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Vor-/End-Kombi Arcam AV888 und Arcam P777 im Test

Was kann die neueste Version des großen Arcam-Verstärkers besser als der Vorgänger? Wie viel mehr Klang bringt die separate Endstufe? Das Duo AV888 und P777 bewährte sich im Hörraum.

Arcams Top-Surround-Komponenten bestehen aus dem Vorverstärker-/Endstufen-Duo AV888 und P777. Dabei gehen die Engländer einen Schritt weiter als die japanische Konkurrenz mit ähnlichen Produkten. So haben sie aus dem Top-Receiver die Endstufen herausgenommen und einfach ein ordentliches, symmetrisches Ausgangsboard mit eigenem Netzteil eingebaut. Dann wurden noch ein paar solide Endstufen in das zweite Gehäuse gepackt – fertig. Herausgekommen ist Top-Qualität zu einem günstigen Preis.

Endstufe Arcam P777

Arcam AV888
Gesamtwertung: sehr gut - 86 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +hervorragend klingende AV-Vorstufe
  • +sehr viele analoge Eingänge
  • +analoger Bypass
  • +einfacher Audio-Streaming-Client
  • +klingt in Stereo und Surround ausgewogen, dynamisch und sehr musikalisch

Nicht nur der Blick auf die Preisschilder zeigt dem Interessenten, dass Arcam hier einen deutlichen Schritt weiter gegangen ist. Das merkt spätestens, wer versucht, allein die Endstufe aus dem Karton zu heben. Die 31,5 kg Gewicht resultieren aus der guten mechanischen Verarbeitung und zum großen Teil aus den zwei 1500-Volt-Ampère-Ringkerntrafos, die sich im Bauch des Geräts befinden. Diese versorgen je drei der diskreten, senkrecht verbauten Endstufenmodule.

Da der Center-Kanal im Surround-Betrieb die meiste Arbeit zu leisten hat, versorgen die Ringkerntrafos ihn gemeinsam mit Energie. Wie grosszügig das dimensioniert ist, belegen die stereoplay-Messungen. Mit Stereo belastet, schob die P777 zweimal 302 Watt aus den Anschlussklemmen. Bei gleichzeitiger Belastung von fünf Endstufen blieben 289 Watt pro Kanal übrig; erst bei gleichzeitigem Stress aller sieben sank die Leistung geringfügig auf 247 Watt. Ein Fall, der de facto weder bei Musik noch Filmen je vorkommen wird: eine Summe von fast zwei Kilowatt!

Die P777 besitzt Bananenstecker-taugliche Schraubklemmen. Gut gelöst: Die Querlöcher für blanke Kabel sind diagonal positioniert. So kommen sich Boxenkabel und XLR-Stecker nicht in die Quere. XLR- und Cinch-Eingänge sind per Taste auswählbar. Jeder Cinch-Eingang bietet einen korrespondierenden Ausgang zum Durchschleifen, etwa für Bi-Amping. Praktisch sind die Trigger zum Einschalten per Vorverstärker.
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© Hersteller / Archiv
Die P777 besitzt Bananenstecker-taugliche Schraubklemmen. Gut gelöst: Die Querlöcher für blanke Kabel sind diagonal positioniert. So kommen sich Boxenkabel und XLR-Stecker nicht in die Quere. XLR- und Cinch-Eingänge sind per Taste auswählbar. Jeder Cinch-Eingang bietet einen korrespondierenden Ausgang zum Durchschleifen, etwa für Bi-Amping. Praktisch sind die Trigger zum Einschalten per Vorverstärker.

Vorstufe Arcam AV888: Aufbau

Arcam P777
Gesamtwertung: sehr gut - 84 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +kraftvolle 7-Kanal-Endstufe
  • +zwei Netzteile, gemeinsame Versorgung des Center-Kanals
  • +symmetrische XLR-Eingänge
  • +Cinch-Ausgänge zum Durchschleifen
  • +klingt kraftvoll, präzise und musikalisch

Doch nicht nur der Aufbau der Endstufe lässt die bereits hervorragenden Receiver hinter sich. Natürlich basiert der AV888 auf der Technik des Top-Receivers AVR600, doch die Entwickler gingen an einigen Stellen entscheidend weiter. Zunächst entfernten sie die potenziellen Hochfrequenz-Störenfriede der Tuner. Dann gibt es einige entscheidende Veränderungen im Signalweg. Dazu gehört der mittels „Direct“ schaltbare rein analoge Pfad ohne jeden Zwischenschritt. Das macht den AV888 per Knopfdruck zum highendigen, analogen Vorverstärker.

Auf der digitalen Seite gehören neben der mechanischen Dämpfung aller potenziell mikrofonieempfindlichen Bauteile wie der Taktquarze auch radikale Weiterentwicklungen in der Digital-/Analog-Wandlersektion zu den Extras in der Vorstufe. So kommt im AV888 kein 8-Kanal-D/A-Wandler zum Einsatz, hier singt ein Chor aus vier Stereo-Wandlern vom Wolfson WM8741. Jeden Wandlerzug versorgt eine eigene Netzstabilisierung, die direkt am Chip platziert wurde. Wer nur die Rückseiten zwischen AVR600 und AV888 vergleicht, übersieht dabei diese entscheidenden Unterschiede.

Kaufberatung: Top-AV-Receiver im Test

Auch Arcam hat anstatt der Endstufen im Receiver ein diskretes XLR-Ausgangsboard verbaut. Das ermöglicht unter anderem längere, störungsfreie Kabelwege zur potenziell bei den Hauptlautsprechern positionierten Endstufe und lädt zur Ansteuerung von Aktivlautsprechern geradezu ein.

Neu gegenüber der Urversion des AV888 ist das Videoboard, das nicht nur mehr Einstellmöglichkeiten offeriert, sondern auch 3D hindurchlässt und saubere 24 Hertz verarbeitet. Auch die Analog-/HDMI-Wandlung wurde verbessert: Sie lieferte im Test ein gutes De-Interlacing, zeigte aber bei PAL eine leichte Überschärfung an Konturen.

Für heutige Maßstäbe bietet der AV888 ungewöhnlich viele analoge Audio- und Video-Anschlüsse. Aber auch die traditionelle digitale S/PDIF-Audioschnittstelle ist mit optischen und elektrischen Ein- und Ausgängen reichlich vertreten. Das neue HDMI-Board dürfte mit fünf Ein- und zwei Ausgängen allen typischen Anwendungen gerecht werden. Pfiffig: Ein fünfter Gerätefuß dämpft das Gehäuse zusätzlich.
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© Hersteller / Archiv
Für heutige Maßstäbe bietet der AV888 ungewöhnlich viele analoge Audio- und Video-Anschlüsse. Aber auch die traditionelle digitale S/PDIF-Audioschnittstelle ist mit optischen und elektrischen Ein- und Ausgängen reichlich vertreten. Das neue HDMI-Board dürfte mit fünf Ein- und zwei Ausgängen allen typischen Anwendungen gerecht werden. Pfiffig: Ein fünfter Gerätefuß dämpft das Gehäuse zusätzlich.

Arcam AV888: Hörtest

Der AV888 war schnell eingerichtet. Angenehm sind dabei ein paar clevere Menütricks, die man selten erfolgreich sucht. So lassen sich ungewollte Surround-Decoder-Modi einfach aus der Liste streichen. Für jede Quelle sind Eingangspegel und Surround-Modi vorwählbar und weitere Parameter voreinstellbar. So kann es praktisch sein, etwa für die TV-Wiedergabe eine kleine Dynamikkompression vorzuwählen. Audiophil ist gar die Option, je Quelle vorwählen zu können, wie sich potenziell große Hauptlautsprecher und Subwoofer für Stereowiedergabe verhalten.

Weil gute Vorstufen geradezu dazu einladen, wurden sie zunächst an aktiven Studiomonitoren wie dem JBL LSR-4328 als Surround-Set mittels symmetrischer Verbindung getestet. Da zeigte die Arcam schon, was für eine gelassene Präzision in ihr steckt. Verblüffend: Die AV888 verbindet Nüchternheit mit Musikalität wie wenige AV-Komponenten. Meist spielen sie entweder etwas überambitioniert oder unbeteiligt, selten aber so neutral und dennoch dezent fließend, dass die Tester wie in diesem Falle stets unwillkürlich die Füsse mitwippen ließen.

Kaufberatung: High-End-Vollverstärker im Test

Auch in Sachen Grob- und Feindynamik fand die Engländerin eine selten ausgewogene Balance mit einer Attacke, etwa bei Snare-Drums oder Klavieranschlägen, die so nur wirkliche High-End-Verstärker zu liefern vermögen.

Arcams Systemfernbedienung scheint aus dem Windkanal zu stammen. Sie liegt gut in der Hand und ist fürs dunkle Heimkino angenehm dezent beleuchtet.
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© Hersteller / Archiv
Arcams Systemfernbedienung scheint aus dem Windkanal zu stammen. Sie liegt gut in der Hand und ist fürs dunkle Heimkino angenehm dezent beleuchtet.

Arcam AV888 & P777: Hörtest

Schlossen die Tester die Heimkino-Arbeitspferde der Heco-Celan-GT-Serie an die P777 an, verdeutlichte das Gespann erneut und noch kräftiger den schon von der AV888 bekannten Charakter mit kristallklaren, aber nie scharfen Höhen, konturierten Mitten von fast explosiver Dynamik und kernigem Grundton mit trockenem, rabenschwarzen Bass.

Ganz klar: Das Arcam-Duo bietet Klangqualitäten weit jenseits aller Japan-Receiver. Einige Funktionen für die Alltagshandhabung sind clever gelöst. Der Streamer dürfte aber gerne auch höhere Auflösungen spielen. Schließlich arbeitet auch das Einmesssystem gut.

Arcam AV888: Komfort und Handhabung

Wie schon andere High-End-AV-Komponenten bietet auch der AV888 nicht ganz den Komfort von Großseriengeräten, die mittlerweile fast alle mit animierten Menüs in allen Sprachen aufwarten. Das schlichte, englischsprachige On-Screen-Menü des Arcam wirkt mit seinem klaren, vollformatigen Raster übersichtlich strukturiert und ist gut lesbar.

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Es nutzt zur Einrichtung den Einmess-Computer ART des DSP-Chipsets SHARC. Mit dem beiliegenden Messmikrofon lieferte das System zuverlässig und reproduzierbar exakte Einstellungen, und der automatische Equalizer setzte vergleichsweise sanfte Korrekturen und klang sehr gut. Etwas lauter wurde es mit dem EQ. Das Bassmanagement arbeitete homogen und stellte einen nahtlosen Übergang zum Subwoofer her – und zwar auch, wenn die Tester manuell die Übergangsfrequenz verstellten.

Der integrierte Netzwerk-Audiospieler verdaute die gängigsten Formate, er beschränkte sich aber auf eine maximale Sampling-Frequenz von 48 kHz. Damit taugt er für die Wiedergabe gerippter CDs, gekaufte komprimierte Musik und vor allem als Internet-Radio zur Berieselung. Eine Steuer-App für den Vorverstärker bietet Arcam nicht an, wohl aber eine angepasste und kostenlose Version des UPnP-Players „Songbook“ für Apple-Mobilgeräte. Der bildet die Schnittstelle zwischen Server und AV888 und bietet eine wunderbar übersichtliche und leicht zu bedienende Oberfläche zur Steuerung des Musikprogramms vom lokalen Server.

 
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