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Klangqualität Ratgeber: Musik-Downloads

stereoplay recherchierte, wie die Musik in die Downloadshops kommt und wieviel Klangqualität dabei auf der Strecke – oder erhalten – bleibt.

Während einer Diskussion in der Redaktion um Download-Musik – wohlgemerkt die legale aus den Shops – stellte sich plötzlich heraus, dass niemand wusste, wie die Musik bis in die Shops gelangt und wie sie auf dem Weg dahin behandelt wird: Sitzen da Studenten im dunklen Keller von Amazon und rippen die CDs? Oder liefern heute schon die Studios fertige Daten an die Shops, sorgfältig codiert, direkt vom 24-Bit-­Master? Klingt die Musik aus allen Shops gleich?

Amazon bietet eins der größten Onlineportale für Download­musik, alles DRM frei, MP3-Format mit 256-320 kBit/s.

Also setzten sich die Redakteure vor den Rechner und ans Telefon und begannen nachzufragen. Von Firmen wie Amazon erhält man nur Antworten wie: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir hier keine Details veröffentlichen." Bei tieferem Graben gelangt man schnell an so genannte Aggregatoren. Diese Firmen, wie etwa Zebralution, bilden die Schnittstelle zwischen Musikindustrie und den Verkaufsportalen, teilweise betreiben sie diese auch gleich, wie beispielsweise die Firma 24-7 Entertainment, die hinter dutzenden Downloadportalen steckt, etwa hinter MediaMarkt, Weltbild oder Eventim. Die Aggregatoren wiederum bekommen die Daten von den Musikvertrieben und reichen diese zur Aufbereitung an Encoding-Firmen. Die wiederum füttern und warten die Datenbanken für Titel- und Interpretennamen, Genrezuordnungen et cetera und verarbeiten auch die Audiodaten.

In Gesprächen, beispielsweise mit Jörg Nijmeijer vom Encoding-Spezialist de_zwei_drei, war übereinstimmend zu erfahren, dass für solche Zwecke einheitlich WAV-Dateien mit PCM-Ton im CD-Format (16 Bit, 44,1kHz) angeliefert werden. Das Encodingunternehmen fasst nun die Inhaltsdaten und die Audiodaten zu verlustfrei komprimierten Musikdateien im FLAC-Format zusammen. Die Hauptarbeit ist dabei die Qualitätssicherung, denn Fehler, die bis zu diesem Zeitpunkt auftreten, bleiben bis zum Abspielen beim Kunden erhalten. Diese FLAC-Dateien gehen dann an die Shopbetreiber oder zurück an die Aggregatoren. Auf diese Weise gelangen die Daten beispielsweise von de_zwei_drei zu iTunes oder Amazon. Dort wiederum laufen sie durch einen vollautomatischen Recodierungsprozess, um das Shop-spezifische Datenformat zu erzeugen.

Marktschreierisch, aber mit allen sachlichen Informationen bietet das Portal des Discounters die MP3-Dateien feil.

Bei weiterer Recherche lernten die Redakteure aber, dass kleinere Independent-Labels durchaus auch selbst FLAC und sogar fertig datenreduzierte Daten an viele Shops liefern. Die Daten eines Shops kommen demnach aus verschiedenen Quellen. Apple hat beispielsweise für iTunes weltweit 10 Firmen als Encoding-Partner lizenziert, darunter das deutsche Team von de_zwei_drei. Mit diesen Erkenntnissen war klar: Eine einheitliche, für alle in einem Shop zu erwerbenden Musikdateien gleichermaßen geltende Klangbewertung kann es nicht geben.

Eine glückliche Fügung wollte es, dass der Redaktion von Mons­ter Music von zwei Alben sowohl die CDs als auch im Studio direkt vom 24-Bit-Master professionell codierte Titel vorlagen, und zwar in den Formaten AAC und WMA. Das als Referenz auserkorene Album von George Benson & Al Jarreau „Givin‘ It Up" klingt dazu recht gut und macht auch beim x-ten Mal hören noch Spaß. Als nächstes galt es, von einigen der wichtigeren Portale Titel dieses Albums zu kaufen. Das gestaltet sich bei einigen Anbietern schnell als lästige Installationsorgie. So wollen für iTunes, Napster und Amazon erst einmal die zugehörenden Programme geladen und installiert werden. Im MediaMarkt Shop von 24-7 Entertainment geht das alles ganz unbürokratisch per Webbrowser. Als Formate dienen bei iTunes AAC, bei Amazon und 24-7 Entertainment MP3, alles ohne lästiges Digital-Rights-Management (DRM). Damit lassen sich die einmal erworbenen Titel beliebig oft und lange abspielen und für Auto und Musikplayer unbegrenzt kopieren.

Neu: Apples überarbeitetes iTunes bereitet in der Version 9.0 Künstler und Albuminformationen sehr übersichtlich auf.

Ausgerechnet die ehemals freie und in rechtlich tiefgrauer Zone agierende Tauschbörse Napster, heute ein seriöses, weltweit Musik legal vertreibendes Unternehmen, legt seine Kunden per DRM an die Kette und nutzt das vergleichsweise exotische WMA-Format (Windows Media Audio). Wer sich im Laufe der Jahre mal neue Computer zulegt oder seine Musik im Auto nutzen möchte, dem kann es passieren, dass Napster irgendwann den Hahn zudreht.

Immerhin erlaubt es Napster, mit der eigenen Software die WMA-Dateien auf eine normale Audio-CD zu schreiben. Dafür bläst diese die kompakten WMA-Dateien aber wieder auf unkomprimiertes PCM auf.

Die Tester entschieden sich für zwei vergleichende Hördurchgänge, einmal die Originaldateien in einen Laptop gestreamt, der per optisches Digitalkabel die Anlage befüttert, und ein zweiter mit allen Dateien auf normale CD mit PCM-Ton umkopiert, um verschiedene Decodertypen oder Eigenarten der Audiomimik des Computers auszuklammern. Schließlich schleusten die Tester alle Dateien einmal durch das Dynamic Range Meter von Tischmeyer Technology, um messtechnisch Unterschiede zwischen den Inhalten erfassen zu können – siehe Beitrag "stereoplay Messtechnik: Dynamische Messung".

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© Musicload gibt vergleichsweise sachlich-nüchtern Informationen zum Download preis, dafür bleibt alles schön übersichtlich.

Zunächst galt es, die Originaldaten der Kauf-CD mit den auf der dazu gehörenden DVD lagernden AAC- und WMA-Versionen zu vergleichen. Die CD mit ihren 16 Bit klang geschlossen, relativ kompakt, aber schön räumlich. Die von Mons­ter-Chef Noel Lee im Studio direkt vom 24-Bit-Master datenreduzierten AAC- und WMA-Dateien klangen insbesondere im Hochtonbereich noch eine Spur feiner, die Becken des Schlagzeugs glänzten noch ein wenig strahlender, und S-Laute von Al Jarreau lösten sie eine Spur feiner auf. Aber in Sachen Separation der Instrumente und feindynamischer, räumlicher Abbildung ging in der Daten­reduktion einiges verloren.

Die auf 16-Bit-WAV-Dateien basierenden Dateien aus den Shops sollten sich also erwartungsgemäß irgendwo darunter ansiedeln. In der Tat klang die Kaufmusik aus allen Shops sehr ähnlich; eine gröbere Manipulation der Musik, wie sie im Vorfeld einige Kollegen befürchteten, fand also beruhigender Weise nicht statt. Am besten klang „Summer Breeze" in der AAC-Version aus Apples iTunes. Die Datei ist vermutlich nur unter optimalen Hörbedingungen von einem Laien von der Original-CD zu unterscheiden, auf einfacheren Anlagen vermutlich gar nicht. Die 256 kBit/s mit variabler Datenrate des AAC-Datenstroms klingen wirklich hervorragend.

Napsters Shop nähert sich iTunes immer weiter an, erreicht aber dessen Funktionsumfang und Übersichtlichkeit nicht.

Am größten unterschied sich das MP3-File mit konstanten 320 kBit/s von Amazon. Es klang vordergründig sogar besser als die originale CD, bei genauerem Hinhören erkannten die Tester aber einen nicht mehr stimmigen Raumeindruck und spürbare Überbetonung einzelner Details. Die Messung mit dem DR-Meter bestätigt die Manipulation als größeren Dynamikwert. Am vordergründigsten und detail­ärmsten klang die Napster-WMA-Datei. Trotz allem: Der Klang aller Probanden lag doch relativ nah am Original der ­Kauf-CD.

Auf normale gebrannte Audio-CD konvertiert verglichen die Tester die Datensätze ebenfalls. Erwartungsgemäß schrumpften die Unterschiede, die Charakteristika blieben aber erhalten. Die professionell codierten 24-Bit-Dateien verloren auf der 16-Bit-CD ein wenig Glanz und Feinkörnigkeit. Das Amazon-MP3 klang der originalen CD etwas ähnlicher.

Das beruhigende Fazit: Die großen Download-Anbieter lieferten allesamt ordentlich codierte Musikdateien. Kleinere Ausreißer leisteten sich nur Amazon mit erstaunlicher Weise ein wenig manipulierter Dynamik und Napster mit etwas oberflächlicherem Klang.

Falls es so etwas wie einen Sieger gibt, dann ist das um eine Haaresbreite iTunes. Tonal und in Sachen Auflösung lagen alle ähnlich, zumindest bei diesem Album – wie gesagt: die großen Portale werden von einer Vielzahl Lieferanten bestückt. Wer Download-Musik zur Berieselung erwirbt und keinen audiophilen Ersatz physischer Medien erwartet, der macht einen guten Deal und spart oft noch Geld. Wer absolut perfekte Qualität erwartet, der muss weiterhin die Platten kaufen und selbst in verlustfreien Formaten wie FLAC codieren.

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