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Ratgeber Netzwerk-Festplattensysteme

Es tut sich was in Sachen NAS. Als Gegenpol zu Netzwerk-Playern sind Netzwerk-Speicher stark gefragt, verbunden mit hohen Ansprüchen an Kapazität, Sicherheit und Geräuscharmut. NAS-Spezialist QNAP bietet drei brandneue Systeme an, die jeglichem Speicherbedarf individuell gerecht werden.

Um Musik, Fotos und Videos mit einem Netzwerk-Player wiederzugeben, müssen die Daten im Netzwerk verfügbar sein. Das kann einerseits über einen Computer und ­dessen eingebaute oder extern ­angeschlossene Festplatten geschehen. Andererseits lassen sich dafür auch NAS-Geräte verwenden, wobei NAS für ­Network Attached Storage steht – also ans Netzwerk angebundene Speicher. Diese brauchen weniger Strom als Computer und sind in ihrer Anwendung mit den vielen für den ausgefuchsten Betrieb nötigen Features für den Endanwender besser beherrschbar.

TS 439/639 enthalten zwei Gigabit- LAN- Schnittstellen, wodurch sich die Transferrate verdoppeln lässt. Dazu ist aber ein geeigneter Switch erforderlich, wie etwa der Netgear GS 108 T für 100 Euro.
TS 439/639 enthalten zwei Gigabit- LAN- Schnittstellen, wodurch sich die Transferrate verdoppeln lässt. Dazu ist aber ein geeigneter Switch erforderlich, wie etwa der Netgear GS 108 T für 100 Euro.

War die professionelle Netzwerk-Speichertechnik noch bis vor Kurzem für den Hausgebrauch zu teuer, stoßen neueste NAS-Modelle jetzt in den inter­essanten Preisbereich bis 1000 Euro vor. Die ständig fortschreitende Speicherverdichtung bei den Festplatten tut ein Übriges, sodass selbst große Kapazitäten bis zu 10 Terabyte erschwinglich werden. Das genügt dann sogar für die Speicherung gigantischer Videoarchive in High-Defini­tion-Bildqualität.

Freilich hat es nicht jeder mit solchen Datenmengen zu tun, und für Audio allein reicht auch weniger. Daher haben wir drei QNAP-NAS-Server verschiede­ner Größe auf ihre multimediale Netzwerktauglichkeit überprüft. Im Einzelnen sind das der TS 219 Pro für zwei Festplatten, der TS 439 Pro für vier und der TS 639 Pro für sechs Hard Disk Drives. Der TS 219 ist so neu, dass der Preis zum Redaktionsschluss noch nicht feststand, er dürfte aber unter 400 Euro liegen. Der TS 439 kostet 689 und der TS 639 dann 1060 Euro. Diese Preise verstehen sich ohne Festplatten; derzeit gibt es 1 Tera­byte für etwa 100 Euro.

Beim TS 219 fällt die Ähnlichkeit mit dem in stereoplay 1/08 getesteten TS 209 ins ­Auge. Der wesentliche Vorteil des Neuen besteht darin, dass jetzt die Erstellung von Gesamt-Speicherkapazitäten mit mehr als 2 Terabyte (TB) möglich ist.  Damit lassen sich also mit den ab Sommer erhältlichen 2-TB-HDDs Speicher von 4 TB realisieren. Im gesicherten RAID-Betrieb sind es 2 TB, auf das Thema RAID kommen wir ­später noch zu sprechen. 1 TB reicht für etwa 1500 Stunden Musik in Original-CD-Qualität und für etwa 460 Stunden mit 24 Bit / 96 Kilohertz.

Der TS 219 lässt sich per Modi­fikation wohnzimmerleise machen. In Speicherkapazität, Ausstattung und Performance ist er TS 439/639 klar unterlegen.
Der TS 219 lässt sich per Modi­fikation wohnzimmerleise machen. In Speicherkapazität, Ausstattung und Performance ist er TS 439/639 klar unterlegen.

Für den reinen HiFi-Einsatz ist der TS 219 auch deshalb perfekt geeignet, da er durch eine stereoplay-Modifikation so leise wird, dass er im Wohnzimmer betrieben werden kann. Die ­dazu nötigen Mechanikteile kos­ten 73 Euro und sind über www.noisecontrol.de sowie dfm-metallbau@t-online.de erhältlich. Weitere Infos dazu lesen Sie bitte in Ausgabe 10/08.

Selbst beim Audioformat 24/96 ist die Datenmenge relativ klein, und das gilt auch für Fotos. Für Videos in DVD-Qualität – insbesondere für solche in High Definition – steigt der Speicherbedarf jedoch auf gigantische Werte an. So benötigt ein Kinofilm im gängigen High-Definition-Format H.264 zwischen 10 und 30 Gigabyte. 

Dafür reicht der TS 219 nicht, es kommen TS 439 und TS 639 ins Spiel, die sich nur durch die Anzahl der möglichen Festplatten unterscheiden. Sehr deutlich ist hingegen der Unterschied zum TS 219: TS 439 und TS 639 bieten 1,6-Gigahertz-Atom-Prozessoren von Intel sowie noch mehr professionelle NAS-Features.

Der TS 439 fasst maximal vier Festplatten. Mit RAID-5-Sicherung stehen dann netto drei Disks für Daten zur Verfügung. Über USB können Daten per Knopfdruck auf den Server überspielt werden.
Der TS 439 fasst maximal vier Festplatten. Mit RAID-5-Sicherung stehen dann netto drei Disks für Daten zur Verfügung. Über USB können Daten per Knopfdruck auf den Server überspielt werden.

Ein wichtiges Merkmal ist RAID: Redundant Array of ­Independent Disks. Damit lassen sich mehrere Festplatten zu größeren logischen Laufwerken zusammenschalten und mit Datensicherung versehen. RAID ist in mehreren Varianten möglich, besonders ab dem mit TS 439 und TS 639 möglichen RAID 5 sind ausgeklügelte ­sowie rechenintensive Fehler­erkennungs- und -korrektur­prozesse erforderlich.

Wird beim TS 219 für das damit mögliche RAID 1 der halbe Speicher für die Datensicherung benötigt, kommt RAID 5 beim TS 439 für die Sicherung mit nur einem Viertel der Gesamtkapazität aus. Beim TS 639 sinkt der erforderliche Speicher  für die Rekonstruktion verlorengegangener Daten (Redundanz) auf ein Sechstel. Dabei werden die Daten so auf die Platten verteilt, dass das System den Defekt einer Disk verkraftet und deren Austausch selbst im laufenden Betrieb erlaubt. Danach wird das RAID automatisch wieder in einen sicheren Zustand versetzt. Wenn eine Platte  ausfällt oder andere Störungen  auftreten, schicken die Geräte automatisch Benachrichtigungen per E-mail oder SMS. Das ebenfalls mögliche RAID 6 benötigt zwei Platten für die ­Redundanz, dann können sogar zwei HDDs ausfallen.

Mit dem perfekt funktionierenden RAID 5 bieten TS 439 und TS 639 eine sehr effiziente Datensicherung für den am häufigsten auftretenden Störfall, den Festplatten-Crash. Für Musik, Fotos und wichtige Videos empfielt stereoplay, hin und wieder eine zusätzliche Sicherung auf externe Platten vorzunehmen. Diese lassen sich per USB oder eSATA anschließen und gezielt für beliebige Verzeichnisse des NAS-Inhalts synchronisieren. Dabei werden nicht mehr vorhandene Dateien gelöscht, wodurch QNAPs NAS-Server die wichtige Rundum-Datensicherung zu einem praktikablen Vorgang gestalten.

© In den TS 639 lassen sich bis zu sechs HDDs einstecken, sogar eine nachträgliche Speichererweiterung im Betrieb ist möglich. Die Profi-Ausstattung reicht für den Einsatz in kleineren Firmen.

Alle drei Server enthalten den UPnP-AV-Server Twonky, der problemlos die meisten Netzwerk-Player mit Musik, Fotos und Videos versorgt. Audio mit 24/96 wird davon derzeit noch nicht unterstützt, das können die Server aber über einfache Dateifreigabe. Installieren lässt sich auch das Squeezecenter für die Logitech-Geräte.

TS 439/639 ermöglichen mit ihrer starken Rechenleistung höhere Datentransferraten als der TS 219. Im RAID-5-Betrieb für vier HDDs werden 350-MB-Dateien mit 40 Megabyte pro Sekunde geschrieben und mit 60 MB/sec gelesen. Die Leistungs­aufnahme mit vier HDDs beträgt dank des Intel-Atom-Prozessors nur 60 Watt und wird im Schlafmodus auf 30 Watt reduziert. Super ist, dass sich die Einschaltzeiten für jeden Wochentag beliebig wählen lassen, auch kann der Server vom PC ein- und ausgeschaltet werden. Das ist wichtig, da das Betriebsgeräusch die Aufstellung im Wohnzimmer verhindert. Mit Stromnetz-Adaptern – wie dLAN 200 AV von Devolo – könnte der NAS-Server aber zum Beispiel in der Abstellkammer seinen Platz finden.

Die überzeugenden Eigenschaften der drei QNAP-Server werden noch durch die hohe Betriebssicherheit und die vorbildliche Bedienung mit deutscher Menüführung ergänzt. Damit macht NAS Spaß!

 
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