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Vollverstärker ASR Emitter 2 Exclusive im Test

Die Verstärker von Friedrich Schäfer wurden im Laufe der Zeit immer besser – und immer schwerer. Der aktuelle Emitter 2 Exclusive wiegt fast drei Zentner und ist einer der besten Amps der stereoplay-Geschichte.
ASR Emitter 2 Exclusive
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© Hersteller/Archiv

ASR Emitter 2 Exclusive
Gesamtwertung: sehr gut - 86 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +souverän bei allen Leistungs- und Impedanzlagen (bis 1250 Watt an 2 Ohm!)
  • +der 137 Kilo schwere Wonneproppen wird stereoplays neue Co-Referenz

Seit fast 30 Jahren ist der Emitter von ASR Schäfer (früher Schäfer & Rompf) einer der ungewöhnlichsten Verstärker der HiFi-Branche. Und ein bisschen hat stereoplay an seiner Erfolgsgeschichte mitgeschrieben. Nach verschiedenen Tests von Boxen und der Phonostufe Basis brachte Firmenchef und Entwickler Friedrich Schäfer im August 1985 seinen Emitter zum ersten Test bei stereoplay vorbei. Bereits damals war das ein gewaltiges Ding mit ausgelagertem Netzteil, das fantastisch klang und umgehend zum besten aller damaligen Vollverstärker gekürt wurde.

Es war Zufall, dass ich gerade in dieser Ausgabe auch die Klirr-Theorie in stereoplay veröffentlichte. Der Emitter passte da wie die Faust aufs Auge, verhielt er sich doch so, als wäre Schäfer Mitautor gewesen: Die Klirroberwellen staffelten sich harmonisch schnell abfallend, so wie es sich bei der ausgiebigen Forschung zuvor als ideal erwiesen hat.

Der hier getestete Emitter 2 Exclusive ist viele Generationen später und hat das dickste Gedeck im ASR-Programm. Im Sommer soll es zwar noch dicker kommen (mit einem Kind, das noch keinen Namen hat), aber das ist Zukunftsmusik. Bleiben wir bei dem, was wir haben: dem größten Vollverstärker, der je im Hörraum stand, ein vierteiliger Verstärkerschrein mit drei Netzteilen: je eines für den linken und rechten Kanal der Leistungs-Sektion (je 32 Kilogramm) und ein Akku-Netzteil für die Eingangs-Sektion (26 Kilogramm).

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Ein eigenes Akku-Netzteil wofür? Für die Eingangssektion? Genau: Schäfer bezeichnet seine Emitter ja immer als Endstufen mit Pegelabschwächer. Das ist natürlich nur bedingt richtig. Bis 51 Dezibel (im Display) schwächt ein Mikroprozessor-gesteuertes Netzwerk aus 16 Relais das Signal in 71 Stufen ab. Oberhalb des magischen 51-Dezibel-Punktes muss das Signal trotz alledem verstärkt werden, bevor es an die langen Batterien von 20 Endstufen-Transistoren weitergeleitet wird.

Der Emitter, so wie wir ihn kennen: groß, schwer und so perfekt aufgebaut, dass man gern durch den Plexiglasdeckel die Parade der Bauteile abnimmt. Schon ohne Netzteile wiegt der Emitter 47 Kilogramm. © Hersteller / Archiv
Der Emitter, so wie wir ihn kennen: groß, schwer und so perfekt aufgebaut, dass man gern durch den Plexiglasdeckel die Parade der Bauteile abnimmt. Schon ohne Netzteile wiegt der Emitter 47 Kilogramm.

137 Kilo High End

Noch mehr Zahlen: Wenn man die 47 Kilo des eigentlichen Verstärkerblocks hinzurechnet, addieren sich die Bestandteile des Emitter 2 Exclusive auf 137 Kilo feinstes High End – mit satt einrastenden Schaltern, mit in jahrzehntelanger Suche gefundenen Top-Bauteilen und einer Mechanik, die ihresgleichen sucht. Aber natürlich machen die drei Netzteile den Emitter 2 Exclusive so besonders. Es fragt sich nur: wozu der ganze Aufwand.

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Zum einen klingen Schaltungen immer besser, wenn die Netztrafos möglichst weit weg stehen. Vor allem aber geht es Schäfer hier um Stabilität, Stabilität und nochmals Stabilität. Die Laborwerte des Emitter 2 Exclusive sind tatsächlich jenseits von Gut und Böse: Der Emitter 2 zeigt sich als extrem breitbandig. Mit seinem Verzerrungsverhalten toppt er seinen Urahn von 1985 um einiges: Der Oberwellenverlauf präsentiert sich noch schöner.. Was Laborchef Peter Schüller besonders strahlen ließ: Die Spannungs- und Stromlieferfähigkeit des Emitter war quasi in jeder (Phasen-)Lage perfekt. Schüller schwärmt: „Einen kraftvolleren Verstärker hatten wir noch nicht im Labor. Der große ASR ist stabil bis kurz vorm Kurzschluss und er schafft bis zu 1.250 Watt Musikleistung (an 2 Ohm). “

Und damit präsentiert er sich fast doppelt so stark wie der kleinere Emitter 1 , den wir vor zwei Jahren getestet haben. Das zeigt jedenfalls, dass das zusätzliche Netzteil doch einiges bringt. Allerdings nimmt der große Emitter auch doppelt so viel Strom auf.

Man sieht es seinen Kraftwerken zwar nicht an, aber Schäfer ist ein Ökostromer, der vorzugsweise Elektroauto fährt. Um den Strombedarf zu senken, hat er dem Emitter 2 zwei Betriebsmodi mit auf den Weg gegeben: Im Modus 1 laufen die Endstufen-Transistoren nur mit halber Betriebsspannung. Modus 2 ist klanglich besser, weil druckvoller.

Auch im Akku-gepufferten Netzteil für die Eingangsstufe überlässt Schäfer nichts dem Zufall: Obwohl der Akku-Strom der Panasonic-Akkus (rot) von Hause aus sauber ist, wird er hier über zwei Trafos plus Folienkondensatoren (blau) noch einmal gesiebt. In Hörpausen lädt eine digitale Regelelektronik die Akkus wieder auf. © Hersteller / Archiv
Auch im Akku-gepufferten Netzteil für die Eingangsstufe überlässt Schäfer nichts dem Zufall: Obwohl der Akku-Strom der Panasonic-Akkus (rot) von Hause aus sauber ist, wird er hier über zwei Trafos plus Folienkondensatoren (blau) noch einmal gesiebt. In Hörpausen lädt eine digitale Regelelektronik die Akkus wieder auf.

ASR Emitter 2 Exclusive: Hörtest

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Im Hörtest nutzten wir vor allem den Betriebsmodus 2. Der Emitter beeindruckte mit einer ganz seltenen Form von Stabilität und Substanz im Klangbild. Griegs „Halle des Bergkönigs“ hatte mit ihm einen solchen Schub, eine solche subsonische Energie, dass selbst die Referenz-Vor-/End-Kombination (Pass/Ayre) dagegen fast fahl wirkte – zumal der Emitter auch in den Mitten spektakulär farbig und dynamisch spielte. Im Vergleich zu den beiden amtierenden Referenz-Vollverstärkern, PADIS A1 und A2, zeigte sich der ASR als unerschöpfliches Energiebündel, das dank seines sensationellen Tieftonteppichs auch immer ein bisschen mehr Raumtiefe bot. Vor allem bei höheren Pegeln offenbarte der ASR eine Klangschönheit, die man selten findet. Nur bei geringeren Pegeln hatten die PADIS-Modelle eindeutige Vorteile, weil sie insgesamt etwas leichtfüßiger und noch flüssiger im Hochton aufspielten.

Im Ausgust 1985 wurde der Emitter zum besten Verstärker der stereoplay-Geschichte. 28 Jahre später gelingt dem Emitter 2 Exclusive dieses Kunststück erneut. Nur muss er sich jetzt den Platz an der Sonne mit den beiden PADIS-Amps teilen.

 
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