Menü

HiFi Wissenschaftliche Erkenntnisse

Seite 2
zurück zu Seite 1 Antworten gibt die Psychoakustik – sie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen messbaren akustischen Größen und wahrgenommenen Höreindrücken.

Gemessener Schalldruck und wahrgenommene Lautstärke haben nämlich nur ­indirekt etwas miteinander zu tun. Pegel wird in Dezibel ausgedrückt, der ­Physiker spricht von einer logarithmischen Skala.

Heißt auf Deutsch: Steigt der Pegel um 20 dB, verzehnfacht sich der Schalldruck, 40 dB meint 100-fachen Druck. Um 20 Zähler steigt auch die subjektiv empfundene Lautstärke, für die Akustiker die Einheit Phon entwickelt haben – der Mensch bezeichnet dies als etwa viermal so laut. Doch das ist nur eine Näherung. Das Empfinden ist keine simple Zahl, sondern ein komplexer Vorgang, abhängig auch vom Musikmaterial.

1. Frequenzgemisch

Die Weiterarbeitung der Schallschwingungen durch das menschliche Gehör arbeitet keineswegs für alle Tonhöhen linear – Ohrmuschel, Gehörgang und Trommelfell stellen vielmehr ein Filterkonstrukt ähnlich der LP-Entzerrungskurve dar. Im Präsenz- und Brillanzbereich mit Frequenzen zwischen zwei und fünf Kilohertz gelangt Schall über 50 dB lauter ins Innenohr als tiefe Bässe und wird entsprechend bis zu 60 Mal so laut wahrgenommen – bei akustisch identischem Schalldruckpegel, versteht sich. Experten gehen davon aus, dass es mit der Gehörschädigung ähnlich aussieht: Helle Klangfarben, die Obertöne von Blechbläsern, E-Gitarren, Beckenschläge und Zischlaute sind bei Pegeln ab 85 dB gefährlich – Tiefbässe dagegen erst jenseits der Schmerzschwelle von 130 dB.

iGrado von Grado, mit 93 dB Maximalpegel © Foto: Archiv
iGrado von Grado, mit 93 dB Maximalpegel

Um dies alles in Messungen zu berücksichtigen, wurden Bewertungsfilter erfunden, verbreitet ist etwa die A-Kurve, die in der neuen iPod-Norm Verwendung findet, streng genommen aber nur für Pegel um 40 dB optimiert ist. Eine solche Messung trägt die Einheit „dB (A)“. Gezupfte Celli und Kontrabässe beispielsweise sorgen für ein basslastiges Klangbild und damit für eine um 10 dB geringere subjektive Lautstärke. Wird nun der Pegel ohne Bewertung begrenzt, so kann präsenz- und brillanzbetonte Musik nach wie vor Hörschäden verursachen, während tiefbassreiche Musik subjektiv viel zu leise klingt.

2. Zeit und Dynamik

Gängige Grenzwerte für Lärmbelastung, aus Industrienormen abgeleitet, sind auf der Basis einer achtstündigen Dauer­belastung entstanden. Je kürzer die tatsächliche Einwirkzeit, desto höher darf aber der Kurzzeit-Pegel sein, der für das Gehör harmlos ist – in Ruhe­pausen sorgt es nämlich selbst für Entspannung und Rehabilitation. Und gerade hochwertig produzierte Musik bietet diese Abwechslung, wobei für ­wenige Millisekunden auch mal Pegel von 110 oder 120 dB erreicht werden können – vollkommen unschädlich und insgesamt auch nicht störend. Denn die empfundene Lautheit definiert sich nicht über kurze Impulse, sondern über den gemittelten Langzeitpegel, selbst ein andauerndes Fortissimo kann bis zu 15 dB unter diesen wenigen Impulsnadeln ­liegen.

Da aber moderne iPod- und Kopfhörer-Kombinationen auch die kurzzeitigen Ausschläge gnadenlos auf 100, mal selbst auf 88 Dezibel begrenzen, drücken sie leisere Passagen so weit herunter, bis sie in der S-Bahn, ja selbst in einer Stadtwohnung schlicht nicht mehr hörbar sind. Musikmaterial dagegen, das durch den starken Einsatz von Studio-Effekt­geräten auf einen einheitlichen Lautheitswert zusammen­gedampft wurde, kann auf Compact Disc erheblich lauter ­ausgesteuert werden und wirkt damit subjektiv um ein Vielfaches lauter als unbearbeitete Produktionen, etwa die CDs der „pure music“-Reihe.

weiterlesen auf Seite 3
 
zurück
Kostenlose Newsletter
x