen die oberen Lagen von Hörnern verstärkt werden.

Aber vielleicht will Blumenhofer hier auch eine etwas andere Klientel ansprechen. Denn das stark gerichtete Abstrahlverhalten von Hörnern ist ja auch nicht jedermanns Sache. Für eine luftige und räumlich grosszügige Abbildung stellt eine Kalotte – zumal noch eine derart kleine – sicherlich eine exzellente Wahl dar. Und auch, dass Tom Blumenhofers hauseigene Schreinerei die Modelle der Fun-Serie – neben den klassischen Furnier-Varianten – auf Wunsch in edelstes Leder kleidet, legt nahe: Der Meister möchte mit der Fun 17 nicht nur die rustikalen Hornjünger beglücken.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Wahrscheinlich aber will er die Freunde von Röhren-Amps gewinnen. Die Fun 17 hat nicht nur diesen passablen Wirkungsgrad. Dank ihrer durchgehend hohen (und weitgehend linearen) Impedanz von über 6 Ohm dürften sich die meisten Röhren an ihr recht wohl fühlen. Tom Blumenhofer selbst ist ein Fan der glimmenden Kolben, auf Messen lassen er und sein Öffentlichkeitsarbeiter Andrea Vitali die Schallwandler der Edelmarke am liebsten an den Röhren von Einstein spielen.

Blumenhofer Fun 17: Hörtest

Für den Hörtest hatten wir diese Geräte nicht zur Verfügung, wohl aber die Ayon- Verstärker (Spirit III) und -Endstufen (Vulcan II). Um es vorwegzunehmen: An den angeschlossenen Transistor-Endstufen klang die Fun 17 schon überzeugend, ihre wahren Qualitäten entfaltete sie aber erst an den Röhren.

Da war vor allem der Tiefton: Satt, stabil und erstaunlich tiefreichend meisterte der Fun-17-Bass selbst solch fiese Herausforderungen wie Yellos „The Expert“. Die schlanke Standbox folgte den imposanten Basslinien, ohne je dynamisch einzuknicken, auch die wuchtigen Paukenhiebe zu Beginn von Cáceres’ „Barrio“ (stereoplay-SACD „Ultimate Tunes“) hatten genau die richtige Dosis Wucht und Präzision; man meinte fast, das Fell nachschwingen zu sehen. Und die Stimme von Chris Jones in dem Hörtest-Klassiker „No Sanctuary Here“ hatte jene Kraft, jene warme Färbung, die Jones’ Stimme so einzigartig macht.

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Auch den immensen dynamischen Anforderungen von Markus Schirmers „Gnomus“, eingespielt auf einem mächtigen Fazioli-Flügel, zeigte sich die Fun 17 gewachsen. Die Tastenanschläge kamen so leicht, so transparent; der Raumeindruck und die dreidimensionale Darstellung des Instruments waren einfach fantastisch – wie übrigens auch die Loslösung des Klangbilds von den Lautsprechern. Die Fun 17 produzierte ein sehr glaubhaftes holografisches Ganzes.

Doch wurde es richtig laut, verflüchtigte sich der Zauber, und der kleine Tiefmitteltöner machte in den Mitten zu. Tiefbass und Hochton hätten da noch viel mehr Reserven gehabt, aber die Mitten wurden dann etwas ungnädig. Mit Streichern und Bläsern fiel dieser Charakterzug besonders auf, Stimmen bewältigte die Fun 17 auch dann noch ordentlich.

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Wollte man das schlanke Blumenhofer-Horn in eine Schublage stecken, dann ist sie sicherlich eher eine Box für Jazz und Pop als für großorchestrale Klassik.

Fazit

Das heißt: Die Fun 17 ist kein Allrounder, keine Mainstream-Box. Sie verlangt nach Aufmerksamkeit bei der Verstärkerwahl wie auch bei der exakten Aufstellung. Wer beides beherzigt, bekommt mit ihr eine außergewöhnlich audiophile Spaßbox.

Aus dem Messlabor

Messdiagramme © Hersteller / Archiv
Messdiagramme

Der Frequenzgangseinbruch bei 160 Hertz (oben) sieht heftig aus, ist aber eher ein Messproblem: Weil das Signal sehr breitbandig und die Entfernung zwischen Bass und Hornöffnung recht groß ist, entsteht diese messtechnische Auslöschung – die allerdings nicht ins Gewicht fällt. Im Hörtest war sie nicht wahrnehmbar.

Die leichte Anhebung um 4000 Hertz (unten) hingegen hörte man sehr wohl. Sie führte zu einem sehr direkten Klangbild. Hier empfiehlt es sich, die Boxen nicht direkt auf den Hörplatz auszurichten. Alternative: gerade strahlen lassen, dezent (20 Grad) einwinkeln oder über die Spikes in der Vertikalen noch mehr winkeln.

 
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