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Testbericht Audio Research Reference 75 im Test

Die härteste Konkurrenz der Reference-Komponenten von Audio Research kommt aus dem eigenen Haus in Form der neuen, günstigeren Modelle mit VU-Meter. Exklusivtest der Endstufe Reference 75.

Audio Research Reference 75
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© Hersteller / Archiv

Audio Research Reference 75
Gesamtwertung: sehr gut, 81 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +VU-Meter
  • +satter Klang
  • +klare Stimmen
  • +natürliche Höhen

Da war was im Busch: Schon auf der HIGH END im Mai ließ der rührige Audio- Research-Exportmanager Brandon Lauer durchblicken, dass wohl bald etwas gewichtiges Neues käme. Und nein, er dürfe nichts Genaueres sagen, aber es sei äußerst spannend, und er würde mich auf dem Laufenden halten. Er tat wie versprochen. Und was Lauer damals so kryptisch umschrieb, nimmt jetzt Gestalt an: Audio Research bringt innerhalb seiner großartigen Reference-Serie einen Schwung neuer Komponenten.

Kennzeichen: gleiche Gehäusegröße, gleiche Bauteilequalität wie bei den großen Geschwistern, aber die Anzeigen sind nicht mehr digital, sondern – viel hübscher – als VU-Meter ausgelegt. Die Preise sollen unterhalb von 10.000 Euro liegen. Die erste verfügbare kleine Reference ist die Ref. 75. Lauer schickte sie umgehend in die Redaktion; sie war so neu, dass sie noch mit amerikanischen Steckern kam.

Audio Research Reference 75: Funktion

Der Rest des Pakets faszinierte umso mehr. Mit dem Einsatz der VU-Meter geht Audio Research einen konsequenten Schritt zurück: Röhrentechnik hat etwas Heimeliges, Schönes; da passen die VU-Meter aus den 70er Jahren ideal dazu. Und bei der Reference 75 sind sie nicht nur chic, sondern auch noch richtig praktisch, weil man mit ihrer Hilfe den optimalen Bias-Wert der Leistungsröhren einstellen kann.

Viel Platz, wenig Ausstattung: Die Zugänge sind nur symmetrisch ausgelegt, hinzu kommen 12-Volt-Trigger-Ein- und Ausgang sowie Abgriffe für 4- und 8-Ohm-Boxen. Nicht wundern: Der Netzanschluss ist amerikanisch, weil es das weltweit erste Gerät für den Export war.
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© Hersteller / Archiv
Viel Platz, wenig Ausstattung: Die Zugänge sind nur symmetrisch ausgelegt, hinzu kommen 12-Volt-Trigger-Ein- und Ausgang sowie Abgriffe für 4- und 8-Ohm-Boxen. Nicht wundern: Der Netzanschluss ist amerikanisch, weil es das weltweit erste Gerät für den Export war.

Bei diesen Leistungsröhren vertrauen die US-Entwickler auf die KT-120-Typen vom russischen Anbieter Tung-Sol. In der Reference 75 laufen je ein Paar selektierte Röhren im Push-Pull-Betrieb. Unter Röhren-Freaks gilt die KT 120 als eher rustikal-kräftig denn audiophil-fein. Zu Unrecht. Wie stereoplay-Versuche ergaben, klingt sie nur in kleinen Amps mit kleinen Netzteilen mittelmäßig. Hat das Netzteil genug Kraft, ist diese Röhre klanglich nur schwer zu schlagen.

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Man darf getrost davon ausgehen, dass Audio Research – mit 75 Mitarbeitern der größte Röhren-High-End-Hersteller der Welt – genau um diese Umstände weiß. Zum einen ist das Netzteil ausreichend dimensioniert, zum anderen wurde eine Kombination aus "Ultralinear"- und der von Audio Research patentierten "Partially Cathode Coupled"-Topologie entwickelt.

Aufbau und Bestückung der Reference 75 erinnern stark an die größere Reference 150. Es fehlt lediglich ein weiteres Paar Leistungsröhren (KT 120) pro Kanal, und die Übertrager gerieten etwas kleiner. Die Bauteilequalität aber ist exakt die gleiche wie bei der 4000 Euro teureren Schwester.
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Aufbau und Bestückung der Reference 75 erinnern stark an die größere Reference 150. Es fehlt lediglich ein weiteres Paar Leistungsröhren (KT 120) pro Kanal, und die Übertrager gerieten etwas kleiner. Die Bauteilequalität aber ist exakt die gleiche wie bei der 4000 Euro teureren Schwester.

Mit dieser Kombi, so Lauer, "sind die AR-Geräte dem herkömmlichen Pentoden- oder Trioden- Betrieb überlegen". Vor allem aber kitzeln die Amerikaner jede Menge feiner Röhren-Watt aus der neuen Reference 75. Das stereoplay-Labor ermittelte 45 Watt an 4 Ohm und 30 Watt für 8-Ohm-Lautsprecher. Das ist ganz ordentlich, zumal die Übertrager gar nicht so groß gerieten, wie ich es eigentlich erwartet hätte. Macht aber nichts, denn im Hörtest war mangelnde Leistung zu keiner Zeit ein Thema. 

Audio Research Reference 75: Hörtest

In der Eingangsstufe der Reference 75 findet sich ein direkt gekoppelter JFET mit einer einzelnen 6H30-Treiberröhre (baugleich mit der ECC 88) je Kanal. Die Röhre wie auch die Kombination gilt als sehr rauscharm, was wir im Hörtest sofort nachvollziehen konnten: Bei null Signal herrschte erst einmal Ruhe.

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Als die erste CD rotierte, gab sie dann das volle Klangpanorama wieder. Grandios vom ersten Moment an. Alles kam mit Kraft und Saft. Die einzelnen Stimmen des Sächsischen Vokalensembles transportierte die 75er mit großer Klarheit, gemischt mit einer selten gehörten Natürlichkeit. Ich saß da und war ergriffen. Ein Blick zu den Kollegen – man war sich einig: Das ist große Kunst. Aber wie agiert die 75er, wenn Leistung gefordert ist, wenn etwa Yello mit "The Expert" sehr viel Tiefbass abfordern?

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Die AR blieb auch dann gelassen. An der Ktema von Franco Serblin wie auch an der Arbeits-Referenz B&W 802 Diamond kamen die Basshiebe mit viel Schmackes und rabenschwarz. Erst bei extremer Lautstärke begannen die Konturen etwas aufzuweichen. Dennoch klang das alles so gut, dass wir nach ganz oben im Referenzregal griffen: zu den Octave-Monos MRE 220 . Die aber zeigten der Audio Research dezent ihre Grenzen auf – weil sie die Konturen noch exakter nachzeichneten und in den Höhen jene Feinstauflösung zelebrierten, die derzeit eben nur unsere Referenz-Endstufen auszeichnet. 

Dennoch ist der neue Streich von Audio Research klanglich eine Wucht: erdig, warm, neutral, wunderbar räumlich und feinzeichnend. Die eher sanften Höhen werden etliche Audiophile eh als besser, angenehmer empfinden.

Unter 10.000 Euro jedenfalls hat die Reference 75 kaum ernsthafte Konkurrenz.

Aus dem Messlabor

Der Klirrverlauf zeigt die Klasse der Ref. 75: Vor allem die wichtige Komponente k2 (schwarze Linie) verläuft wunderbar linear. Eine andere Besonderheit ist ihre Leistungsausbeute: An den 8-Ohm-Klemmen liefert sie fast doppelt so viel Leistung wie an denen für 4 Ohm. Ebenfalls für eine Röhre untypisch: je niedriger die Impedanz, desto höher die Leistung. An 3 Ohm macht sie über 50 Watt (am 8-Ohm-Abgriff).

 
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