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Ratgeber Raumakustik Profi-Prozessor Trinnov ST 2 HiFi

Der Profi-Prozessor von Trinnov optimiert die Akustik ­Ihrer Anlage konsequenter als jeder andere seiner Art.
Profi-Prozessor Trinnov ST 2 HiFi

Trotz des russisch anmutenden Namens ist die kleine Firma ein echt französisches Gewächs. Arnaud Laborie gründete Trinnov 2000 aus einem Uni-Projekt zur Erforschung von 3D-Sound heraus. Seit 2005 produziert man den Optimizer für den Profi-Markt. Heute arbeiten viele wichtige Studios, Rundfunkanstalten, Konzerthäuser und Kinos mit ihm, denn er beherrscht ein paar bislang einzigartige akustische Tricks.

2010 stellte Trinnov noch etwas unauffällig gemeinsam mit Manger auf der HIGH END seinen ersten Prototypen eines Prozessors für den HiFiMarkt aus. stereoplay konnte sich nun eines der ersten Exemplare des ST 2 HiFi – Seriennummer 17 – zum Test sichern. Er hat im Gegensatz zu den Studiogeräten auch Cinch-Anschlüsse, bietet wertigere Verarbeitung und ­benutzt eine anwenderfreundlichere Bedienoberfläche.

Das Trinnov 3D-Messmikro besitzt vier pyramidenförmig angeordnete Kapseln. Das Mikro mit dem roten Punkt sitzt vorn. Damit lassen sich die Richtungen der Schall­anteile ermitteln.
Das Trinnov 3D-Messmikro besitzt vier pyramidenförmig angeordnete Kapseln. Das Mikro mit dem roten Punkt sitzt vorn. Damit lassen sich die Richtungen der Schall­anteile ermitteln.

Was macht der Trinnov? Er kann das akustische Ergebnis einer Wiedergabekette kompensieren – und zwar weit über die Fähigkeiten der üblichen Verdächtigen wie Audyssey und Co. hinaus. Am nächsten kommt ihm vielleicht noch der Audiovolver von Audiodata, der ebenfalls mit aufwendigen FIR-Filtern neben dem Frequenzgang detailliert auf den Phasengang und die Gruppenlaufzeiten eingeht. Der Trinnov kann aber sogar erste Reflexionen kompensieren und die virtuelle ­Position von Lautsprechern in allen drei Raumachsen verschieben. Einer der Tricks dabei liegt im Messverfahren. Die Franzosen entwickelten ein 3D-Mikrofon mit vier pyramidenförmig angeordneten Kapseln. Damit lassen sich die Richtungen ­einzelner Signalanteile auf 0,1 Grad genau analysieren.

Der Optimizer selbst besteht aus einem potenten PC mit Mehrkern-Intel-CPU, dessen MMX-Befehlssatz erst die komplexen Berechnungen erlaubt. Auf der Tonmeistertagung ­erläuterte Arnaud Laborie der Redaktion, dass sonst 8 bis 12 konventionelle DPS‘s nötig wären. Und das ist teurer und komplizierter zu entwickeln. Mit dem Betriebssystem Embedded Windows kommt man als Anwender allerdings nie in Berührung. Die Audio-Boards sind Eigenentwicklungen Trinnovs und machen einen sehr high­endigen Eindruck – wie die gesamte Verarbeitung. Der ST 2 HiFi bietet digital je einen AES/EBU- und einen Cinch-Ein- und Ausgang, analog je zwei Stereo-Cinch- sowie -XLR-Ein- und Ausgänge. Die doppelten Outputs lassen sich zur Ansteuerung von Zweiwege-Aktivlautsprechern oder Satelliten/Subwoofer-Kombinationen nutzen. Der ST 2 besitzt ein vollständiges Bassmanagement mit ­automatischem Abgleich.

Die Steuerung des Trinnov gelingt am einfachsten über ­einen direkt angeschlossenen VGA-Monitor plus Maus oder per Netzwerk via VNC-Client-Software mit Laptop oder gar einem iPad respektive SmartPhone. Die englische Bedien­oberläche ist klar gegliedert und frei von Schnickschnack. Die Konfiguration der Ein- und Ausgangssignale stammt aus dem Profibereich. Wie an einem ­Studiomischpult lassen sich hier Kanäle, Pegel, Frequenzgänge frei zuweisen.

Profi-Prozessor, Trinnov ST 2 HiFi

Amplituden-Frequenzgang: Oben/Mitte/Unten = Original/Ergebnis/Korrektur (FIR-Filter).

Das Einmessen ist fast ein Kinderspiel, muss aber pingelig durchgeführt werden. Dazu kommt das 3D-Mikro auf einen Ständer und wird mit seinen vier XLR-Steckern in die analogen Eingänge verkabelt. Man muss es perfekt senkrecht und mit dem markierten Mikrofon auf die Hörachse ausrichten. Beliebig viele Messungen lassen sich definieren und gewichten, wobei die erste stets die Referenzmessung auf dem zentralen Hörplatz darstellt. Drei bis acht Messungen empfehlen sich am und um den Hörplatz. „Optimizer Graphics“ zeigt ­optisch die Messungen, die ­Korrekturen und Resultate für Frequenzgang, Phasengang, Gruppenlaufzeit und Impulsverlauf zu jedem Messpunkt an. Kleinigkeiten wie Pegel- und Laufzeitunterschiede zwischen Lautsprechern und Subwoofern korrigiert das System ebenfalls automatisch.

Die Tester waren natürlich mehr als gespannt, wie all das klingt: So viel Signalmanipulation macht skeptisch. Doch der Trinnov verblüffte auf der ganzen Linie. Der nicht ganz symmetrische Hörraum des Autors, der mit akustischen Maßnahmen bereits fast auf Studio­niveau getunt ist, war plötzlich kein Problem mehr. Die JBL LSR 4328 (Test stereoplay 01/2010) spielte nie zuvor so präzise, so auf den Punkt. Die Abbildung, sonst eher wie hinter einem Fenster, rutschte vor die Boxen, löste sich besser von den Membranen; die Detaildarstellung verbesserte sich. In puncto Schärfe gab es einen Unterschied wie von Blu-ray zu DVD.

1) Hier verrät sich der PC im ST 2. Am einfachsten steuert man das Gerät aber über VNC-Software. 2) AES/EBU- und S/P-DIF-Ein- und Ausgänge  für die digitale Signal­verarbeitung. 3) 2 Stereo-Cinch-­Eingänge und vier ­Ausgangskanäle für Stereo oder Satelliten/Subwoofer. 4) XLR-Anschlüsse wie  Cinch-Kanäle. Die Eingänge dienen auch als Mikrofon-Inputs.
1) Hier verrät sich der PC im ST 2. Am einfachsten steuert man das Gerät aber über VNC-Software. 2) AES/EBU- und S/P-DIF-Ein- und Ausgänge für die digitale Signal­verarbeitung. 3) 2 Stereo-Cinch-­Eingänge und vier ­Ausgangskanäle für Stereo oder Satelliten/Subwoofer. 4) XLR-Anschlüsse wie Cinch-Kanäle. Die Eingänge dienen auch als Mikrofon-Inputs.

Ein weiterer Versuch mit schlichteren Lautsprechern sollte die Leistungsfähigkeit der französischen Algorithmen noch dramatischer zeigen. Ein Pärchen Elac FS 67.2, das ­gerade zur Verfügung stand, musste als passiver, ­kompakter 2,5-Wege-Standlautsprecher beweisen, was in ihm steckt. Das Ergebnis mit dem Trinnov grenzte an ein Wunder. Aber nicht, weil die Elac schlecht wäre. Im Gegenteil, weil der krasse Klanggewinn mit Processing die Qualität der Chassis und der Gehäuseverarbeitung belegte und eben auch die Grenzen bezahlbarer passiver Weichentechnik aufzeigte. Wie ausgewechselt, dazu locker um ein bis zwei Rang-und-Namen-Klassen besser klang die Kieler Box, sie versprühte nun musikalischen Feingeist, bot eine enorme Räumlichkeit und spielte mit einer Autorität, die man der kompakten Säule nie zugetraut hätte.

Im Redaktionshörraum versuchten sich die Tester an den quasi schon perfekten Magico M 5. Doch auch hier geschah, was kaum jemand der digitalen Korrektur zugetraut hätte. Die Informationsdichte und die ­Musikalität der Referenzkette ließen sich mit dem Trinnov steigern, als hätte jemand im akustischen Abbild nochmals die Schärfe besser eingestellt. Details wie zarte Anblasgeräusche kamen zum Vorschein, Instrumentenkörper wurden exakter gezeichnet, Klavier­anschläge besaßen nun noch mehr Genauigkeit und Macht. Dabei tönte es nie digital, eher so, als hätte man die Kette von einer letzten Last befreit.
Klar, Wunder kann auch der Optimizer nicht bewirken, aber er ist verdammt nahe dran.

 
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