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Röhrenverstärker Ayon Crossfire III im Test

Unter Röhren-Fans ist dies die Königsklasse: eine Triode in Single-Ended-Class-A-Schaltung. Doch die Triode macht den Ayon Crossfire III auch wählerisch in Sachen Lautsprecher. Wie klingt der Röhrenverstärker im Test?

Ayon Crossfire III
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© Hersteller/Archiv

Ayon Crossfire III
Gesamtwertung: sehr gut - 79 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +42 Kilo allerfeinster Röhren-Klang
  • +für eine Single-Ended-Triode vergleichsweise viel Leistung
  • +klanglich absolute Spitze
  • -braucht laute, hochohmige Boxen

Wenn die Konstruktion wie im Fall des Ayon Crossfire III weitgehend ohne Gegenkopplung auskommt, kennt die Begeisterung kaum noch Grenzen. Dabei hat diese Schaltungsform so viele Nachteile (hoher Energieverlust, viel zu wenig Leistung für 99 Prozent aller Lautsprecher und zudem meist sehr teuer), dass sie für viele Musikfreunde gar nicht in Frage kommt. Aber – und das macht sie für Audiophile dann doch wieder interessant – an den richtigen Boxen klingt sie einzigartig gut, ist enorm klangfarbenstark und authentisch.

Der Ayon Crossfire III ist eines jener raren Exemplare, die in der Tradition der legendären Western-Electric-300B-Röhre stehen. Nur mag Ayon-Chef Gerhard Hirt nicht immer wieder die alten Schaltungen bemühen. „Es ist Unfug, die x-te Version schon gänzlich ausgelutschter Schaltungen nachzubauen. Wir suchen immer das Neue, das Bessere.“

Die Lautstärke-Regelung ist aufwendig über ein Netz analoger Widerstände geregelt, die von einem Digital-Prozessor gesteuert sind.
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© Hersteller / Archiv
Die Lautstärke-Regelung ist aufwendig über ein Netz analoger Widerstände geregelt, die von einem Digital-Prozessor gesteuert sind.

Ayon Crossfire III: Aufbau

Im Falle der Leistungsröhren des neuen Crossfire heißt das: Ein Paar AA62B sorgt hier für die gar nicht so stattliche Leistung von knapp 20 Watt (an 8 Ohm) pro Kanal und liegt damit weit unter der Prospektangabe von 30 Watt – aber immer noch weit über den nicht einmal 10 Watt, die aus einer klassischen 300B herauszuholen sind.

Bei der AA62B, die auch stereoplays Röhren-Referenz Vulcan II zu Höchstleistungen treibt, handelt es sich mehr oder minder um eine leistungsgesteigerte 300B, die Hirt im ehemaligen Tesla-Werk in Tschechien bauen lässt. Diese Röhre ist eigens für Niederfrequenz entwickelt und braucht nicht diese gewaltigen Spannungen von über 1.000 Volt wie manch andere Leistungsröhre dieses Kalibers.

„Für die klassischen (Hochfrequenz-) Senderöhren“, so Hirt, „musst du immer einen gewaltigen Aufwand treiben, um sie ruhig zu bekommen. Das ist bei der AA62B nicht nötig.“ Auf der anderen Seite ist die AA62B nicht so speziell, dass man keine anderen Röhren einsetzen könnte: Wenn man die Spannung umstellt, dann ist eine 52B genau so denkbar wie eine 32B oder gar eine 300B.

Interview: Ayon-Chef Gerhard Hirt über Trioden

Und weiter geht‘s im Takt der ungewöhnlichen Bestückung: Die Vorstufenröhren sind eben keine klassischen ECC 83, sondern Modelle des Typs 6SJ7. Auch diese Pentode stammt aus den Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg (1935), hat aber für Hirt diverse Vorteile: Zum einen wurde ihr ein vergleichsweise großes Gitter eingebaut. Das bringt der 6SJ7 einen „liebevolleren“ Umgang mit kleinen Signalen. Ein geflügeltes Wort in den 60ern besagte: „Je größer das Gitter, umso besser klingt die Röhre.“ Demnach hätte Hirt hier einen Volltreffer gelandet, zumal diese Röhre durch einen metallischen Überzug gegen elektromagnetische Einflüsse geschützt wird. Von dieser Vorstufenröhre sitzen zwei pro Kanal auf dem Deck des Crossfire III. Wozu das?

Die hinteren verchromten MU-Metalltöpfe schirmen den Netztrafo und die Ausgangsübertrager ab. Unter dem vorderen Topf sitzt eine Drossel, die zusammen mit einem Kondensator eine Netzteil-Siebung vornimmt. Eine zusätzliche Stromfilterung über Kabel oder aktive Filter ist deshalb wenig sinnvoll.
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Die hinteren verchromten MU-Metalltöpfe schirmen den Netztrafo und die Ausgangsübertrager ab. Unter dem vorderen Topf sitzt eine Drossel, die zusammen mit einem Kondensator eine Netzteil-Siebung vornimmt. Eine zusätzliche Stromfilterung über Kabel oder aktive Filter ist deshalb wenig sinnvoll.

Mehr Dynamik

Normalerweise arbeiten Vorstufenröhren auf einen festen Anoden-Widerstand. In der Crossfire-Schaltung mutiert die zweite 6SJ7 zum Widerstand, allerdings zu einem variablen. Dann arbeiten die 6SJ7 in der sogenannten SRPP-Schaltung (Shunt regulated Push Pull), bei der die „obere” Röhre quasi einen Anodenwiderstand bildet, der im Takt der Musik mitgesteuert wird. Das erleichtert der unteren Röhre naheliegenderweise die Arbeit, was den Klirr reduziert und bei Bedarf mehr Strom am Ausgang offeriert.

Kaufberatung: Drei Röhren-Vollverstärker im Test

So arbeitet auch schon der Vorgänger Crossfire II. Neu beim IIIer ist indes die Lautstärkeregelung umgesetzt: Statt eines klassischen Potis wird beim Nachfolger die Lautstärke über einen Prozessor gesteuert, der ein Netzwerk (analoger) Hochpräzisions-Widerstände anleitet. Davon verspricht sich Hirt noch mehr Rauscharmut und eine höhere Lebensdauer.

Gibt es den idealen Klirr?

Aber kommen wir einmal von den Annahmen hin zu den harten Fakten: den Ergebnissen aus dem Messlabor. Die Leistungsausbeute mit 17 Watt ist tatsächlich kaum höher als von dem kleinen Cayin MT 12N. Die Verzerrungskurven allerdings sind wie gemalt. Bleibt die Frage: Hört man diese „idealen“ Verzerrungen? Wie klingt so ein 42-Kilo-Bolide mit zwei Handvoll Watt?

Die „Direct“-Taste verwandelt den Crossfire III zur reinen Endstufe. Bei hochwertigen Playern mit eingebauten Vorstufen ist diese Funktion durchaus sinnvoll.
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Die „Direct“-Taste verwandelt den Crossfire III zur reinen Endstufe. Bei hochwertigen Playern mit eingebauten Vorstufen ist diese Funktion durchaus sinnvoll.

Ayon Crossfire III: Hörtest

Bezaubernd. Verführerisch. Absolut das Wesen der Musik treffend. An der JBL Studio 4365 und an der kleinen Cabasse Bora zauberte der Crossfire III Klangbilder von einer solchen Schönheit, holografischen Tiefe und letztendlich von solcher Authentizität in den Hörraum, dass in Teilbereichen selbst die großen Ayon-Monos Vulcan II Schwierigkeiten hatten, gleichzuziehen. Natürlich hatten die Röhren-Referenzen bei höheren Pegeln mehr Kraft und Stabilität, aber diese Luftigkeit, die völlig natürlich Darstellung von Stimmen...

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Der Ayon-Triode gelingt diese seltene Mischung aus höchster Auflösung und Wärme, eine feine Darstellung ohne jegliche Härte. Im Vergleich zum Octave V 110, dem universellsten Amp der stereoplay-Geschichte, hatten Stimmen noch mehr Timbre, war der Gesang noch lebendiger. Außerdem war die Plastizität der Darstellung so nah, so echt, dass kaum einer schon vorher etwas Besseres gehört hatte.

Wir haben uns auch mit dem Ayon durch viele Boxenkombinationen gehört, und der Crossfire III spielte an den meisten Arbeitsreferenzen (beispielsweise B&W 802 Diamond , Epos Encore 50 und Magnat Quantum 807 ) müde und uninspiriert – da passt weder der Wirkungsgrad noch das Impedanzgebaren. Und diese Lautsprecher repräsentieren über 80 Prozent des Marktes.

Aber wir fanden auch viele Boxen, mit denen er gut harmonierte und ordentlich Pegel machen konnte. Am richtigen Schallwandler gehört er zu den am besten klingenden Verstärkern der Welt.

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