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Testbericht Accuphase E 460 im Test

Die Verstärker-Spezialisten von Accuphase versuchen laufend, ihre ohnehin schon guten Geräte weiter zu verbessern. Ist das mit dem neuen Vollverstärker E 460 auch gelungen?

Accuphase E 460
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© Hersteller/Archiv

Accuphase E 460

Accuphase E 460
Gesamtwertung: sehr gut 86 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +klanglich samtiger und feiner als seine Vorgänger
  • +überflügelt alle getesteten Amps unter 10.000 Euro

Bei Accuphase gehen die Uhren irgendwie anders. Hier arbeiten, feilen und forschen über 70 Mitarbeiter in einem Bereich, in dem die Luft eh schon sehr dünn ist: im absoluten High End. Und da die Japaner mit einer ganz seltenen Beharrlichkeit an einmal für gut befundenen Lösungen und Designs festhalten, scheint selbst bei einem relativ neuen Produkt wie dem Vollverstärker E 460 alles irgendwie altbekannt zu sein. Selbst die digitale Volumen-Anzeige, die der Vorgänger E 450 nicht vorzuweisen hatte, zierte schon etliche andere Kraftwerke der Japaner: etwa die Monoblöcke M 100 aus dem Jahre 1981.

Die Beschäftigung mit Accuphase-Komponenten, dieses wunderbar satte Klicken beim Umschalten der Eingänge oder der immer noch einmalige Soliditäts- Eindruck beim Drehen des Lautstärkeknopfs löst bei mir immer ein heimeliges Gefühl von „nach Hause kommen“ aus. Ähnlich wie es Mercedes mit der S-Klasse hält, lässt sich auch Accuphase immer um die vier Jahre Zeit, bis ein Nachfolger aufgelegt wird. Und trotz der recht langen Entwicklungszeit sind die Unterschiede oft gar nicht groß. Interessant ist hier ein Blick in die Accuphase-Historie, die der deutsche P.I.A.-Vertrieb ermöglicht: Auf www.pia-hifi.de lässt sich wunderbar in alten Übersichten und Bedienungsanleitungen stöbern.

Accuphase E303
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Accuphase E 303, Einführung 1978, damaliger Preis: 3.000 Mark. Der erste „große“ Vollverstärker von Accuphase.

Accuphase E 460: Aufbau

Wie aus der Geschichte heraus nicht anders zu erwarten fallen die Unterschiede des E 460 zu seinen Vorgängern nur wenig spektakulär aus: Die Anschlussmöglichkeiten sind identisch, Gewicht, Netzteil und Ausgangsleistung ebenso. Mit 201 Watt (8 Ohm) und 332 Watt (4 Ohm) stimmen sie fast bis auf das Watt genau mit den Werten des 450er als auch des 408er überein. Und dass die äußerlichen Ähnlichkeiten groß sind, versteht sich von selbst: Das ist Teil des traditionellen Konzepts.

Kaufberatung: Drei Vollverstärker im Test

Man muss also etwas genauer hinschauen, um zu erkennen, dass sich doch einiges getan hat. Da wäre zum einen die Fernbedienung, die nun endlich aus Metall und nicht mehr aus dem unwürdigen Kunststoff besteht. Da sind aber auch etliche verkleinerte Platinen, die mit Hilfe der SMD-Technik die früher oft vorgetragene Kritik an den langen Signalwegen auskontert.

Einer der klangrelevantesten Unterschiede zum E 450: Im 460er sorgen wieder MOSFETs für den souverän-warmen Klangcharakter.
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Einer der klangrelevantesten Unterschiede zum E 450: Im 460er sorgen wieder MOSFETs für den souverän-warmen Klangcharakter.

Feinschliff gab es auch bei der Prozessor-gesteuerten AAVA-Lautstärke-Regelung, die dank modernerer Bauteile nun noch rauschärmer arbeitet. Vor allem aber fanden die Entwickler den Weg zurück zum wohlig-warm klingenden MOSFET-Transistor. Ein richtiger Schritt, denn die MOSFETs haben den Ruf der großen Accuphase-Verstärker fraglos mitbegründet.

Accuphase E 460: Bi-Amping

Doch neben all den Fortschritten ist es sinnvoll, auch schon bewährte Features noch einmal zu betrachten. Zum Beispiel beim Vorstufen-Ausgang (Ex-Pre). Hier lässt sich eine zweite Endstufe anschließen, um den angeschlossenen Lautsprecher im Bi-Amping-Betrieb noch besser auszuschöpfen.

Praxis: Bi- und Tri-Amping

stereoplay hat dazu in den letzten Monaten recht viele Versuche gemacht und kam fast in allen Fällen zu dem Schluss, dass die Vorteile dieser Betriebsart die Mehrkosten eindeutig aufwiegen. Da alle Accuphase-Endstufen (auch die eingebauten der Vollverstärker) einen Verstärkungsfaktor von exakt 28 Dezibel aufweisen, ergibt sich bei der Verwendung einer weiteren Accuphase-Endstufe niemals das Problem von Lautstärke-Unterschieden zwischen den angesteuerten Boxen-Zweigen.

Der E 460 hat zwei frei Plätze für Einsteck-Platinen. Hier ist vor allem der Digital-Einschub DA 30 interessant (im Bild vorn). Er bietet unter anderem einen USB-Zugang und echtes HiRes mit 24 Bit/192 Kilohertz. Der DA 30 kostet 1.035 Euro und ist jeden Cent davon wert.
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Der E 460 hat zwei frei Plätze für Einsteck-Platinen. Hier ist vor allem der Digital-Einschub DA 30 interessant (im Bild vorn). Er bietet unter anderem einen USB-Zugang und echtes HiRes mit 24 Bit/192 Kilohertz. Der DA 30 kostet 1.035 Euro und ist jeden Cent davon wert.

Der weitestgehend symmetrische Aufbau des E 460 legt eigentlich die Verwendung einer symmetrischen Verkabelung nahe. Das sollte man aber nicht machen. Im Hörtest waren die klassischen asymmetrischen Cinch-Verbindungen zwischen CD-Player und Amp keinen Deut schlechter als die XLR-Varianten. Eher im Gegenteil.

Die zwei freien Steckplätze auf der Rückseite des E 460 hingegen sollten unbedingt als Einladung verstanden werden, ihn entweder mit der exzellenten Phonostufe AD 20 (985 Euro) oder mit der fast noch interessanteren D/A-Wandler-Platine DAC 30 (1.035 Euro) zu erweitern. Die AD 20 hatten wir schon zum Test des E 450 ausgiebig gehört, weshalb wir uns in diesem Test der DAC-30-Platine intensiver gewidmet haben.

Der E 460 erlaubt auch den Anschluss symmetrischer Kabel. In den Hörtests aber waren die asymmetrischen Cinch-Verbindungen wenigstens ebenbürtig...
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Der E 460 erlaubt auch den Anschluss symmetrischer Kabel. In den Hörtests aber waren die asymmetrischen Cinch-Verbindungen wenigstens ebenbürtig...

Um es kurz zu machen: Dieser Einschub klingt mit Digitaldaten in allen Darreichungsformen wunderbar fein und offen. Der zum Vergleich herangezogene DAC 8 von T+A (1.850 Euro) lieferte sich ein packendes Duell mit dem DAC 30, welches die Accuphase-Platine letztendlich mit kleinen Vorteilen im feindynamischen Bereich für sich entscheiden konnte.

Accuphase E 460: Hörtest

Doch egal, ob mit T+A-Wandler oder mit hauseigener Einsteck-Platine – der jüngste Accuphase-Bolide machte von Anfang an klar, dass er die Kraft seiner Vorgänger geerbt hat. Im Hörraum hat mittlerweile eine Festplatte mit von Schallplatte auf 24/192 kHz gesampleter Musik ihren festen Platz. Darauf sind unter anderem solch skurrile Stücke wie Charlie Antolinis „Knock Out“ verewigt. Und obwohl musikalisch von höchst bescheidenem Wert, muss ich doch sagen, dass ich das Stück mal wieder mit großer Freude gehört habe. Der E 460 hämmerte nämlich die Schlagzeughiebe (via B&W 802 Diamond ) so unverdrossen satt, präzise und herrlich druckvoll in den Hörraum, dass sich uns die Illusion von „live“ geradezu aufdrängte.

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Doch war es keineswegs nur die Kraft, die mich hier so in den Bann zog, sondern vielmehr die Ruhe, die dieser E 460 ausstrahlt. Mit seiner eher warmen, dennoch wohl temperierten und fein ausgewogenen Wiedergabe umgarnt er den Hörer mit Musik. Stimmen sind der pure Genuss, da er alles herausholt und dennoch nie aufdringlich wird. Am Ende eines sehr hektischen Redaktionstages erwischte ich mich, wie ich einfach eine halbe Stunde in der Musik versunken war – weil mich der E 460 hineinzog.

Die Schönheit seines Klangs erinnert an gute Röhren, sein Energie-Potenzial ist freilich ein ganz anderes: Wie explosiv, wie eindrucksvoll detailreich der E 460 das Schlagwerk von Monty Alexanders „Hurricane Come And Gone“ aufdröselte, war atemberaubend. Hatte der 450er noch gewisse Kraftmeier-Allüren, so zeigt sich nun der Nachfolger deutlich kultivierter, feiner, reifer. Den Accuphase-Entwicklern ist hier eine ganz feine Abstimmung gelungen, die den E 460 zum zweifellos besten Accuphase-Verstärker macht, den ich bisher hören durfte.

Strom-Aufbereiter Accuphase PS 1220 © Hersteller / Archiv
Strom-Aufbereiter Accuphase PS 1220

Der saubere Strom

In den letzten Jahren verstärken die Accuphase-Verantwortlichen die Diskussion um den Strom. Kein Wunder: Durch die zunehmende Zahl digitaler Geräte wird das Netz immer mehr mit HF-Schmutz belastet und die angespannte Versorgungslage bringt öfter einmal Spannungsschwankungen. Gerade auf beste Wiedergabe getrimmte Geräte sind für solche Veränderungen anfällig und spielen oft unter Form. Mit den PS 1210 und PS 1220 (Bild) hat Accuphase zwei propere, wenn auch nicht ganz günstige Strom-Aufbereiter im Programm. Der Test des E 460 lief zeitweise am PS 1220 – mit spannendem Ergebnis. Nach Feierabend, wenn die meisten PCs im Verlagshaus ausgeschaltet waren, war der PS 1220 kaum vonnöten. Tagsüber aber waren die Unterschiede frappierend: Dann spielte der Verstärker ohne Zusatz-Netzteil nervöser und weniger räumlich.

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