Klangqualität Ratgeber: Musik-Downloads
Während einer Diskussion in der Redaktion um Download-Musik – wohlgemerkt die legale aus den Shops – stellte sich plötzlich heraus, dass niemand wusste, wie die Musik bis in die Shops gelangt und wie sie auf dem Weg dahin behandelt wird: Sitzen da Studenten im dunklen Keller von Amazon und rippen die CDs? Oder liefern heute schon die Studios fertige Daten an die Shops, sorgfältig codiert, direkt vom 24-Bit-Master? Klingt die Musik aus allen Shops gleich?
In Gesprächen, beispielsweise mit Jörg Nijmeijer vom Encoding-Spezialist de_zwei_drei, war übereinstimmend zu erfahren, dass für solche Zwecke einheitlich WAV-Dateien mit PCM-Ton im CD-Format (16 Bit, 44,1kHz) angeliefert werden. Das Encodingunternehmen fasst nun die Inhaltsdaten und die Audiodaten zu verlustfrei komprimierten Musikdateien im FLAC-Format zusammen. Die Hauptarbeit ist dabei die Qualitätssicherung, denn Fehler, die bis zu diesem Zeitpunkt auftreten, bleiben bis zum Abspielen beim Kunden erhalten. Diese FLAC-Dateien gehen dann an die Shopbetreiber oder zurück an die Aggregatoren. Auf diese Weise gelangen die Daten beispielsweise von de_zwei_drei zu iTunes oder Amazon. Dort wiederum laufen sie durch einen vollautomatischen Recodierungsprozess, um das Shop-spezifische Datenformat zu erzeugen.
Eine glückliche Fügung wollte es, dass der Redaktion von Monster Music von zwei Alben sowohl die CDs als auch im Studio direkt vom 24-Bit-Master professionell codierte Titel vorlagen, und zwar in den Formaten AAC und WMA. Das als Referenz auserkorene Album von George Benson & Al Jarreau „Givin‘ It Up" klingt dazu recht gut und macht auch beim x-ten Mal hören noch Spaß. Als nächstes galt es, von einigen der wichtigeren Portale Titel dieses Albums zu kaufen. Das gestaltet sich bei einigen Anbietern schnell als lästige Installationsorgie. So wollen für iTunes, Napster und Amazon erst einmal die zugehörenden Programme geladen und installiert werden. Im MediaMarkt Shop von 24-7 Entertainment geht das alles ganz unbürokratisch per Webbrowser. Als Formate dienen bei iTunes AAC, bei Amazon und 24-7 Entertainment MP3, alles ohne lästiges Digital-Rights-Management (DRM). Damit lassen sich die einmal erworbenen Titel beliebig oft und lange abspielen und für Auto und Musikplayer unbegrenzt kopieren.
Immerhin erlaubt es Napster, mit der eigenen Software die WMA-Dateien auf eine normale Audio-CD zu schreiben. Dafür bläst diese die kompakten WMA-Dateien aber wieder auf unkomprimiertes PCM auf.
Die Tester entschieden sich für zwei vergleichende Hördurchgänge, einmal die Originaldateien in einen Laptop gestreamt, der per optisches Digitalkabel die Anlage befüttert, und ein zweiter mit allen Dateien auf normale CD mit PCM-Ton umkopiert, um verschiedene Decodertypen oder Eigenarten der Audiomimik des Computers auszuklammern. Schließlich schleusten die Tester alle Dateien einmal durch das Dynamic Range Meter von Tischmeyer Technology, um messtechnisch Unterschiede zwischen den Inhalten erfassen zu können – siehe Beitrag "stereoplay Messtechnik: Dynamische Messung".
© Musicload gibt vergleichsweise sachlich-nüchtern Informationen zum Download preis, dafür bleibt alles schön übersichtlich.
Die auf 16-Bit-WAV-Dateien basierenden Dateien aus den Shops sollten sich also erwartungsgemäß irgendwo darunter ansiedeln. In der Tat klang die Kaufmusik aus allen Shops sehr ähnlich; eine gröbere Manipulation der Musik, wie sie im Vorfeld einige Kollegen befürchteten, fand also beruhigender Weise nicht statt. Am besten klang „Summer Breeze" in der AAC-Version aus Apples iTunes. Die Datei ist vermutlich nur unter optimalen Hörbedingungen von einem Laien von der Original-CD zu unterscheiden, auf einfacheren Anlagen vermutlich gar nicht. Die 256 kBit/s mit variabler Datenrate des AAC-Datenstroms klingen wirklich hervorragend.
Auf normale gebrannte Audio-CD konvertiert verglichen die Tester die Datensätze ebenfalls. Erwartungsgemäß schrumpften die Unterschiede, die Charakteristika blieben aber erhalten. Die professionell codierten 24-Bit-Dateien verloren auf der 16-Bit-CD ein wenig Glanz und Feinkörnigkeit. Das Amazon-MP3 klang der originalen CD etwas ähnlicher.
Das beruhigende Fazit: Die großen Download-Anbieter lieferten allesamt ordentlich codierte Musikdateien. Kleinere Ausreißer leisteten sich nur Amazon mit erstaunlicher Weise ein wenig manipulierter Dynamik und Napster mit etwas oberflächlicherem Klang.
Falls es so etwas wie einen Sieger gibt, dann ist das um eine Haaresbreite iTunes. Tonal und in Sachen Auflösung lagen alle ähnlich, zumindest bei diesem Album – wie gesagt: die großen Portale werden von einer Vielzahl Lieferanten bestückt. Wer Download-Musik zur Berieselung erwirbt und keinen audiophilen Ersatz physischer Medien erwartet, der macht einen guten Deal und spart oft noch Geld. Wer absolut perfekte Qualität erwartet, der muss weiterhin die Platten kaufen und selbst in verlustfreien Formaten wie FLAC codieren.
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