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Testbericht Accuphase E-560 im Test

Der Vollverstärker E-560 aus dem edlen Geschlecht derer von Accuphase übt vornehme Zurückhaltung. Denn er limitiert seine Leistung strikt durch Class A. A wie akkurat. Oder atemberaubend.

Accuphase E-560

Hersteller
Accuphase
UVP
8900.00 €
Wertung
130.0 Punkte
Testverfahren
1.0

Accuphase E-560
  • +einer der besten Vollverstärker der Welt
  • +stellt Farben, Raum und Dynamik in faszinierender Mühelosigkeit dar
  • -braucht für hohe Lautstärken effiziente Lautsprecher

Akkurat, so lehrt der Fremdwörter-Duden, heißt so viel wie sorgfältig, genau oder ordentlich. Als die Gebrüder Jiro und Nakajii Kasuga 1972 einen international nutzbaren Namen für ihre neue Nobel-Firma suchten, kamen sie auf „accurate phase“, kurz: Accuphase. Nun ist sicher die korrekte Phasenlage aller verstärkter elektrischer Signale ein erstrebenswertes Ziel - Ortungsschärfe und präzise Impulse zählen ohne Zweifel zu den audiophilen Tugenden. Doch längst steht Accuphase für weit mehr: Exquisite Klangqualität in Top-Preisklassen - denn Accuphase ist nie billig. Exzellente Verarbeitung edelster Materialien in zeitloser Champagner-Optik. Wertbeständigkeit. Zuverlässigkeit. Und nicht zuletzt ein Service-Standard, der Maßstäbe setzt. Hierzulande gewährleistet durch einen Vertrieb, dessen Fachhandelsbetreuung ihresgleichen sucht. Das alles kostet Geld, ist aber im Grunde unbezahlbar.  

Akkurat in Phase

So lieferte der deutsche Distributor PIA den neuen Vollverstärker E-560 nicht einfach nur ab. Nein, PIA-Mann Winfried Andres rückte mit Messinstrumenten in den Hörraum ein und sorgte dafür, dass alle Mitglieder der Abhörkette akkurat in Phase lagen. Jene mit Netzkabel also zum Beispiel mit der korrekten Steckerpolung am Stromnetz saugen. Der Hintergrund: Je niedriger - elektrotechnisch gesprochen - das Potenzial von Geräte-Masse gegen Netz-Erde ist, desto weniger können Ausgleichströme den Klang beeinflussen.

Beim „Ausphasen“ nutzt der PIA-Mitarbeiter ein Netzkabel mit abgeklemmter Erde (bitte nicht selber praktizieren) und misst beim eingeschalteten, von allen sonstigen Zuleitungen befreiten Gerät die Spannung zwischen Außenring einer Cinchbuchse und der Erdklemme der Netzdose, dreht den Stecker herum, misst erneut und wählt dann die Polung mit der geringeren Spannung.

Praxis: Bi- und Tri-Amping

Für die korrekte Kommunikation mit Fremdprodukten lässt sich übrigens jeder Eingang des E-560 wie auch das Ausgangssignal des Vollverstärkers in der absoluten elektrischen Phase umschalten - Konsequenz à la Accuphase. Als Zuspieler kam indes nur die Player/Wandler-Referenz Accuphase DP 800/DC 801 (25.200 Euro) in Frage. Die superbe Digital-Kombi durfte perfekte 230 Volt aus dem hauseigenen Netz-Aufbereiter PS 1210 (8330 Euro) beziehen. Doch damit nicht genug: Auf den Zentimeter genau platzierte Andres die Abhörlautsprecher KEF Reference 207/2 (18.000 Euro), damit die akustische Phase des Schalls von rechter und linker Box am Hörplatz akkurat gleich war. Die formidable KEF wurde auch wegen ihres famosen Wirkungsgrades (AUDIO-Kennzahl 52) erwählt.

Accuphase E-560, 8.900 Euro. © Julian Bauer, Archiv
Accuphase E-560, 8.900 Euro.

Moderat in der Leistung

Denn so nobel und gewichtig der E-560 auftritt, so bescheiden gibt er seine schiere Leistungsfähigkeit an: 30 Watt pro Kanal. Da schwingt zwar viel Understatement mit, doch zählt der 24-Kilogramm-Bolide wie schon sein Vorgänger E-550 tatsächlich zu den eher schwachen Vertretern seiner Preisklasse, trotz gewaltiger Energiereserven seines Netzteils. Denn er verbrät einen Großteil dieser Energie damit, seine Transistoren stets mit vollem Ruhestrom unter Dampf zu halten. Mehr als die Hälfte geht dafür drauf, die nutzbare Leistung sinkt. Doch diese abwärmeintensive, ökologisch eher bedenkliche, so genannte Class-A-Schaltung sorgt dafür, dass Übernahme-Verzerrungen im Gegentakt-Betrieb ausbleiben. Im paarweisen Gegentakt zeichnet jeweils ein Transistor zuständig für die positive und die negative Halbwelle des Signals. Wo diese sich an der Null-Linie „übernehmen“, können Transistoren im energiesparenden B-Modus für Verzerrungen sorgen - das Klangbild wird unruhig und rauh.

Gegenüber dem Vorgänger legt der E-560 nicht nur in der Leistung seines gewaltigen Ringkern-Transformators zu, sondern das Schaltbild weist eine komplette zusätzliche Stufe in der Accuphase-typisch stromgegengekoppelten Endverstärkung auf. Die sorgt jetzt für die vollsymmetrische Signalverarbeitung im Leistungsbereich. Auch dieser Kniff soll letztlich für ein völlig störfreies Signal und - ein Name, ein Programm - absolute Phasentreue bis in höchste Höhen sorgen.

Kaufberatung: Vollverstärker im Test

An technischen Schmankerln mangelt es dem neuen Top-Modell also nicht. Denn auch Details wie der exzellente Kopfhörer-Verstärker - dem Autor ist kein besserer innnerhalb eines Vollverstärkers bekannt - oder die vorzüglichen optionalen Platinen für D/A-Wandlung oder Phono-Verstärkung überzeugen restlos. Wer etwa die AD-20 einsteckt, braucht sich erst wieder bei Klang-Ansprüchen ab dem externen MC-Phono-Amp Linn Linto (1.350 Euro) Gedanken zu machen.

Atemberaubend im Klang

Und auch wer die silbernen Scheiben bevorzugt, dürfte mit dem E-560 ausgesorgt haben. So er einen Vollverstärker nutzen und keine an Körperverletzung grenzenden Pegel über watthungrige Lautsprecher erzeugen will. Denn was der größte und teuerste „Integrated“ von Accuphase im Hörraum mit der KEF 207/2 zeigte, gehört selbst im Vergleich mit wesentlich teureren Vor-End-Kombinationen zum Besten, was dort je verstärkt wurde. Und das bis in Lautstärkebereiche, in die selbst Eigenheim-Besitzer wohl nur selten aufsteigen. 

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Von der sportiv dargebotenen Mozart-Symphonie bis zum opulenten „Alpen“-Massiv eines Richard Strauss, von zarten Solo-Stellen in Brahms’ „Alt-Rhapsodie“ bis zu den brutalen Klavier- und Orchesterattacken eines Prokofieff-Konzerts: Der große Accuphase überließ die Musik mit phänomenaler Souveränität sich selbst.

So raubten einem die donnernd perkussiven Passagen von Prokofieffs dritten Klavierkonzert wirklich den Atem. Wer jemals dachte, knackige Rhythmen gäbe es nur im Rock - diese hier fuhren nicht minder tüchtig in den Bauch. Die unbeschreibliche Wehmut des Holzbläser-Motivs im langsamen Satz von Mozarts g-moll-Sinfonie ging indes dermaßen ans Herz, dass man den Solo-Flötisten am liebsten in die Arme genommen hätte. Feinste Lautstärke-Abstufungen und donnernde Dynamik entfesselte der Hochadelige mit einer blitzartigen Selbstverständlichkeit, dass man fast vergaß, einem schnöden Hörtest beizuwohnen.

Die beiden „Option“-Slots fassen den Digital-Analog- Wandler DAC 20 (vorne) oder die Phonostufe AD-20 (dahinter). Wer mehr Hochpegel-Eingänge braucht, kann auch die Eingangsplatine Line 10 nachrüsten. © Julian Bauer, Archiv
Die beiden „Option“-Slots fassen den Digital-Analog- Wandler DAC 20 (vorne) oder die Phonostufe AD-20 (dahinter). Wer mehr Hochpegel-Eingänge braucht, kann auch die Eingangsplatine Line 10 nachrüsten.

Obwohl die leistungsanzeigenden VU-Meter - leider schon nach einem knappen Drittel des Reglerweges - fröhlich über die „0“-Demarkationslinie hinauszappelten, frappierte der E-560 mit einer Mühelosigkeit, dass man sich fragte, ob nicht doch zufällig der wesentlich kräftigere „kleine“ Bruder E-450 (AK 74, 6.000 Euro) gerade an die Lautsprecher angestöpselt war. Mochte der Teurere in der schieren Kraft knüppelharter Bassdrums vielleicht etwas zurückstehen - in der Leuchtkraft aller Klangfarben, in der Ausleuchtung aller Tiefen des Raumes, in der puren Präsenz eines jäh aufheulenden Bluesgitarren-Tones zeigte er sich dem nun wahrlich potenten, in unzähligen Lautsprechertests gestählten Arbeitstier E-450 einfach überlegen. Von der im Vergleich fast schon bedächtig, fast schon eingeschnürt wirkenden Wiedergabe seines exzellenten Vorgängers ganz abgesehen.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Wir sprechen bei den Unterschieden nicht von den berüchtigten „Welten“. Und wohl nur eine Quelle vom Schlag der Super-Kombi DP-800/DC-801 kann diese Nuancen ans Licht bringen. Doch das Ergebnis steht: Für die Liebhaber akkuratester Klangfarben und Feindynamik heißt die neue Nummer 1 unter den Vollverstärkern Accuphase E-560.

Fazit

Adel verpflichtet – und Accuphase hat seine Pflichten mal wieder unnachahmlich erfüllt. Der nobelste, teuerste Vollverstärker des Adels-Hauses steht mit ganz oben in der AUDIO -Bestenliste. Der E-560 zählt zu den besten Vollverstärkern der Welt, ausgeglichener und müheloser als alle anderen. Der am reichsten ausgestattete, am besten verarbeitete und wohl wertbeständigste ist er sowieso.

Alle Daten und Testergebnisse zum Accuphase E-560

 
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