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Testbericht Ausgezeichnet aufgezeichnet - Tascam DR 680

Seit Jahrzehnten hat Tascam in Sachen Aufnahmetechnik die Nase vorn. Einen neuen Höhepunkt setzt der japanische Studioausrüster mit dem Profi-Recorder DR 680 (1100 Euro), der 24 Bit / 192 kHz in modernster Flash-Technik aufnimmt.
Tascam DR 680
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© Archiv

So schnelle Umwälzungen wie bei den Aufnahmegeräten gibt es in keinem anderen HiFi-Bereich. Nach Analogband und Compact Cassette etablierte sich die digitale Aufnahmetechnik. Sie wiederum erreichte in nur 30 Jahren über VHS mit PCM-Prozessor, DAT, MiniDisc, CD-R und Festplatte den heutigen Stand der Aufzeichnung auf Standard-Flash-Speicherkarten. Damit – so meinen wir – dürfte aber erst mal für eine Weile Ruhe einkehren, erfüllt doch die SDHC-Karte praktisch alle Wünsche und bietet – zumindest für Audio-Anwendungen – genügend Speicherplatz.

Das professionell gestaltete Gehäuse des DR 680 ist auf vier Seiten mit Anschlüssen und Bedienelementen gespickt – sie sind durch vertieften Einbau  gegen Beschädigungen geschützt. © Archiv
Das professionell gestaltete Gehäuse des DR 680 ist auf vier Seiten mit Anschlüssen und Bedienelementen gespickt – sie sind durch vertieften Einbau gegen Beschädigungen geschützt.

Tatsächlich reichen die damit möglichen 32 Gigabyte (GB) aus, um am Stück ungefähr 7,5 Stunden in Super-Tonqualität mit 24 Bit Auflösung und einer Abtastfrequenz von 192 Kilohertz aufzunehmen. Dieses Qualitätsmaximum hat sich Tascam für die Entwicklung des DR 680 als Messlatte gesetzt – und in der Kombination mit ausgefuchsten Features der professionellen Audiotechnik einen hochmodernen Recorder geschaffen.

Die übersichtliche Bedienung  des DR 680 erreicht Tascam durch mechanische Schalter, die auf einen Blick ihre Position erkennen lassen. Damit sind die Pegel der kombinierten Eingänge für Line-Quellen und in zwei Stufen für Mikrofone wählbar. Die 48-Volt-Phantomspeisung lässt sich paarweise zuschalten. © Archiv
Die übersichtliche Bedienung des DR 680 erreicht Tascam durch mechanische Schalter, die auf einen Blick ihre Position erkennen lassen. Damit sind die Pegel der kombinierten Eingänge für Line-Quellen und in zwei Stufen für Mikrofone wählbar. Die 48-Volt-Phantomspeisung lässt sich paarweise zuschalten.

Durch den Flash-Speicher kommt der DR 680 ohne Mechanikteile für die Aufzeichnung aus; damit lässt er die ­gesamte Vorgänger-Palette in puncto Langlebigkeit, Stromverbrauch sowie Platzbedarf hinter sich. Und obwohl Tascam den DR 680 als Mobilrecorder ausgelegt hat, eignet sich das Gerät auch für den Einsatz zu Hause, da anfällige Miniatur­mechanik fehlt und wegen der mittelgroßen Abmessungen eine übersichtliche Bedienung möglich ist. In dieser Hinsicht haben die winzigen Handy-Flash-­Recorder mit eingebauten Mik­rofonen das Nachsehen.

Der DR 680 beherrscht die PCM-/WAV-Formate bis 24/192 im Zweikanalbetrieb, bis 24/96 sind es sogar acht Kanäle. Deren sechs können von Mikrofon- oder Line-Quellen stammen, zwei weitere von S/PDIF. Gut ist, dass die Aussteuerung über einen analogen Drehknopf erfolgt, der via sechs Einzel­taster den Kanälen zu­geordnet werden kann. Gut auch, dass sich die sechs Kanäle zu einem Stereomix bündeln lassen, dass sie per Kopfhörer abgehört und zur Kontrolle gleichzeitig mit den Einzelkanälen aufgezeichnet werden können.

Neben WAV bietet der Tascam auch MP3 bis 320 kBit/s. Der Vorteil solcher Formate ist, dass sie sich auch per MP3-Player oder Mobiltelefon abspielen lassen. Zwar lässt sich der DR 680 auch ohne PC ­nutzen, doch dafür steht nur der Flash-Kartenspeicher zur Verfügung. Einen USB-Host­adapter für die Wiedergabe von externer Festplatte gibt es hier nicht.

Zum Erstellen perfekter Aufnahmen – insbesondere mit ­Mikrofonen aller Art – bieten die symmetrischen Eingänge Trittschallfilter für drei verschiedene Eckfrequenzen. Um Übersteuerungen durch Pegelspitzen zu vermeiden, gibt es zuschaltbare Limiter. Ein Speicher hält zwei Sekunden Musik für eine vorgezogene Aufnahme fest; diese Musik steht dann bei verpasstem Start eben für zwei Sekunden zur Verfügung. Hilfreich ist weiterhin die automatische Start-/Stoppfunktion in Abhängigkeit vom Eingangs­pegel; die Schwellen sind in mehreren Stufen einstellbar.

Auf der rechten Seite des DR 680 liegen die sechs Analogausgänge sowie zwei Koaxbuchsen für S/PDIF oder die Kaskadierung von bis zu vier Geräten – so vervielfacht sich die Zahl der Aufnahmekanäle. © Archiv
Auf der rechten Seite des DR 680 liegen die sechs Analogausgänge sowie zwei Koaxbuchsen für S/PDIF oder die Kaskadierung von bis zu vier Geräten – so vervielfacht sich die Zahl der Aufnahmekanäle.

Als sehr nützlich erwiesen sich die vielfältigen Marker-Funktionen mit automatischer Erzeugung von Tracknamen. Die Möglichkeit, eine Aufnahme unterbrechungsfrei und Frame-genau fortzusetzen, ist ebenfalls ein Profi-Feature, das mit den Vertretern der DAT-/MD-/CD-R-Ära nicht möglich war.

Ausstattung & Ergebnisse © stereoplay
Ausstattung & Ergebnisse

Die Bedienung des DR 680 haben die Entwickler gut durchdacht: Im mobilen Betrieb kann der Recorder an einem Tragegurt hängen. Dazu lassen sich das Display, die hervorgehobenen Tasten für Aufnahme/Pause und ein Multifunktionsknopf gut erreichen.

Das Gehäuse und die Bedienelemente sind wertig verarbeitet, jedoch aus Kunststoff gefertigt. Dafür ist der kompakte Recorder mit seinen 1200 Gramm sehr gut zu handhaben. Die Akkulaufzeit bei Aufnahme/Wiedergabe gibt Tascam mit 4,5 Stunden an.

Konnte uns der DR 680 schon von seinen Features her überzeugen, löst die Aufnahme- und Wiedergabequalität regelrechte Begeisterung aus. Noch nie hat ein Recorder im Test so ungestört rauscharm, dynamik­reich und verfärbungsarm geklungen – das gilt ausdrücklich auch für Mikrofonaufnahmen. Insbesondere mit den hochaufgelösten Formaten 24/96 und 24/192 ergibt sich eine derartige Plastizität und Detailvielfalt, dass der klangbewusste Recording-Freak seine helle Freunde an dem Tascam-Prachtstück haben wird. Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese Formate von modernen Netzwerk-­Playern mühelos zu Gehör ­gebracht werden können.

 
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