Mit einer Musik-Flatrate greifen Sie am Smartphone und Tablet auf eine fast unerschöpfliche Quelle aktueller und älterer Musik zu. Wir stellen Apps vor, mit denen Sie Musik streamen können.
Songs aus dem Netz haben Hochkonjunktur – und immer öfter verdrängt dabei das Streamen von Musiktiteln und Alben das herkömmlichen Herunterladen, Speichern und Abspielen. Vor allem Nutzer von Smartphones und Tablets bescheren Streaming-Diensten hohe Zuwachsraten. Beim Musik-Streaming mit Apps mieten Sie Musik, statt sie zu kaufen. Für Mobilgeräte auf Android- und iOS-Basis bieten Deezer, Napster, rdio, Simfy, Soundcloud und Spotify kostenlose Apps an, über die man je nach Anbieter zwischen 15 und 20 Millionen Songs, Hörbücher und Kompilationen streamen kann.
Streaming-Dienste: Abo-Preise
Preislich nehmen sich die Dienste so gut wie nichts: Rund 10 Euro pro Monat kostet das werbefreie Vergnügen fürs Smartphone und Tablet – nur bei Soundcloud ist das Basisangebot gratis. Zwar gibt es bei Spotify & Co. auch günstigere Monatsabonnements, doch fehlt diesen Angeboten die Smartphone- und Tablet-Unterstützung.
Die passende Gratis-App zum gewählten Dienst lädt man aus dem Apple App Store oder Google Play Store. Weniger gut: Da die Apps stets ein gültiges Abonnement voraussetzen, kann man die Programme der verschiedenen Anbieter nicht vorab ausprobieren und vergleichen – man abonniert also stets die Katze im Sack. Immerhin haben sich die Anbieter bei der Weiterentwicklung der Apps ins Zeug gelegt und an Funktionsumfang und Stabilität geschraubt. Die in der Vergangenheit üblichen Hänger und Abstürze treten nur noch sporadisch auf.
Beim Start der App des französischen Anbieters erläutert eine gut gemachte Kurzanleitung die Hauptfunktionen, darunter das Auswählen eines Albums oder das Erstellen einer Playlist. Für Deezer spricht die optimal strukturierte App, die alle relevanten Funktionen in einer schön-schlichten Oberfläche bereitstellt. Auch die Geschwindigkeit beim Suchen und Blättern in den Interpreten-, Alben- und Titellisten oder beim Aufruf von AirPlay unter iOS ist tadellos. Alben und den Inhalt von Wiedergabelisten kann man zur Offline-Nutzung herunterladen.
Der Napster-Dienst hat das Musik-Streaming per Flatrate hierzulande etabliert, doch seit der Umbenennung in Napster by Rhapsody kämpft der Dienst mit Aktualitätsproblemen. Nicht ganz aktuell wirkt auch die App, die unter iOS noch nicht an die große Bildschirmfläche des iPhone 5 angepasst ist und deshalb mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand läuft. Der Nutzer kann das Angebot nach Genres durchforsten, Charts und Neuheiten abrufen und eigene Wiedergabelisten erstellen. Praktisch ist die Funktion „Künstler Radio“, mit der man ohne weitere Selektion ein Song-Potpourri des gewählten Künstlers zu hören bekommt.
Mit einer puristischen Wiedergabe-App steuert man bei rdio seine On-Demand-Musik. Das ist eher Vor- als Nachteil, denn die Software empfängt den Nutzer überaus aufgeräumt und klar strukturiert. An der Bedienung gibt es nichts auszusetzen: Ganz oben im Hauptmenü befindet sich die Suchleiste, darunter folgen die Rubriken „Heavy Rotation“, „Letzte Aktivitäten“, „Top-Charts“ und „Neuerscheinungen“. Mit dem „Hörverlauf“ kann man leicht auf Songs zugreifen, die man zuletzt schon abgehört hat. Anbindung an soziale Netzwerke, AirPlay, Titelwiederholungen – alles ist am richtigen Ort vorhanden.
Der Kölner Streaming-Anbieter hat nach eigenem Bekunden 18 Millionen Songs parat. Musikauswahl, Empfehlungslisten, persönlicher Wiedergabespeicher, Künstlerradio und Weitergabemöglichkeiten für eigene Lieblingssongs – die Ausstattung der Simfy-App ist gut. Auch bei der Musikauswahl gab es kaum Patzer. Als nützlich erweisen sich die Titelneuvorschläge. Weniger schön: Die iOS-App ist nicht an den großen iPhone-5-Bildschirm angepasst und wirkt insgesamt bieder.
Soundcloud fällt im Umfeld von Spotify & Co. ein wenig aus dem Rahmen, denn der Streaming-Dienst dient in erster Linie Musikern und DJs als Promo- und Weitergabeplattform für neue Songs und Mixe. Dementsprechend ist das Basisangebot gratis. Ideal ist der Dienst für Nutzer, die neue Künstler kennenlernen wollen, denn die App präsentiert dem Hörer einen sich automatisch aktualisierenden Feed neuester Titel. Während der Wiedergabe werden die Kommentare anderer Nutzer zum Musikstück angezeigt und man kann den Song selbst kommentieren.
Spotify ist der derzeit populärste Streaming-Dienst mit einer eigenen App. Neben den üblichen Such-, Sortier- und Wiedergabefunktionen einschließlich AirPlay kann man eigene Wiedergabelisten synchronisieren lassen und Musik zur Offline-Nutzung herunterladen. Die Anordnung der Coverübersichten ist verbesserungswürdig. Das (Mit-)Teilen von Musik mit Freunden scheint den App-Machern besonders wichtig zu sein. Man kann einzelne Songs und Alben empfehlen. Zudem gibt es eine eher nervige automatische Facebook-Anbindung (wer will schon stets lesen, was andere gerade hören oder zur Playlist hinzufügen).
Von der schieren Musikfülle darf man sich allerdings nicht blenden lassen: Wie groß der Bestand an Titeln in den einzelnen Genres wie Pop, Jazz oder Metal ist, verrät keiner der Bertreiber. Außerdem sind anhand des bloßen Umfangs noch keine Rückschlüsse auf die Aktualität möglich. Anders als beim Online-Kauf von Songs etwa aus dem Apple iTunes Store fließen Singles und Alben nicht sofort mit ihrer Veröffentlichung ins Angebot der Streaming-Dienste ein. Oft vergehen einige Tage oder gar Wochen, bis eine Neuveröffentlichung zum Streamen erhältlich ist. Und: Aufgrund fehlender Lizenzabsprachen sind manche Künstler nur bei bestimmten Streaming-Anbietern oder überhaupt nicht zu finden.
Fürs reine Musikstreaming ist kaum Speicherplatz auf dem Smartphone oder Tablet nötig. Das Online-Musikhören erfordert lediglich eine Datenverbindung. Im WLAN spielt die dabei anfallende Datenmenge keine große Rolle, dagegen geht beim Streamen über das Mobilfunknetz jedes fürs Musikhören verbrauchte Byte vom Datenkontingent des Provider-Vertrags ab. Im Laufe eines Monats kommen dabei locker mehre hundert oder gar tausend MByte zusammen. Deshalb lässt sich in den Streaming-Apps die mobile Datenübertragung abseits einer WLAN-Verbindung ausschalten.
Damit man auch dann Musikhören kann, wenn mal keine Internetverbindung verfügbar ist, können Musikstücke auf das Smartphone oder Tablet heruntergeladen und offline abgespielt werden. Die Wiedergabe ohne Internetverbindung ist auch für Urlaubsreisen interessant. Den Offline-Modus kann man bei allen Anbietern nur mit gültigem Abonnement nutzen. Kündigt man seinen Vertrag, lassen sich die gespeicherten Titel nicht mehr abspielen.