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26. Januar 2012
Hintergrund: Max Prosa - Die Phantasie wird siegen Bild vergrößern 680 680 http://img3.magnus.de/Max-Prosa-ver-ffentlicht-am-27-Januar-sein-Deb-talbum-quot-Die-Phantasie-wird-siegen-quot--r680x680-C-6c93dabe-51773200.jpg © Sandra Ludewig / Sony
© Sandra Ludewig / Sony
Hintergrund

Max Prosa - Die Phantasie wird siegen

Einigermaßen hektisch geht es an diesem Abend im Münchner Cord Club zu - die Vorbereitungen für das Konzert von Max Prosa sollten längst abgeschlossen sein. Stattdessen ist der Soundcheck eine Stunde vor Beginn der Show in vollem Gange, und auch hinter der Bar gibt es noch einiges zu tun. Einer lässt sich von all dem Stress gar nicht aus der Ruhe bringen: Max Prosa selbst. Er singt eines seiner Lieder an, springt von der kleinen Bühne, schaut aus dem Fenster und geht nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen. Der 22-Jährige spricht mit kaum jemandem, mischt sich erst ein, als es darum geht, vier große, leuchtende Bausteine zu platzieren, auf denen der Titel seines Debütalbums geschrieben steht: Mit "Die Phantasie wird siegen" (VÖ: 27.01.) beweist Prosa nicht zuletzt sich selbst, dass es vollkommen richtig war, auf seine innere Stimme zu hören.

Wenn Max Prosa auf der Bühne steht und Songs wie "Flügel" oder "Visionen von Marie" zum Besten gibt, dann wirkt es selbstverständlich, dass dieser junge Mann Musik macht. Das ist es aber keinesfalls. "Ich komme aus einer sehr unkünstlerischen Familie", sagt der Singer/Songwriter und erzählt weiter: "Meine Eltern interessierten sich nie für Musik, meine Mutter hat nur hin und wieder Reinhard Mey gehört. Und da ich viele Jahre keine Künstler in meinem persönlichen Umfeld hatte, konnte ich mir auch überhaupt nicht vorstellen, wie man von der Musik leben soll. Der Realist in mir glaubte nie, dass das klappen kann." Daher nahm Max Prosa, der eigentlich Max Podeschwig heißt, nach dem Abitur auch zunächst ein Physikstudium auf.


Es dauerte nicht lange, bis ihm klar wurde, dass er an der Universität nicht glücklich wird: "Ich merkte, dass da etwas anderes in mir ist. Für das Studium fehlte mir jegliche Motivation, was auch mit dem Bachelor-System zu tun hatte. Mir kam das vor wie ein Automat: Ich werfe Zeit ein und dann kommt irgendwann mein Abschluss raus." Prosa flüchtete nach Irland, reiste zunächst und kam dann für vier Wochen in einem Hostel in Dublin unter. Zehn Euro musste er für eine Übernachtung bezahlen - das Geld verdiente er sich als Straßenmusiker. "Irland hat viel in mir bewegt. Ich musste mich morgens vorm Aufstehen nicht fragen, warum ich mich eigentlich aus dem Bett begebe. Es fühlte sich alles so richtig und befreiend an."

Zurück in Berlin zog Prosa sofort aus der elterlichen Wohnung in Charlottenburg aus. Er ging nach Neukölln ("Die freie Atmosphäre dort passt viel besser zu mir"), studierte "alibimäßig" Philosophie und entschied sich bald, es ernsthaft mit der Musik zu versuchen. Dass seine Eltern nicht begeistert von seinem Entschluss waren, nahm der Sänger ihnen zu keinem Zeitpunkt übel: "Sie machten sich einfach Sorgen. Für mich war das ein totaler Antriebsfaktor, ich wollte es ihnen beweisen." Max Prosas Kampfgeist war geweckt, was letztlich auch seine eigenen Zweifel an der Musikkarriere in den Hintergrund rücken ließ.

Im Moment hat er zum Zweifeln weder Zeit noch Grund. Nachdem er im vergangenen Jahr im Vorprogramm von Clueso spielte, startet im Februar Prosas eigene Tournee. Schon vor der Veröffentlichung seines ersten Albums wird der Newcomer als einer der besten Songschreiber Deutschlands gefeiert und immer wieder mit Bob Dylan verglichen. Ein Vergleich, der ihn schon seit Jahren begleitet: "Früher nervte mich das ziemlich. Die Leute sahen meine Locken, meine Mundharmonika, meine Gitarre - und schon war ich Bob Dylan. Das hat viel mit meiner Optik zu tun. Musikalisch kann man uns eigentlich überhaupt nicht vergleichen, weil wir in verschiedenen Sprachen singen."

Dass Max Prosa seine "lyrischen Folk-Rock"-Songs auf Deutsch schreibt, ist für ihn selbstverständlich: "Nur so habe ich die maximale Kontrolle über meine Worte. Auf Englisch zu schreiben, wäre für mich so, wie wenn ein Chirurg eine feine Operation machen muss, aber nur ein großes Fleischermesser zu Hand hat." Prosa arbeitet nicht nur in seinen Liedern gerne mit Bildern: "Meine Texte beruhen auf meiner Fantasie", sagt der Musiker, der seine Ideen jeden Tag aufs Papier bringt. Oftmals wird ihm attestiert, dass seine Songs nach sehr viel Lebenserfahrung klingen. Nach Lebenserfahrung, die er eigentlich noch gar nicht haben kann. Prosa meint: "Ich denke nicht, dass ich mehr erlebt habe als ein anderer 22-Jähriger. Ich setze mich mit Sehnsüchten auseinander und suche Metaphern für das, was sein könnte. Mehr mache ich doch gar nicht."

Für seine Zukunft wünscht sich Max Prosa, dass "der Prozess am Laufen bleibt". Er will Musik machen, auf Tour gehen und den Moment genießen. "Momentan passieren so viele aufregende Dinge. Heute zum Beispiel haben wir das Video zu meiner Single 'Mein Kind' gedreht, und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in einem Flugzeug geflogen, in das nur zwei Menschen passen. Ich glaube, ich habe meine Flugangst überwunden, weil ich mir endlich vorstellen konnte, warum diese Dinger nicht abstürzen", freut sich Prosa. Er würde gerne noch mehr von seinem Tag erzählen, aber um ihn herum bricht wieder die Hektik aus. Und dieses Mal muss er sich aus der Ruhe bringen lassen: Die Zuschauer sind da, die "Die Phantasie wird siegen"-Bausteine leuchten. Das Konzert kann beginnen.



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